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Teekampagne: Bester Tee zum guten Preis


Ein guter Plan und eine gute Idee sind die wichtigsten Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Firma aufzuziehen, diese Botschaft wollte der Hochschullehrer Günter Faltin vermitteln, und zwar anhand von Tee. Das Aufgussgetränk wird in Deutschland relativ teuer verkauft, was aber wegen der kleinen Packungsgrößen in der Regel kaum auffällt. Faltin war der Meinung, dass sich der Tee wesentlich preisgünstiger verkaufen lässt, und zwar ohne dass die Qualität beeinträchtigt wird und ohne die Produzenten und die Beschäftigten auf den Teeplantagen zu benachteiligen. Bei näherer Betrachtung des Teemarktes und -handels stellte sich heraus, dass es vor allem kleine Packungsgrößen sind, die Tee in Deutschland teuer machen, obwohl er im Ursprungsland vergleichsweise günstig produziert wird. Auch der umständliche und aufwändige Vertrieb über mehrere Zwischenstationen treibt den Preis in die Höhe, bis das Produkt schließlich im Handel landet. Hinzu kommt das große Angebot an verschiedenen Sorten wie Earl Grey, Assam oder Ceylon, das die Geschäfte bereithalten. Könnte man jedoch Tee in großen Mengen importieren, sich die Zwischenhändler und die teuren Kleinpackungen sparen und stattdessen den Tee direkt an die Kunden verkaufen, könnte man den Tee erheblich billiger anbieten, so die Überlegung. Tee ist relativ lange haltbar, er kann bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Unter dem Aspekt der Haltbarkeit wären somit kostengünstige Großpackungen möglich.

Ungewöhnliches Konzept

Einziger Haken: Die Teeliebhaber müssten bereit sein, auf die gewohnt große Auswahl an verschiedenen Teesorten zu verzichten und sich einen größeren Vorrat nur einer einzigen Sorte zuzulegen. Faltin ging aber davon aus, dass Kunden sich darauf einlassen würden, wenn sie einen außerordentlich hochwertigen Tee zu einem unschlagbar attraktiven Preis bekommen könnten. So fiel die Wahl auf Darjeeling, der für Teekenner der Champagner des Tees ist. Denn wer den besten Tee trinkt, kann auf andere Sorten verzichten. Die hochwertige Schwarzteesorte wird im gleichnamigen indischen Distrikt angebaut, doch oft gelangt Tee in den Handel, der mit anderen Sorten vermischt wurde. Nach Angaben der offiziellen indischen Teebehörde Tea Board of India produziert die Region Darjeeling jedes Jahr etwa 10.000 Tonnen der Teesorte, weltweit werden aber 40.000 Tonnen als Darjeeling verkauft. Die Teekampagne kaufte von Anfang an ausschließlich reinen Darjeeling. Dass es sich um 100% echten Darjeeling handelt, erkennen Verbraucher am Gütesiegel des Tea Board of India, das die Teekampagne seit 1988 tragen darf. Um das Startkapital überschaubar zu halten, wurde der Tee anfangs per Postversand und gegen Vorauskasse an die Kunden verkauft, inzwischen sind Bestellungen über das Internet möglich. Tatsächlich ging das ungewöhnliche Konzept auf: Setzte das Unternehmen im ersten Jahr 3,5 Tonnen Tee um, waren es 2010 etwa 400 Tonnen, und das ganz ohne Werbung. Eigenen Angaben zufolge bezahlt die Teekampagne den Produzenten Preise, die über dem Weltmarktniveau liegen. Der Tee wird konsequent auf Rückstände und Schadstoffe kontrolliert und die Qualität durch ein mehrstufiges Kontrollsystem gesichert, so dass der Tee Bioqualität entspricht. Die Ergebnisse der Rückstandskontrollen sind auf der Packung nachzulesen. Auch der Anbau wird überprüft. Transparenz steht hoch im Kurs: Im Internet wird erklärt, wie der Teepreis zustande kommt, zudem können Kunden zurückverfolgen, woher ihr Tee stammt. Für seine gute Idee erhielt Günter Faltin 2009 im Rahmen des Deutschen Gründerpreises einen Sonderpreis.

24.08.2011 | 00:00

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