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Neuer Chef, bewährter Erfolgskurs?



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Paukenschlag bei BMW! Der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer gibt seinen Posten auf und wechselt im Mai nächsten Jahres in den Aufsichtsrat des Münchner Automobilherstellers. Sein knapp zehn Jahre jüngerer Nachfolger Harald Krüger läutet rechtzeitig den Generationswechsel an der Spitze des Konzerns ein. BMW will sich durch diesen geordneten Übergang unnötige Spekulationen und Unruhe ersparen.
 
Wer will schon gehen, wenn es gerade am Schönsten ist? Niemand verlässt direkt nach dem Jawort die Kirche, kaum einer geht an Silvester um kurz nach Mitternacht ins Bett, und nur allzu selten lässt sich ein Fußballer sofort auswechseln, wenn er in der 10. Minute ein Tor geschossen hat. Anders sieht es bei BWM-Chef Norbert Reithofer aus. Er gibt seinen Abgang von der Spitze just im besten Jahr der Konzerngeschichte bekannt, und macht damit auf dem Höhepunkt seiner Karriere Platz für einen Jüngeren. Fragen nach seinem Rückzug und einem Nachfolger, die wohl spätestens bei der Hauptversammlung im Mai aufgekommen wären, erspart Reithofer durch seinen cleveren Schachzug sich und seinem Konzern. Damit bleibt eine lästige Personaldebatte verbunden mit Unruhen und Spekulationen, die den Münchnern höchstwahrscheinlich hätten schaden können, aus.

Man habe einen „langfristigen Generationswechsel" eingeleitet, der Kontinuität mit der „Gestaltungskraft der jüngeren Generation" verbinde, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Stefan Quandt. „Die Automobilindustrie befindet sich weiter im Umbruch. Wer die Mobilität von morgen mitgestalten will, muss immer wieder aufs Neue überzeugende Antworten auf künftige Herausforderungen entwickeln. Die BMW Group soll auch in Zukunft ihre Führungsrolle im Premiumsegment der Automobilindustrie behalten. Dazu ist es notwendig, die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Unternehmens rechtzeitig an nachfolgende Generationen zu übergeben“, begründet Aufsichtsratschef Joachim Milberg den Schritt. Der 71-Jährige Milberg wird seinen Posten räumen, damit Reithofer neuer Aufsichtsratschef werden kann. In zwei Jahren wird BWM also mit neuer Mannschaft die Feierlichkeiten rund um den 100. Geburtstag begehen. Dieser soll allen voran dazu dienen, nach vorne zu blicken. Von den Planern des Jubiläumsjahres hieß es zuletzt, bei der Gelegenheit die Zukunft der Mobilität betonen, statt nur in die Vergangenheit zu schauen. Durch den Führungs-und Generationswechsel werden die Münchner dieses Vorhaben glaubhaft repräsentieren können.
 
Auf den aktuellen Produktionschef und designierte Konzernchef Harald Krüger warten in den kommenden Jahren wichtige Modellentscheidungen, um die Spitzenposition von BMW als weltweit führenden Premium-Anbieter verteidigen oder gar ausbauen zu können. Eine Schlüsselrolle könnte dabei den elektrischen i-Fahrzeugen zukommen. Zwar sorgt BWM mit dieser innovativen Produktlinie für viel Aufmerksamkeit und Zukunftsphantasie. Doch der Konzern muss noch nachweisen, dass sich damit auch tatsächlich Geld verdienen lässt. Interessant wird zudem zu beobachten sein, wie der seit 2008 im BMW-Vorstand sitzende Maschinenbau-Ingenieur Krüger seinen Konzern durch den derzeitigen Umbruch der Automobilbranche führen wird. Während in Europa die Lage schwierig bleibt, können sich in China und weiteren Wachstumsmärkten immer mehr Menschen immer teurere Autos leisten. Das Risiko in den neuen, stetig wachsenden Märkten von anderen Premium-Anbietern überholt zu werden, ist dabei enorm groß. Die Konkurrenten Audi und Mercedes haben beide das Ziel, bis zum Ende dieses Jahrzehnts BMW als Branchenprimus abzulösen.
 
Allerdings steht BMW derzeit herausragend gut da. Reithofer hinterlässt seinem Nachfolger ein wahrhaft gut bestelltes Haus. „Herr Reithofer hat in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender das Unternehmen auf ein neues Erfolgsniveau gehoben, dessen Spitzenposition im Premiumsegment weiter ausgebaut und zugleich strategisch auf die Zukunft vorbereitet – diese Leistungen verdienen unsere höchste Anerkennung“, würdigt  Milberg die Verdienste des scheidenden Vorstandsvorsitzenden. Seit 2010 steigen die Absatzzahlen und Gewinne stetig. Aktuell läuft es besonders in Fernost wie geschmiert: 57.825 Fahrzeuge der Marken BMW und MINI konnten im November 2014 in Asien verkauft werden. Insgesamt brachte BMW im vergangen Monat mit 188.342 Fahrzeugen 7, 6 Prozent mehr Wagen an den Kunden als im Vorjahresmonat.

Damit blicken die Münchner auf den erfolgreichsten November der Firmengeschichte zurück. „Unsere neuen Modelle kommen wie unser gesamtes Produktportfolio bei den Kunden hervorragend an“, freut sich Vorstandsmitglied Ian Robertso. In den ersten elf Monaten zusammen kommt die BMW Group auf ein Verkaufsvolumen von 1.902.699 Einheiten und liegt damit 7,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Marke von zwei Millionen Einheiten ist also kaum noch zu verfehlen. In der bayerischen Landeshauptstadt kann man sich somit nach 2011,2012 und 2013 auch dieses Jahr auf einen neuen Rekord freuen. Umso gespannter darf man sein, ob sich diese Erfolgsstory auch im kommenden Jahr unter Krüger fortsetzen wird.

WIM

13.12.2014 | 23:29

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