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Der Nächste bitte: Wird Covestro nach Abu Dhabi verkauft?

Abu Dhabi National Oil bietet offenbar für den Leverkusener Kunststoffspezialisten. Das treibt die Aktie nach oben, ist aber auch die Fortsetzung eines Trends: die großen staatlichen Ölkonzerne aus dem Nahen Osten kaufen sich bei Europas Chemiefirmen ein.

(Foto: Shutterstock)

Abu Dhabi National Oil bietet offenbar für den Leverkusener Kunststoffspezialisten. Das treibt die Aktie nach oben, ist aber auch die Fortsetzung eines Trends: die großen staatlichen Ölkonzerne aus dem Nahen Osten kaufen sich bei Europas Chemiefirmen ein.

Zunächst war es am Dienstag eine Gewinnwarnung von Lanxess, die die gesamte europäische Chemiebranche an der Börse tief ins Minus drückte. Der Aktienkurs der Kölner brach zweistellig ein, BASF-Aktien gaben um über drei Prozent nach und die Covestro-Titel verloren rund acht Prozent. Europas Chemiekonzerne leiden unter einer in 2023 bis dato schwachen Nachfrage und gleichzeitig hohen Lagerbeständen ihrer Abnehmer, die diese nun erst einmal reduzieren.

Die Lanxess-Gewinnwarnung ist der nächste Dämpfer für die angesichts der Energiekrise und stärker werdender Konkurrenz aus China gebeutelte europäische Industrie. Für Anleger sind die Kursentwicklungen der großen deutschen Werte – Lanxess, Covestro und BASF – auf Jahressicht entsprechend enttäuschend.

Das hat allerdings die Bewertungen auch auf ein Niveau gedrückt, auf dem kleinere Spezialisten interessant für eine Übernahme werden können. BASF fällt als weltgrößter Chemiekonzern nicht darunter, der Kunststoffspezialist Covestro schon. Aus diesem Grund hatte Baader Bank-Analyst Markus Mayer die Aktie erst im März hochgestuft.

Und tatsächlich: der Dienstag hat für Covestro an der Börse noch eine überraschende Kehrtwende genommen. Am Ende des Tages stand die Aktie nicht mehr mit acht Prozent im Minus, sondern auf einmal mit 15 Prozent im Plus. Damit kostete die Aktie über 46 Euro, der höchste Werte seit über einem Jahr. Grund dafür war ein Bloomberg-Bericht gewesen, der eine mögliche Übernahme von Covestro durch Abu Dhabi National Oil, kurz Adnoc, andeutete. Es soll bereits erste Gespräche zwischen den beiden Konzernen gegeben haben. Ein erstes Angebot von Adnoc soll im mittleren Bereich zwischen 50 und 60 Euro gelegen haben. Sowohl Covestro als auch Adnoc wollten sich zunächst nicht näher zu den Spekulationen äußern.

Wenn eine angesehene Nachrichtenagentur wie Bloomberg allerdings darüber berichtet und das sogar bereits mit einem diskutierten Übernahmepreis, dann erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass es sich hier um eine Luftnummer handelt. Zum Ende der Woche berichtete überdies erneut Bloomberg unter Berufung auf Insider, dass Covestro das Übernahmeangebot abgelehnt und als zu niedrig bezeichnet habe.

Für Anleger ist die Sache damit aber nicht vom Tisch. Auch am Donnerstag stand der Covestro-Kurs noch bei über 46 Euro. Damit gehört die Covestro-Aktie nun auch zu den zehn besten Dax-Aktien 2023. Baader Bank-Analyst Mayer nach könnte der Kurs noch weiter steigen: „Um die 60 Euro je Aktie muss Adnoc mindestens bieten, um erfolgreich zu sein.“

Auch Goldman Sachs-Analystin Georgina Fraser listet Covestro auf „Buy“ mit einem Kursziel von 64 Euro. Das Übernahmeinteresse von Adnoc zeige welch strategischen Reiz Covestro habe, schrieb die Expertin.
Für Adnoc könnte der Deal Sinn ergeben. Der staatliche Ölkonzern fördert nahezu das gesamte Erdöl in den Vereinigten Arabischen Emiraten und will rund 150 Milliarden US-Dollar in eine breitere Diversifizierung seiner Produktpalette investieren.

Mit diesem Vorhaben ist Adnoc nicht allein. Die Ölkonzerne im Nahen Osten wollen sich zum einen weniger abhängig vom Erdöl machen und mit den exorbitanten Gewinnen, die sie aktuell noch mit dessen Förderung erzielen, zukunftsfähig aufstellen. Zudem zeigt sich anhand bereits getätigter Übernahmen: man will mehr Anteil an der Wertschöpfungskette und nicht mehr bloßer Erdölproduzent sein.
Damit ist ein echter Trend entstanden. So wie sich China in europäische Infrastruktur und Zukunftstechnologien einkauft, übernehmen staatliche Ölkonzerne aus dem Nahen Osten immer mehr Anteile an Europas Chemie-Konzernen.

Adnoc beispielsweise hält seit dem vergangenen Jahr Anteile am österreichischen OMV-Konzern in Höhe von 3,9 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein Anteil von einem Viertel am ebenfalls österreichischen Kunststoffspezialisten Borealis. Saudi Aramco, der staatliche Ölriese aus Saudi-Arabien, kaufte 2018 den Kautschukhersteller Arlanxeo. Die letzten dafür noch notwendigen Anteile kamen von Lanxess. Der saudische Metallproduzent SABIC erwarb 2018 25 Prozent am Chemieunternehmen Clariant aus der Schweiz. Ein gutes Jahrzehnt vorher hatte der Konzern bereits die Kunststoffsparte von General Electric übernommen.

Adnoc wiederum hat die Fühler auch nach Südamerika ausgestreckt und arbeitet mit Apollo Global Management an einer Übernahme von Braskem aus Brasilien.

OG

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