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Anleger stürzen sich auf Unitree-Aktien

| Redaktion Börse am Sonntag

Unitree-Roboter.
Auf dem Vormarsch und an der Börse im Trend: Roboter von Unitree. (picture alliance / CFOTO | CFOTO)

Humanoide Roboter gehören zu den großen Zukunftsthemen der Technologiebranche – und inzwischen auch zu den heißesten Wetten an der Börse.

Der chinesische Robotikhersteller Unitree erlebt bei seinem IPO eine enorme Nachfrage. Doch hinter dem Hype stehen auch hohe Erwartungen: Das Unternehmen wird bereits mit einem Milliardenwert gehandelt, obwohl der Markt für humanoide Roboter noch am Anfang steht.

An der Börse ist derzeit kaum ein Zukunftsthema so gefragt wie künstliche Intelligenz. Doch während sich die erste KI-Welle vor allem auf Chips, Rechenzentren und Software konzentrierte, rückt inzwischen eine weitere Technologie in den Mittelpunkt: humanoide Roboter. Der chinesische Hersteller Unitree Robotics liefert dafür gerade ein besonders eindrucksvolles Beispiel.

Bei der Zeichnung für Privatanleger wurden laut Angaben der Shanghaier Börse rund 8.300-mal mehr Aktien nachgefragt als ursprünglich vorgesehen. Unitree will mit dem Börsengang gut sechs Milliarden Yuan beziehungsweise rund 790 Millionen Euro einnehmen. Der erste Handelstag steht allerdings noch nicht fest.

Die Nachfrage ist umso bemerkenswerter, weil Unitree bereits mit einer sehr ambitionierten Bewertung an den Kapitalmarkt kommt. Reuters zufolge liegt der Unternehmenswert bei rund 9 Milliarden US-Dollar. Auf Basis der erwarteten Gewinne entspricht das einem dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis. Damit wird deutlich: Anleger kaufen nicht nur die heutigen Geschäftszahlen, sondern vor allem die Hoffnung auf ein enormes Wachstum der Robotikbranche.

Vom Roboterhund zum humanoiden Helfer

Unitree mit Sitz in Hangzhou ist noch ein vergleichsweise junges Technologieunternehmen, hat sich aber international bereits einen Namen gemacht. Bekannt wurde der Hersteller zunächst durch vierbeinige Roboter, die optisch an Hunde erinnern und unter anderem für Forschung, Ausbildung und industrielle Anwendungen entwickelt werden.

Inzwischen liegt der Fokus zunehmend auf humanoiden Maschinen. Die Roboter können laufen, springen, boxen oder komplexe Bewegungsabläufe ausführen. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt Unitree unter anderem durch spektakuläre Auftritte bei der chinesischen Frühlingsfest-Gala des Staatssenders CCTV. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte das Unternehmen während seiner China-Reise.

Das Ziel der Branche geht allerdings weit über spektakuläre Demonstrationen hinaus. Humanoide Roboter sollen perspektivisch Aufgaben übernehmen, die heute von Menschen ausgeführt werden – etwa in Fabriken, Logistikzentren, im Gesundheitswesen oder irgendwann auch im privaten Haushalt.

Milliardenmarkt mit gewaltigem Potenzial

Genau hier liegt die große Fantasie für Anleger. Sollte es gelingen, humanoide Roboter zu deutlich niedrigeren Kosten in großen Stückzahlen herzustellen, könnte ein völlig neuer Massenmarkt entstehen. Unternehmen könnten Maschinen einsetzen, die nicht nur einzelne automatisierte Arbeitsschritte erledigen, sondern sich in Umgebungen bewegen, die ursprünglich für Menschen konzipiert wurden.

Dafür braucht es allerdings mehr als leistungsfähige Mechanik. Entscheidend sind Sensorik, künstliche Intelligenz, Akkutechnik und die Fähigkeit, aus der Umgebung zu lernen. Deshalb verschwimmen bei Unternehmen wie Unitree zunehmend die Grenzen zwischen Robotik und KI.

Unitree plant, einen erheblichen Teil der Einnahmen aus dem Börsengang in die Entwicklung eigener KI-Modelle, neue Roboter und zusätzliche Produktionskapazitäten zu investieren. Bereits 2025 erzielte das Unternehmen nach Angaben der Shanghaier Börse einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Yuan.

Tesla und Boston Dynamics als Konkurrenten

Unitree ist allerdings keineswegs allein. Auch Tesla arbeitet mit Optimus an einem humanoiden Roboter. Dazu kommen zahlreiche chinesische Wettbewerber sowie Unternehmen wie Boston Dynamics.

China entwickelt sich dabei zu einem besonders wichtigen Zentrum der Robotikindustrie. Die Regierung fördert den Ausbau entsprechender Technologien, während zahlreiche Start-ups und etablierte Technologiekonzerne um Marktanteile kämpfen.

Für Unitree ist das Chance und Risiko zugleich. Ein schnell wachsender Markt eröffnet enorme Möglichkeiten, gleichzeitig kann der Wettbewerb die Preise unter Druck setzen und hohe Forschungs- und Entwicklungskosten verursachen.

Hype oder neue Tech-Revolution?

Die Bewertung der Unitree-Aktie zeigt, wie groß die Erwartungen sind. Reuters zufolge rechnen Anleger bereits mit einer Bewertung von rund 118 Jahresgewinnen auf Basis der erwarteten Ergebnisse.

Das erinnert an die derzeitige Dynamik bei anderen chinesischen KI-Aktien. Erst kürzlich sorgte etwa der Speicherchip-Hersteller CXMT mit einem extrem starken Börsendebüt für Aufsehen. Solche Kursbewegungen zeigen, dass Anleger bereit sind, für Zukunftstechnologien hohe Preise zu bezahlen.

Genau darin liegt jedoch die Gefahr. Denn der kommerzielle Einsatz humanoider Roboter befindet sich noch in einer frühen Phase. Viele Anwendungen sind technisch möglich, aber wirtschaftlich noch nicht bewiesen. Hinzu kommen hohe Entwicklungskosten und die Frage, ob sich die Maschinen tatsächlich schnell genug verkaufen lassen.

Was bedeutet das für Anleger?

Der Unitree-IPO ist damit mehr als nur der Börsengang eines einzelnen Robotikunternehmens. Er wird zu einem Gradmesser für die Erwartungen an die gesamte Branche. Ein erfolgreicher Börsenstart könnte weitere Robotikunternehmen an den Kapitalmarkt locken und den aktuellen Investmenttrend zusätzlich beschleunigen.

Für Anleger ist allerdings Vorsicht angebracht. Hohe Nachfrage bei einem IPO bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie auch langfristig erfolgreich sein wird. Gerade bei Unternehmen mit sehr ambitionierten Bewertungen können bereits kleinere Enttäuschungen bei Umsatz, Gewinn oder Auftragslage heftige Kursreaktionen auslösen.

Unitree steht exemplarisch für die nächste Phase des KI-Booms. Nachdem Anleger zunächst Chips und Rechenzentren entdeckt haben, richtet sich der Blick nun auf Maschinen, die künstliche Intelligenz in die reale Welt bringen. Ob daraus tatsächlich ein neuer Megamarkt entsteht, muss sich erst zeigen. Der enorme Anlegerandrang beim Unitree-IPO macht jedoch deutlich: Die Börse glaubt bereits heute an eine große Zukunft der humanoiden Robotik.

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