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Valensina: Enorme Zuwächse mit frischen Säften


„Valensina erntefrisch gepresst ist zukünftig die Speerspitze unserer Marke, mit der wir unsere herausragende Stellung im kühlfrischen Marktsegment untermauern wollen“, sagt Geschäftsführer Tino Mocken. Ab Dezember 2011 ist die neue Produktlinie des Mönchengladbacher Getränkeherstellers erhältlich. Die damit verbundene Marketing-Offensive geht zwar ziemlich ins Geld. Aber Valensina kann sich das leisten. Im Frühjahr platzierte das Unternehmen binnen weniger Stunden am Mittelstandsmarkt der Düsseldorfer Börse eine Anleihe über 50 Mio. Euro. Mit dem Emissionserlös will Valensina das Markengeschäft ausbauen: Neben kühlfrischen Direktsäften sollen ein überarbeitetes Fruchtsaftsortiment und weitere Produktinnovationen für ertragsorientiertes Wachstum sorgen. Gerade im Premium-Segment sieht Wilfried Mocken, geschäftsführender Gesellschafter, enormes Potenzial. Schließlich entfielen hierzulande lediglich 3% des Verbrauchs auf gekühlte Frischsäfte. In Großbritannien oder den USA liege die Quote bei mehr als 40%. Bisher ist der Konzern vor allem über seine Beteiligung FSP in diesem Bereich vertreten, die Oberklassehotels mit frischem Orangensaft für das Frühstücksbuffet beliefert.

Gelungenes Comeback nach der Pleite

Mit seinem neuesten Produkt kehrt Valensina zu den Wurzeln seiner wechselvollen Unternehmensgeschichte zurück. Firmengründer Rolf H. Dittmeyer baute unter dem Werbeslogan „Frisch gepresst oder Valensina“ eine erfolgreiche Getränkegruppe auf, zu der auch Punica gehörte. Von 1972 bis 1984 war das Unternehmen sogar Exklusivlieferant der Olympischen Spiele. Außerdem errichtete Dittmeyer ab 1980 Orangenplantagen in Spanien. Allerdings zwangen den ehemaligen Edeka-Obsteinkäufer 1985 gesundheitliche Probleme zum Verkauf seines Konzerns an den amerikanischen Konsumgüterriesen Procter & Gamble. 1998 versuchte Dittmeyer ein Comeback und erwarb die Valensina KG zurück. Aber 2001 ging dem 80-jährigen Unternehmer das Geld aus und er musste Insolvenz anmelden. Diese Gelegenheit nutzte die Konkurrenz zum Einstieg: Um die eigenen Abfüllanlagen besser auszulasten, erwarb Underberg-Chef Wilfried Mocken die Marke „Valensina“ für seine Sportfit-Gruppe. Zu Valensina mit einem Jahresumsatz von 230 Mio. Euro gehören heute bekannte Firmen wie Hitchcock oder Wolfra. Zu den wesentlichen Konkurrenten des Konzerns zählen Punica im Besitz des US-Getränkegiganten Pepsico und die Eckes AG, die für Marken wie Granini und Hohes C bekannt ist. Noch härter ist der Wettbewerb bei Handelsprodukten, die meist für Supermarktketten abgefüllt werden. Entsprechend groß war der Preisdruck bereits 2010.

Hohe Investitionen belasten das Ergebnis

Auch für das laufende Jahr hegt das Management in diesem Segment eher verhaltene Erwartungen. Weitaus besser läuft das Geschäft der Hauptmarke Valensina: Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz mit 40% deutlich stärker als der Fruchtsaftmarkt insgesamt, der wertmäßig um 7% wuchs. Die Investitionen in den strategischen Ausbau der Marke Valensina sowie die unverändert hohen Rohstoffpreise belasten zwar das Ergebnis 2011. Mittelfristig sollte sich das Engagement aber auszahlen, um Valensina zu alter Stärke zurückzuführen. Außerdem müssen die Anleihezinsen von knapp 3,7 Mio. Euro jährlich erwirtschaftet werden. Immerhin betrug das operative Ergebnis der Valensina GmbH 2010 nur gut 5 Mio. Euro. Kann sich das Unternehmen allerdings im Hochpreissegment behaupten, dürfte der Gewinn wegen der besseren Margen auf längere Sicht deutlich steigen. Denn die frisch gepressten Säfte sind für anspruchsvollste Verbraucher gedacht und entsprechend teuer: Die Literflasche soll im Laden 2,99 Euro kosten.

01.12.2011 | 00:00

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