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Ausgabepreis der Uber-Aktie zwischen 45 und 50 Dollar


Uber will mit seinem Börsengang bis zu neun Milliarden Dollar einnehmen. Der Fahrtendienstvermittler legt die Preisspanne für die Aktie auf 45 bis 50 Dollar fest. Damit ist das Unternehmen vorsichtiger als zunächst von Experten erwartet. Insgesamt strebt Uber in einem der weltgrößten Börsendebüts seit Jahren eine Bewertung von bis zu 90 Milliarden Dollar an. Was Anleger zum Mega-Börsengang wissen sollten.

Das Anfang Mai angestrebte Börsendebüt des Fahrtendienstvermittlers Uber könnte das größte seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba im Jahr 2014 werden. In seiner Pflichtmeldung hat der Fahrtendienstvermittler Uber die Preisspanne für seinen Börsengang festgelegt. Demnach sollen die 180 Millionen Papiere für einen Stückpreis zwischen 44 bis 50 Dollar angeboten werden. Damit strebt das 2009 gegründete Start-up einen Börsenwert von rund 90 Milliarden Dollar an. Zunächst will Uber aber nur einen kleinen Teil seiner Papiere veräußern, insgesamt geht es um zehn Milliarden Dollar. Der Zahlungsdienstleister PayPal plant, Anteilsscheine im Wert von 500 Millionen Dollar über eine Privatplatzierung zu kaufen. Bei einer Privatplatzierung kaufen Großanleger Anteilsscheine eines Unternehmens zu einem festen, vorab ausgehandelten Preis. Diese Kooperation macht vor allem dann Sinn, wenn beide am Deal beteiligten Unternehmen eine Zusammenarbeit planen. Kurzum: Fahrten sollen per PayPal kinderleicht, quasi in Echtzeit, bezahlt werden können.

Eines der wertvollsten Unternehmen der Technologiebranche geht also an die Börse. Als Toyota 500 Millionen Dollar in Uber investierte, wurde das Unternehmen etwa mit 76 Millionen Dollar bewertet. Neben dem Fonds SB Cayman 2 Ltd., der 16,3 Prozent der Firmenanteile mit einem Wert von 222 Millionen Dollar hält, dürften weitere Investoren vom bevorstehenden Kapitalzufluss profitieren. Der frühe Uber-Investor Benchmark besitzt 11 Prozent des Unternehmens, Alphabet 5,2 Prozent der Anteile. 8,6 Prozent gehören einem Mann, der nach seinem Rauswurf ein wenig in Vergessenheit geraten ist, aber essentiell für die Existenz des Unternehmens ist: Die Rede ist vom Start-Up-Gründer Travis Kalanick.

Nachdem Uber die Bedingungen für den Börsengang festgelegt hat, könnte Dara Khosrowshahi schon bald auf große Werbetour gehen. Denn jüngst waren potentielle Investoren vorsichtiger geworden – nicht zuletzt wegen der schlechten Performance von Lyft an der Wall Street. Die Lyft-Aktie hat seit dem Börsengang rund 22 Prozent verloren. Der kleine Rivale hat zwar das Rennen um den Börsenstart gewonnen, sei aber für viele Investoren aufgrund der Größe wesentlich uninteressanter als Uber, meint Fondsmanager Dan Morgan von Synovus Trust: „Investoren wollen in die weltweit führende Firma investieren.“ Morgan erwartet, dass Uber künftig 60 bis 65 Prozent des 125 Milliarden Dollar schweren US-Mobilitätsmarkts beherrscht, der Konkurrent aus San Francisco käme auf 30 bis 35 Prozent der Anteile. Während Lyft nur in Kanada und den USA operiert, können User die Uber-App in mehr als 750 Städten weltweit nutzen. Nun expandiert das von Khosrowshahi geführte Unternehmen in den Nahen Osten. Außerdem kaufte Uber den Fahrdienst Careem für 3,1 Milliarden Dollar. Zu den weiteren Konkurrenten gehören Didi in China und Ola in Indien.

Ob der Fahrtendienstvermittler, der sein Geld mit Vermittlungsgebühren verdient, je Gewinne ausweisen wird, ist offen. In einem Schreiben an die Börsenaufsicht warnte das Unternehmen selbst vor den deutlich steigenden Kosten, die „womöglich“ nie dazu reichen, Schwarze zahlen zu schreiben. Allein 2018 verlor Uber 1,85 Milliarden Dollar – die Öffentlichkeit kümmerte das bisher recht wenig. Besonders streng dürften Investoren zukünftig aber auf die Ausgaben des Start-Ups blicken, denn nur wenn das Unternehmen dauerhaft profitabel ist, kann CEO Khosrowshahi nachhaltig gesundes Wachstum sicherstellen. Ein positives Zeichen sei, so der Portfolio-Manager Jordan Stuart von Federated Kaufmann, das verringerte Minus im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent. Ob das tatsächlich reicht, bleibt fraglich – vor allem dann, wenn Schulden aufgrund von steigenden Zinsen wieder teurer werden. Ginge es nach Khosrowshahi, sollte der Konzern sowieso an ganz anderen Kriterien gemessen werden – nämlich an der vom Unternehmen selbst eingeführten Metrik „Monthly Active Platform Consumers“ (MAPC). Diese Zahl zeigt die monatlichen Kunden, die eine Fahrt über die Mobility-Plattform gebucht haben. Neben dem klassischen Transport-Geschäft vermittelt die Plattform auch Fahrten mit Elektrorollern und E-Bikes, sowie Essens-Bestellungen beim Lieferdienst Uber Eats. Im vierten Quartal 2018 wuchs die Summe der sogenannten MAPCs um 35 Prozent auf 91 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Viel entscheidender aber sollten die zu erwartenden Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 sein. Demnach wird in diesem Zeitraum ein Verlust von etwa einer Milliarde bei einem Umsatz von rund drei Milliarden Dollar anfallen.

Vor Monaten hatte sich Uber noch optimistischer zu seinem Börsenwert gezeigt. Damals haben die Kalifornier diesen auf 120 Milliarden Dollar taxiert. Inzwischen ist man vorsichtiger, auch wegen des schwachen Börsenstarts des kleineren Rivalen Lyft. Wie so häufig ist der Börsengang eines Start-Ups an große Erwartungen und Kursfantasien der Börsianer geknüpft. Mit einem Ausgabepreis von 45 bis 50 Dollar hat das Unternehmen nun Fakten geschaffen, Anleger haben die Wahl.

BaS

26.04.2019 | 15:58

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