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Theodor Weimer bringt Deutsche Börse auf Kurs

Theodor Weimer (Bild: Wikipedia)


Die Deutsche Börse ist erfolgreich ins neue Jahr gestartet und will weiter wachsen. Gleichzeitig sollen die Kosten sinken. Und der Ruf wieder aufpoliert werden. Mit Theodor Weimer an der Konzernspitze scheint dafür der richtige Mann gefunden. Seit seinem Amtsantritt vor viereinhalb Monaten hat sich bereits einiges getan, die Frankfurter wirken unter ihm wieder dynamischer, zielstrebiger und auch glaubhafter.

Von Oliver Götz

Die Deutsche Börse erlebte 2017 ein Jahr, das man wohl gut und gerne als Horrorjahr bezeichnen kann. Erst scheiterte die Fusion mit der London Stock Exchange, dann kostete die Insideraffäre Carsten Kengeter den Job des Vorstandsvorsitzenden. Kengeter soll 2015 60.000 Aktien der Deutschen Börse, und damit Aktien des eigenen Unternehmens, zwei Monate vor Ankündigung der geplanten Fusion mit der LSE erworben haben. Das Verfahren gegen ihn läuft noch. Doch auch wenn noch nichts bewiesen sei, der Verdacht und die Ermittlungen seien peinlich genug, so Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment.

Der gerade in der Börseninfrastrukturbranche so wichtige Ruf litt spürbar. Vor allem auch, da die Frankfurter erst verspätet handelten. Das zumindest werfen einige Investoren Aufsichtsratschef Joachim Faber vor. Der, so sagen sie, hätte  zu lange an Kengeter als Chef des Unternehmens festgehalten. Zudem ist weiterhin unklar, inwieweit Faber selbst in diesen möglichen Skandal verwickelt ist. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch bekräftigte Faber nun zwar seine Absicht für weitere drei Jahre als Aufsichtsratschef kandidieren zu wollen, stellte aber mittelfristig seinen Rückzug in Aussicht.

Kein Kotau vor der Managerebene

Weit von einem Rückzug entfernt ist dagegen Theodor Weimer, der zum ersten Januar des laufenden Jahres den Vorstandsvorsitz von Kengeter übernahm. Der ehemalige Hypo-Vereinsbank-Chef hat in seiner gerade einmal viereinhalb Monate alten Amtszeit schon einige Zügel straffer gezogen, manch Segel neu gespannt und den Kurs wieder in Richtung Zukunft gedreht. Gleich zu Beginn schaffte der 58-jährige den von seinem Vorgänger einberufenen erweiterten Vorstand wieder ab, entließ zudem einige hochrangige Manager. Wie er in seiner Rede auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Jahrhunderthalle ankündigte, soll die Managementebene in Zukunft noch weiter ausgedünnt werden.
„Wir machen vor der Management-Ebene nicht Halt. Wir werden dort bis zu 50 Stellen abbauen, um die Organisation effizienter und agiler zu machen“, sagte Weimer.

Wie viele Stellen insgesamt wegfallen sollen, wollte er nicht sagen. Zuletzt war aber immer wieder die Zahl von zirka 300 Arbeitsplätzen umherkursiert. Weimer will und muss die Kosten reduzieren. 100 Millionen Euro jährlich sollen bis 2020 eingespart werden. Am schnellsten geht das über einen Personalabbau. Doch er will auch neue Leute einstellen. „Wenn wir unsere Wachstumsziele wie geplant erfüllen, werden wir trotz des geplanten Personalabbaus über die nächsten Jahre eine dreistellige Zahl neuer Stellen schaffen“, erklärte sich der neue CEO. „Wir brauchen Mitarbeiter, die sich mit den neuen Technologien auskennen.“

Bekenntnis zum Heimatstandort

Zu größeren Übernahmen soll es vorerst nicht kommen. „Transformatorische Transaktionen, bei denen wir nicht die Mehrheit danach halten oder der Sitz des Unternehmens nicht mehr in Hessen liegt, sind für uns keine Option.“, sagte Weimer. Er gibt eine klare Richtung vor, wirkt zielstrebig, schreckt auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück. Was die nötigen Spar- und Umbaumaßnahmen betrifft hat er nicht lange überlegt, sondern schnell gehandelt. Seine Nominierung als Vorstandschef sei eine gute Entscheidung gewesen, urteilt deshalb nicht nur Union Investment-Experte Speich.

Was die Grundsätze der Strategie für die Zukunft betrifft, beruft sich Weimer allerdings auf die Ziele, die auch sein Vorgänger schon ausgegeben hatte. In den kommenden Jahren will er den Gewinn jeweils um zehn bis 15 Prozent steigern, zudem verstärkt in neue Technologien investieren. Wachsen soll die Deutsche Börse vor allem in den Bereichen Festverzinsliche Wertpapiere, Währungen, Energieprodukte, Dienste für Investmentfonds sowie in dem der Daten und Indizes. Weimer legt damit einhergehend viel Wert auf das strukturelle Wachstum, also das, was die Deutsche Börse selbst beeinflussen kann. Das Jahr 2017 hat gezeigt, wie wichtig ein eben solches ist. Die Ergebnisse waren zwar trotz der Turbulenzen im Unternehmen gut, da die Turbulenzen am Aktienmarkt aber ausblieben, gingen dem Konzern auch einige Einnahmen verloren.

Die Zahlen der Börse stimmen

Da sah im ersten Quartal 2018 schon ungleich besser aus. Durch die an die Märkte zurückgekehrte Volatilität stiegen die Nettoerlöse der Deutschen Börse um elf Prozent auf 691 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte sogar um 15 Prozent auf 438 Millionen Euro. Auf eine hohe Volatilität wollen sie sich in Frankfurt aber nicht verlassen. Neue Produkte und Technologien sollen her. Und sie müssen es auch, im Geschäft mit Börseninfrastruktur sind die Wettbewerber nicht weit. Schon kleine Systemschwächen oder ein verpasster Produkttrend und Anleger könnten zur Konkurrenz überlaufen.

Die eigenen Anleger scheinen Weimer bislang zu vertrauen. Der Aktienkurs der Deutschen Börse AG ist seit Beginn des Jahres um fast 20 Prozent von 96,70 auf 115,10 Euro gestiegen. Natürlich hängt diese positive Entwicklung auch an den zuletzt guten Ergebnissen. Da an der Börse aber ja bekanntlich die Zukunft gehandelt wird, dürfte ein Teil auch schon auf das Konto von Theodor Weimer gehen. Da mag auch daran liegen, dass Weimer neben Zielstrebigkeit und Willensstärke ebenso eine selbstbewusste Sicherheit und Ruhe ausstrahlt. Und das vielleicht wichtigste: er wirkt glaubhaft.

18.05.2018 | 22:37

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