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Biotech Industrie mit weiteren Innovationen als Antwort auf US Arzneimittelpreisregulierung

(Foto: BB Biotech)




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Die Volatilität an den allgemeinen Finanzmärkten und im Speziellen auch im Gesundheitssektor setzte sich im 3. Quartal unvermindert fort. Aufsehen erregte die Verabschiedung des US «Inflation Reduction Act» (IRA) im August. Der IRA wird neue Rahmenbedingungen für die Arzneimittelausgaben im US-Gesundheitssystem schaffen, welches die führende Stellung des US-Marktes als treibende Kraft für medizinische Innovation aber nicht nachhaltig gefährden sollte.

Der Nasdaq Biotech Index verbuchte ein geringfügiges Plus von 0.7% in USD, welches vornehmlich erfolgreichen Zulassungsstudien von Alnylam in TTR-Kardiomyopathie sowie von Eisai/Biogen in Alzheimer-Demenz zu verdanken ist. BB Biotech schloss das 3. Quartal 2022 mit einem Minus von 6.9% in CHF und 4.7% in EUR. Die Kursperformance stand im Gegensatz zur Entwicklung des Inneren Wertes (NAV) des Portfolios, der um 8.3% in CHF, 12.1% in EUR und 4.8% in USD zulegte. Daraus resultiert für das 3. Quartal 2022 ein Nettogewinn von CHF 210 Mio. gegenüber einem Nettoverlust von CHF 208 Mio. im Vorjahresquartal. Daraus ergibt sich eine deutlich geringere Kursprämie gegenüber dem NAV. Die anhaltend erfolgreiche Markteinführung von Medikamenten durch mittelgrosse Biotechunternehmen stand im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Das Investment Management Team sieht im derzeit attraktiv bewerteten Finanzsektor Biotechnologie lukrative Investitionsmöglichkeiten.

Der Gesundheitssektor hatte sich im Juli und August gut behauptet, erlebte allerdings im September einen Ausverkauf und beendete das 3. Quartal mit -6.7% in USD (MSCI World Healthcare Index), während der Nasdaq Biotech Index ein kleines Plus von 0.7% in USD verbuchte. Auftrieb gaben die Studiendaten von Alnylam für TTR und die überraschenden Daten des neuesten Alzheimer-Programms von Eisai/Biogen. Kleinere und mittlere Biotechunternehmen entwickelten sich besser als ihre grosskapitalisierten Pendants. Das spiegelt sich beispielsweise im XBI (einem auf Small und Mid Caps fokussierten Biotech-ETF von S&P) wider, der im Quartalsverlauf 6.8% in USD zulegte. Präsident Biden hat Mitte August den US «Inflation Reduction Act» (IRA) unterzeichnet. Der Pharma- und der Biotechnologiesektor traten daraufhin auf der Stelle, da Anleger das Gesetzespaket und die damit einhergehenden Folgen zunächst verdauen mussten. Die Schlussfolgerungen fielen gemischt aus und reichten von grosser Besorgnis hinsichtlich künftiger Preisverhandlungen und -kontrollen bis hin zu Zurückhaltung. BB Biotech ist der Ansicht, dass dieses Gesetz einen zusätzlichen Innovationsschub leisten kann in Form eines wettbewerbsintensiveren und preissensibleren Umfelds mit damit verbundenen Gewinnern, aber auch Verlierern.

Die Aktie von BB Biotech erzielte im 3. Quartal 2022 eine Negativrendite von 6.9% in CHF und 4.7% in EUR. Dagegen stieg der Innere Wert (NAV) des Portfolios um 8.3% in CHF, 12.1% in EUR und 4.8% in USD. Daraus resultiert für das 3. Quartal 2022 ein Nettogewinn von CHF 210 Mio. gegenüber einem Nettoverlust von CHF 208 Mio. im gleichen Vorjahresquartal. Ungeachtet der Erholung des Portfolios im 3. Quartal wies die BB Biotech-Aktie für die ersten neun Monate 2022 eine negative Gesamtrendite einschliesslich Dividende von 27.7% in CHF und 22.4% in EUR aus. Damit entsprach sie den europäischen Märkten, lag aber deutlich unter dem NAV des Portfolios, der um 9.9% in CHF, 3.3% in EUR und 16.7% in USD sank. Der Performanceunterschied ist auf die rückläufige Kursprämie gegenüber dem NAV zurückzuführen und wurde durch den Ausschluss BB Biotechs aus dem SMIM-Index mit Wirkung vom 16. September 2022 und dem damit einhergehenden Verkauf von BB Biotech-Aktien durch ETF-Fonds verstärkt. Der Nettoverlust während der ersten neun Monate 2022 belief sich auf CHF 323 Mio. gegenüber einem Nettogewinn von CHF 141 Mio. im gleichen Vorjahreszeitraum. Wechselkursschwankungen bei den Währungspaaren USD/CHF und USD/EUR trugen 6.8% bzw. 13.4% zur 9-Monats-Performance der BB Biotech-Aktie bei.

Portfolioanpassungen – Neue Private Equity-Beteiligung


Im August gaben Gurnet Point und Patient Square nicht nur den Abschluss der Übernahme von Radius Health für USD 10.00 je Aktie zuzüglich eines umsatzabhängigen CVR von USD 1.00 pro Aktie, sondern auch dessen Delisting bekannt. Ungeachtet des enttäuschend niedrigen Kaufpreises brachte der Deal USD 87 Mio. an liquiden Mitteln für BB Biotech und ermöglicht dem Investment Management Team mehr finanzielle Flexibilität in einem schwierigen Umfeld, das jedoch interessante Anlagemöglichkeiten bietet. Einen Teil dieser Erlöse reinvestierte BB Biotech im Rahmen einer Finanzierung der Serie B in das private Start-up-Unternehmen Rivus Pharmaceuticals, das am ersten kontrollierten Stoffwechselbeschleuniger seiner Art zur Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen mit Schwerpunkt auf Fettleibigkeit forscht. Einen weiteren Teil der freigesetzten Mittel nutzte das Investment Management Team für die Aufstockung in Celldex. Darüber hinaus wurde die Beteiligung an Revolution Medicines ausgebaut, das Erfolge für seine mittlerweile zwei laufenden Studien zu KRAS-G12C- und RAS-Multi-Inhibitoren vermeldete.

Erfreuliche Entwicklung bei Portfoliounternehmen

Die positive Entwicklung des Portfolios im 3. Quartal wurde durch positive Ergebnisse klinischer Late-Stage-Studien getrieben. Die zwei RNAi-Spezialisten Alnylam und Ionis veröffentlichten positive klinische Daten für ihre Pipeline-Wirkstoffe zur Behandlung von ATTR-Amyloidose.

Alnylam legte positive Topline-Daten der Phase-III-Studie APOLLO-B zu Patisiran vor. Bei Patienten mit ATTR-Kardiomyopathie wies das Ergebnis des sechsminütigen Gehtests nach 12-monatiger Testphase eine statistisch signifikante Verbesserung auf.

Relay Therapeutics veröffentlichte vielversprechende Studienergebnisse für RLY-4008, einen selektiven FGFR2-Inhibitor zur Behandlung von Patienten mit FGFR2-verändertem Cholangiokarzinom.

Zahlreiche Produkte unserer Portfoliounternehmen wurden im 3. Quartal 2022 zugelassen. Incyte teilte mit, dass Opzelura in den USA zugelassen wurde. Darüber hinaus erhielten Myovant und Pfizer die FDA-Zulassung für Myfembree zur Behandlung mässiger bis leichter Schmerzen bei Endometriose.

Einschätzung zum «Inflation Reduction Act» (IRA)

Am 16. August 2022 unterzeichnete Präsident Biden den «Inflation Reduction Act» (IRA). Das Investment Management Team hat das neue Gesetz, das hohe Wellen schlägt, unter die Lupe genommen. Dabei galt unser Hauptaugenmerk drei Kernpunkten:

Medicares Recht auf Preisverhandlungen

Medicare darf die Preise gewisser hochpreisiger, älterer Arzneimittel der Teile B und D neu verhandeln. Das gilt sowohl für niedermolekulare Wirkstoffe, deren Lancierung neun Jahre zurückliegt, als auch für Biopharmazeutika, seit deren Markteinführung 13 Jahre vergangen sind. Im Jahr 2026 kann Medicare Verhandlungen über die Preise der ersten Kohorte älterer Medikamente (Medicare Teil D) führen. Die Zahl der für Preisverhandlungen in Frage kommenden Pharmazeutika soll jährlich steigen. Ab 2028 sollen auch Medikamente des Teils B berücksichtigt werden. Die Preise zahlreicher Arzneimittelkategorien sind nicht verhandelbar, wie etwa Arzneimittel für seltene Krankheiten oder die Produkte kleiner Biotechunternehmen, auf die >80% der Gesamtumsätze entfallen.   

Preisabschläge im Falle von Preiserhöhungen, die die Inflation übersteigen
Der Anstieg der Medikamentenpreise ist inflationsgebunden. Übersteigen Preiserhöhungen die Inflationsrate (CPI-U), werden Unternehmen mit Strafen belegt oder zu Rabatten verpflichtet.

Neugestaltung von Medicare Teil D

Die Neugestaltung von Medicare Teil D (der hauptsächlich ambulante orale Produkte abdeckt) führt dazu, dass ab 2025 die Ausgaben für rezeptpflichtige Medikamente auf jährlich USD 2000 gedeckelt werden. Die Neugestaltung soll vor allem dazu beitragen, Lücken bei der Gesundheitsversorgung zu schliessen und die Eigenbeteiligung der Patienten an den immensen Kosten vollständig auf die Krankenversicherer und Hersteller zu verlagern, vor dem Hintergrund, dass die Anhebung der Versicherungsprämien bis 2030 auf jährlich maximal 6% beschränkt wird.

Alles in allem geht das Investment Management Team davon aus, dass die Regierung mit dem Gesetz neue Rahmenbedingungen für die Arzneimittelausgaben im Gesundheitssystem schafft, an die sich einige Unternehmen besser als andere anpassen werden, und dass die USA der grösste und attraktivste Markt für innovative verschreibungspflichtige Medikamente bleiben werden.

Ausblick für das 4. Quartal 2022


Am 8. November finden in den USA die Zwischenwahlen statt. Gesundheitsinvestoren werden auf Ergebnisse achten, die auf eine strikte Umsetzung oder mögliche Revisionen des IRA hindeuten.

Einige der kleinen und mittelgrossen Portfoliounternehmen werden weiteres Kapital benötigen. Darüber hinaus ergänzt das Investment Management Team sein Portfolio weiterhin gezielt um Beteiligungen an vielversprechenden Biotechunternehmen, wie die jüngsten Neuzugänge Celldex und Rivus Pharmaceutials zeigen.

Obwohl die pandemische Phase als beendet gilt, wird die Verbreitung neuartiger SARS-CoV-2-Varianten im Herbst und Winter in der nördlichen Halbkugel weiterhin aufmerksam verfolgt. Die Biotechbranche hat mit der Entwicklung wichtiger Lösungen zweifelsohne zur Bekämpfung der Pandemie beigetragen. BB Biotech setzt darauf, dass sich der Sektor weiterhin intensiv mit neuartigen Varianten des Virus und Bedrohungen für die Gesellschaft befassen und darüber hinaus weitere bedeutende Produkte zur Behandlung schwerwiegender und chronischer Krankheiten lancieren wird.


Der vollständige Zwischenbericht per 30. September 2022 der BB Biotech AG ist auf report.bbbiotech.ch/Q322 resp. www.bbbiotech.com verfügbar.

21.10.2022 | 11:31

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