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Vivil: Frisch durchatmen



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Der Ursprung des Bonbonimperiums befindet sich laut Unternehmenslegende auf einem Exerzierplatz. Der Überlieferung nach versah hier der Kaufmann August Müller kurz nach der Jahrhundertwende seinen Militärdienst. Gegen die Hitze und den Staub, den er dabei häufig ertragen musste, wünschte er sich eine kleine handliche Erfrischung: Die Idee des Pfefferminzbonbons war geboren. 1903 brachte er mit seiner Straßburger Firma Müller & Co. seine Kreation unter dem Namen Vivil, dem Namen seiner französischen Ehefrau, auf den Markt. Von Anfang an schwebte ihm dabei die internationale Expansion vor. Nicht nur europaweit, sondern auch in den USA und Asien sollten seine Bonbons aus der praktischen Rolle für frisches Durchatmen sorgen. Nachdem Straßburg nach dem Ersten Weltkrieg gemäß dem Versailler Vertrag französisch wurde, zog die Bonbonfirma nach Offenburg um. Bruno, der Sohn des Firmengründers, schien das strategische Denken seines Vaters geerbt zu haben: Mit gezielten Werbemaßnahmen machte er Vivil-Bonbons bekannt. Am Bahnhof oder auf dem Sportplatz, überall wo Leute Lust auf eine kleine Erfrischung verspürten, warben Banner und Plakate für die Pfefferminzbonbons. Der Zweite Weltkrieg stellte auch für Vivil einen tiefen Einschnitt dar: Bruno kehrte nicht aus dem Krieg zurück und nur zwei Jahre nach Kriegsende starb auch August Müller. Sein Enkel Axel Michael war noch zu jung für das Bonbongeschäft. Und so sprangen erst mal seine Mutter Elisabeth und deren Schwester für einige Jahre ein. Nicht zuletzt ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass sich das Unternehmen während der Wirtschaftswunderjahre positiv entwickelte und die Pfefferminzbonbons bald wieder in aller Munde waren.

Von Pfefferminz bis Latte macchiato

Mit Anfang 20 übernahm Axel Michael Müller-Vivil schließlich 1962 die Firmenleitung. Ständig interessiert an neuen Geschmacksrichtungen und neuen Produkten sowie ein Experte für Marketing setzte er alles daran, das Unternehmen noch bekannter zu machen. Die Pfefferminzbonbons hatten große Auftritte in der Fernsehwerbung und im Sportsponsoring. Der weiße Vivil-Schriftzug auf grünem Hintergrund zierte sogar einst die Rennoveralls und Autogrammkarten von Michael Schumacher, als der Formel-1-Rennfahrer aus Kerpen zu Beginn seiner Karriere für das Benettonteam startete. Auch den Trend zu zuckerfreien und dadurch zahnschonenden Bonbons erkannte der Chef frühzeitig. Obwohl Vivil längst zu einer international bekannten Marke avanciert war, blieb die Firma ihrer Heimat Offenburg am Rande des Schwarzwaldes treu. Axel Müller-Vivil gilt als weltoffen, zugleich aber auch als bodenständig und heimatverbunden. Das zeigt sich auch an den Produkten: Das klassische weiße Pfefferminzbonbon als Rolle oder Stange gibt es immer noch nahezu unverändert und lässt Nostalgie aufkommen. Doch hinzu kamen im Laufe der Jahre immer neue Sorten wie Cremebonbons mit Füllungen in Kirsch-, Schoko- oder Kaffeegeschmack oder Kaffeebonbons mit anregendem Guarana für mehr Energie. Fruchtige Kaubonbons, Husten- und Halsbonbons, Pastillen für frischen Atem oder Sahnebonbons mit trendigem Latte-macchiato-Geschmack, alle unter der Marke Vivil –, denn schließlich sollen die Bonbons auch neuen, jungen Kunden schmecken und der Markenname nicht an Bekanntheit einbüßen. Inzwischen ist mit Alexander Müller-Vivil die vierte Generation ins Unternehmen eingestiegen. Gemeinsam kümmern sich die beiden Müller-Vivils darum, dass Vivil-Bonbons auch in den nächsten Jahren in 30 Ländern für Erfrischung und Geschmack sorgen.

 

23.11.2010 | 00:00

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