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Commerzbank forciert Kohleausstieg 2030

(Foto: Cineberg / Shutterstock)



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Die Commerzbank hat eine neue Richtlinie für fossile Brennstoffe verabschiedet – mit dem Ziel, den Kohleausstieg bis 2030 zu forcieren und die nachhaltige Transformation der Realwirtschaft voranzubringen. „Die neue Richtlinie ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Net Zero.

Wir unterstreichen unseren Anspruch, Finanzströme in Richtung des Pariser Klimaziels zu lenken und wir forcieren die Transformation. Dafür steht auch, dass wir unser Kohleportfolio in nur zwei Jahren halbiert haben“, sagt Manfred Knof, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. Zurzeit liegt es bei rund 1 Mrd. Euro. Das entspricht rund 0,2 % des Gesamtportfolios der Bank.
 
Mit Inkrafttreten der neuen Richtlinie am 1. Januar 2022 wird der Grenzwert für Unternehmen mit Kohlebezug signifikant gesenkt und weltweit gleichgestellt: Bestandskunden, die aktuell 20 % oder mehr ihres Umsatzes oder ihrer Stromerzeugung mit Kohle erzielen, haben bis 2025 Zeit, einen Plan für den Kohleausstieg bis 2030 zu erarbeiten. Hierzu wird die Commerzbank in einen intensiven Austausch mit ihren Kunden gehen. Mit Unternehmen, die aktuell mehr als 20 % ihres Umsatzes oder ihrer Stromerzeugung mit Kohle erzielen, nimmt die Commerzbank keine neue Geschäftsbeziehung auf. Gleiches gilt für potenzielle Neukunden mit Ausbauplänen. Projektfinanzierungen sind ausschließlich auf notwendige Modernisierungen von bestehenden Kohlekraftwerken beschränkt und nur nach einer kritischen Einzelfallprüfung möglich. Damit hat die Commerzbank ihre Ausschlusskriterien weiter deutlich verschärft. Bisher galt ein Grenzwert von 30 % beziehungsweise international von 50 %.
 
Ebenfalls in der neuen Richtlinie berücksichtigt ist der Umgang mit Unternehmen aus den Sektoren Öl und Gas. Dieser ist ab dem 1. Januar 2022 bei der Commerzbank erstmals verbindlich in einer Richtlinie geregelt: Bestehende Geschäftsbeziehungen in diesen Bereichen werden regelmäßig auf Umwelt- und Sozialaspekte überprüft. Die Commerzbank geht zudem keine neue Geschäftsbeziehung mit Unternehmen ein, die Ausbaupläne bei Öl und Gas verfolgen. Auch die Finanzierung von neuen Ölkraftwerken sowie Finanzierungen für Öl- und Gasförderprojekte sind grundsätzlich ausgeschlossen. Das gilt sowohl für konventionelle als auch unkonventionelle Fördermethoden.
 
Michael Kotzbauer, Firmenkundenvorstand der Commerzbank, sagt: „Wir unterstützen unsere Kunden bei ihrer Transformation und wollen ihnen dafür auch die notwendige Planungssicherheit geben. Sehen wir auf Kundenseite jedoch keine konkreten Anstrengungen, das Geschäftsmodell nachhaltig auszurichten, werden wir die Geschäftsbeziehung beenden.“
 
Datenbasis für die neue Richtlinie sind die Global Coal Exit List und die Global Oil and Gas Exit List, die von der Nichtregierungsorganisation Urgewald erstellt und regelmäßig aktualisiert werden. Die Brennstoffrichtlinie löst die bisherige Kohlerichtlinie von 2016 ab. Dort war bereits die Finanzierung von neuen Kohleminen und -kraftwerken ausgeschlossen.
 
Nachhaltigkeit in der Commerzbank
Die Commerzbank bekennt sich zum Pariser Klimaziel und hat Nachhaltigkeit zu einem festen Bestandteil ihrer Strategie gemacht. So ist die Bank bereits 2006 dem UN Global Compact beigetreten. 2019 gehörte sie zu den Erstunterzeichnern der Principles for Responsible Banking.
 
Kernelement der Commerzbank-Nachhaltigkeitsstrategie ist das Net-Zero-Ziel. Bis 2050 soll der CO2-Ausstoß des kompletten Kredit- und Investmentportfolios auf netto null reduziert werden. Dazu hat sich die Bank auch durch ihren Beitritt zur Net Zero Banking-Alliance von UNEP FI im April 2021 verpflichtet. Für den eigenen Bankbetrieb plant die Bank, die CO2-Emissionen bereits bis spätestens 2040 auf netto null zu stellen. Bei der Steuerung ihrer Portfolios in Richtung Net Zero setzt die Bank als Mitglied der Science Based Target Initiative (SBTI) auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Bis August 2022 wird die Bank für alle relevanten Portfolios SBTI-Zwischenziele für 2030 definieren.

14.12.2021 | 15:54

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