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Ryanair: Die etwas anderen Überflieger

Ryanair schwebt auf Wolke 7. Die jüngsten Erfolge beeindrucken die Branche. Damit das so bleibt, fahren die Iren mit ihrer aggressiven Expansionsstrategie fort.

BÖRSE am Sonntag

Laut, markant, äußerst direkt, ja bisweilen obszön- so tritt Michael O'Leary, Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair, nur allzu gerne in der Öffentlichkeit auf. Ein Blatt vor den Mund nehmen? Davon scheint der 54-jähtige nichts, aber auch gar nichts zu halten. Worauf der Manager bei seinem Job den absoluten Fokus legt, wird deutlich, wenn man sich folgende von ihm getätigte Aussage vergegenwärtigt: „Es ist mir scheißegal, ob mich jemand mag. Ich bin kein Träumer, Aerosexueller oder verhinderter Pilot, wie sie die Flugbranche bevölkern. Ich will Geld verdienen.“

Und genau das klappt momentan atemberaubend gut. Die jüngst veröffentlichten Zahlen sind eindeutiger Beleg für den anhaltenden Wachstumskurs des Billigfluganbieters. Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres 2015/2016 verzeichnete Ryanair ein Plus von 13 Prozent bei den Passagieren. Zudem kann sich das 1985 gegründete Unternehmen über beinahe voll besetze Maschinen freuen, da der Ladefaktor um vier Prozentpunkte auf 93 Prozent zulegte. Entsprechend erfreulich entwickelten sich auch die Umsätze, die eine Steigerung von 14 Prozent auf 4,04 Milliarden Euro aufwiesen. Der Nettogewinn schoss gar um 37 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro in die Höhe. Auch die Nettomarge erreichte vier Prozent mehr als vor Jahresfrist, und verzeichnete einen Wert von 27 Prozent.

Im wichtigen Sommerquartal bis Ende September verdiente Ryanair 843 Millionen Euro und damit 41 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Angesichts dieses deutlichen Fortschritts hob Europas größte Billigflug-Airline die Ergebnisziele für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr erneut an. O'Leary geht davon aus, dass der Überschuss das „obere Ende" der Spanne von 1,175 bis 1,225 Milliarden Euro erreichen wird. Noch gar nicht berücksichtig ist dabei übrigens der Sondereffekt aus dem Verkauf der Beteiligung an der irischen Fluglinie Aer Lingus an die British-Airways-Mutter IAG.

Flug in eine neue Dimension

Der Höhenflug von Ryanair erreicht also eine neue Dimension. Besonders die niedrigen Treibstoffpreise verleihen den Iren momentan Flügel. Zudem gibt die Billigfluglinie weitaus weniger Geld für Betriebskosten und Gehälter aus als viele Konkurrenten. Der aggressive Wachstumskurs soll dafür sorgen, dass Ryanair weiterhin durchstartet. Dazu plant die Billigfluglinie eine massive Expansionsstrategie. Gerade in Deutschland will das Unternehmen mit Sitz in Dublin den Druck auf die Konkurrenz deutlich erhöhen. Noch ist Ryanair hierzulande hinter Lufthansa und Air Berlin nur die Nummer drei am deutschen Markt. Doch das soll sich schon bald ändern, denn O‘ Leary peilt in den kommenden Jahren einen Marktanteil von 20 Prozent an. Aktuell liegt selbiger bei rund fünf Prozent. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sollen neben der vor wenigen Wochen in Berlin-Schönefeld eröffneten sechsten Basis noch einige weitere dazukommen. Insbesondere sollen künftig nicht mehr nur überwiegend Regionalflughäfen, sondern auch große Flughäfen angeflogen werden.

Nicht gerade für Flugzeuge im Bauch sorgen diese Aussichten bei den Verantwortlichen des deutschen Branchenprimus, der Lufthansa. Die Billigfluglinien- allen voran Ryanair, aber auch beispielsweise Easyjet- feiern mit ihrer Konzentration auf innereuropäische Flüge und mit ihren signifikant niedrigeren Kosten große Erfolge, und bringen die Kranichairline so ganz schön in die Bredouille. Die Frankfurter reagieren auf das sich dramatisch verändernde Umfeld mit dem Ausbau der eigenen Billigfluglinie Eurowings. Allerdings stößt das Vorhaben der damit verbundenen drastischen Kostensenkungen nicht gerade auf Gegenliebe bei vielen Stakeholdern. Erhebliche Konflikte über die zukünftige Ausrichtung des Traditionsunternehmens sind dabei vorprogrammiert. Pikanterweise gibt O'Leary seinem Konkurrenten Ratschläge, wie sich dieser aufstellen sollte- natürlich ganz in seiner eigenen Art. Er empfiehlt, Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr sich darauf zu konzentrieren, die Routen nach Frankfurt und München und die Langstrecken zu verbinden. „Alles andere muss weg“, so der irische Geschäftsmann.

Ganz anders sehen da seine Pläne für das eigene Unternehmen aus. Hier lautet die Devise: „kaufen, kaufen, kaufen!“ Alleine in diesem Winter erwartet O'Leary 28 neue Mittelstreckenjets vom Typ Boeing 737. Bis Ende März soll die Ryanair-Flotte 340 Maschinen zählen. Weitere 330 Jets haben die Iren zusätzlich bestellt. Bis zum Jahr 2024 soll die Flotte auf 546 Flugzeuge anwachsen. Dabei rechnet O'Leary mit 180 Millionen Passagiere. Zum Vergleich: Die Lufthansa kam zusammen mit ihren Töchtern Germanwings, Swiss und Austrian Airlines im vergangenen Jahr auf rund 106 Millionen Fluggäste und wächst weitaus langsamer als Ryanair.

Die Iren greifen also mit ihrem exzentrischen Vorsitzenden O´Leary, unter dessen Führung der Aufstieg von einer defizitären Regionalfluggesellschaft zum aktuell drittgrößten europäischen Fluganbieter gelang, voll an. Ein Ende dieser Erfolgsstory ist nichts in Sicht. Und so verwundert es wenig, dass auch die Aktie ein Allzeithoch nach dem anderen feiert. Aktuell ist sie für rund 15 Euro zu haben. Könnte auch sein, dass diese Zahl jetzt gerade in diesem Moment schon wieder überholt ist. Bei Ryanair bewegen sich die Dinge eben rasant in die Höhe. WIM