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In Unternehmen investieren: Diese Möglichkeiten gibt es


Wie können Investoren noch Geld mit einer Rendite anlegen, welche die Inflationsrate deutlich schlagen kann? Angesichts von Niedrigzinsen auf Sparprodukte keine leicht zu beantwortende Frage. Vielen Anlegern und Investoren fällt an dieser Stelle sofort der Aktienmarkt ein. Das Renditedreieck des DAI zeigt eindrucksvoll, was für Renditen hier möglich sind.

Doch Aktienkurse fahren hin und wieder Kapriolen, die mit der Unternehmensentwicklung zunächst nichts zu tun haben. Dies liegt an der Tatsache, dass sich der Aktienkurs aus Angebot und Nachfrage entwickelt. Wer hierzu Alternativen sucht, kann auch mehr oder weniger direkt in Unternehmen investieren. Doch welche Möglichkeiten gibt es da eigentlich und was ist dabei letztlich im Detail zu beachten?

Investieren über Crowdinvesting

Beim Thema Internet denken viele zuerst ans Onlineshopping. In den letzten Jahren haben die Umsätze hier massiv zugelegt. Laut Technikmagazin t3n hat der Onlinehandel im Jahr 2019 einen Umsatz von mehr als 70 Milliarden Euro. Das Internet und World Wide Web sind aber mehr als eine riesige Handelsplattform.
Gerade Investoren, die sich nicht ausschließlich auf Aktien fokussieren, finden hier Möglichkeiten wie das Crowdinvesting. Der, aus dem englischen Sprachraum stammenden Begriff, steckt bereits sehr viel jener Aspekte, die Crowdinvesting beschreiben. Übersetzt mit Schwarm-/Gruppeninvestition, basiert das Ganze auf einer simplen Idee. Eine Gruppe von Investoren schließt sich zusammen und investiert gemeinsam in ein Unternehmen.

Mit der aufstrebenden FinTech-Branche haben sich in den letzten Jahren Plattformen entwickelt, die Kontakt zwischen Investoren und Unternehmen herstellen. Letztere melden sich auf der Plattform an und entwerfen anschließend das Crowdinvesting-Projekt. Es kann um:

-    Investitionen in Maschinen
-    den Unternehmensausbau
-    neue Immobilienprojekte

gehen. Aus Sicht der Unternehmen hat diese Schwarmfinanzierung den Vorteil, dass Investoren über den Einstieg ins Projekt entscheiden – und nicht Banken. Für Kapitalgeber bietet sich auf der anderen Seite die Möglichkeit, attraktive Renditen zu erzielen.

Das Ganze ähnelt den Plattformen für P2P-Kredite. Auch hier werden die Darlehenssummen bei mehreren Investoren eingesammelt. Erreicht das Finanzierungsprojekt sein Ziel, zahlt das Portal den Kredit aus. Zinsen und Tilgung werden anschließend an die einzelnen Kapitalgeber ausgereicht.

Investieren in Start-Ups über Crowdfunding

Crowdfunding ist der Oberbegriff, in dem auch Crowdinvesting aufgeht, unterscheidet sich aber in einigen Details. Auch hier finanziert nicht ein einzelner Kapitalgeber das Finanzierungsprojekt, die Verantwortung ruht auf mehreren Schultern. Wie beim Crowdinvesting hat auch die Gründungsunterstützung durch den „Schwarm“ im Zuge der aufstrebenden FinTech-Branche einen Boom erlebt. Mittlerweile betreuen Onlineplattformen das Crowdfunding.

Gründer-Crowdfunding bringt als wesentlichen Unterschied allerdings mit, dass nicht bestehende Firmen Kapital einwerben. Es sind primär Start-Ups, welche sich um eine Finanzierung bemühen. Gründer legen auf den Plattformen ihr Projekt an und bieten im Gegenzug für die Gründungsfinanzierung Zinsen an.
Investoren muss klar sein, wo die besonderen Risiken einer Crowdfunding-Kampagne durch Start-Ups liegen. Es ist nicht sicher, dass Gründer die eingeworbene Kapitalsumme erhalten. Der Grund: Existenzgründer können scheitern. Und mit der Insolvenz geht natürlich auch das Kapital verloren.  

Investieren über Unternehmensanleihen

Pfandbriefe und Staatsanleihen haben seit Jahren große Bedeutung, wenn es um ein breit aufgestelltes Investment geht. Investoren und Anleger können Anleihen aber auch für Investments in Unternehmen einsetzen – durch das Zeichnen einer Unternehmensanleihe. Mit deren Hilfe verschafft sich der Emittent Kapital, ohne auf eine Bank oder das Crowdfunding angewiesen zu sein.

Rein wirtschaftsrechtlich betrachtet handelt es sich um eine Form der Fremdfinanzierung. Sprich: Investoren haben nach dem Zeichnen der Anleihe kein Mitspracherecht hinsichtlich des Unternehmenskurses und können auch über Stimmrechte – vergleichbar mit der Aktie – keinen Einfluss nehmen. Im Gegenzug schüttet die Anleihe einen festen Zins aus und unterliegt nicht den gravierenden Kursschwankungen einer Aktie.
Hinsichtlich der Verzinsung liegen Unternehmensanleihen meist deutlich über den Zinssätzen für klassische Sparprodukte. Zu den Herausforderungen solcher Anleihegeschäfte gehört das Emittenten-Risiko. Gerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und muss den Weg in die Insolvenz antreten, müssen Investoren das Anleihekapital abschreiben. Ein Beispiel dafür, wie schnell aus einem rentablen Unternehmen, dessen Anleihen lukrativ erscheinen, eine Minusgeschäft werden kann, ist Prokon. Von dessen Insolvenz waren auch Inhaber von Anleihen betroffen, die sich laut Verbraucherzentrale von erheblichen Teilen ihrer Einlage haben verabschieden müssen.

Bei viel Kapital: Direktbeteiligung

Eine weitere Möglichkeit für Investments in Unternehmen ist eine direkte Beteiligung. Hier geht es schlicht darum, mit Kapital in eine Unternehmensgesellschaft einzusteigen. Diese Direktbeteiligung setzt allerdings ein gewisses Grundkapital voraus, da beispielsweise der Einstieg in eine GmbH die entsprechende Einlage ins Gesellschaftskapital voraussetzt.

Direktbeteiligungen können heute als:

1.    offene Beteiligung
2.    stille Beteiligung

erfolgen. Im Rahmen einer offenen Beteiligung wird der Investor Gesellschafter und tritt auch nach außen in Erscheinung. In diesem Zusammenhang kann der Unternehmenskurs mitgestaltet werden.
Im Zuge einer stillen Beteiligung sehen die Vorzeichen etwas anders aus. Hier tritt der stille Gesellschafter nicht nach außen auf und hat keinen Einfluss auf das operative Geschäft. Allerdings kann ein stiller Gesellschafter Einfluss darauf nehmen, ob zusätzliche Gesellschafter aufgenommen werden.

Achtung: Im Rahmen einer Direktbeteiligung an Unternehmen tauchen steuerrechtlich neue Fragestellungen und Aspekte auf. Diese betreffen unter anderem die Frage, inwiefern Ausschüttungen an Gesellschafter verdeckte Gewinnausschüttungen darstellen. Mit entsprechenden Regelungen will der Gesetzgeber vermeiden, dass sich Gesellschafter Gewinne auszahlen lassen, die sich bei der Gesellschaft als steuermindernd auswirken. Jeder Investor, der sich für diesen Schritt entscheidet, sollte sich daher auch steuerrechtlich im Vorfeld beraten lassen. Nur so lassen sich Fehler vermeiden, die entweder dem Investor als Gesellschafter oder dem Unternehmen schaden.

Venture Capital & Business Angel

Wer in Unternehmen investieren will, greift häufig zu Aktien oder Anleihen. Der Einstieg in ein Start-Up ist vielen Privatanlegern schlicht zu riskant. Es wird vielleicht im Rahmen des Crowdfunding versucht, hier und da ein paar Euro in die Gründungsfinanzierung zu stecken. In der Praxis spielen Kleinanleger in diesem Bereich aber keine große Rolle. Eigentlich zu Unrecht.

In den letzten Jahren haben sich Möglichkeiten entwickelt, mit denen sich in Start-Ups einsteigen lässt. Besonders bekannt sind Venture Capital und Business Angels. Letztere bringen nicht nur Kapital mit, sondern auch Expertise und ein Netzwerk. Venture Capital steht für Risikokapital/Wagniskapital, das in die Finanzierung von Start-Ups fließt. Beides setzt einen gewissen Kapitalstock voraus – den Klein- oder Privatanleger nicht ohne Weiteres stemmen.

Aber: Inzwischen gibt es auch hier Möglichkeiten, mit denen diese Investitionsform in Unternehmen genutzt werden kann. Erreicht wird dies durch:

-    Venture Capital Fonds
-    Business Angel Netzwerke.

Für Investoren mit einem eher überschaubaren Kapitalstock sind speziell die Fonds interessant. Hier gibt es inzwischen sogar börsengehandelte Fonds, die den Vorteil vergleichsweise niedriger Einstiegssummen zu haben. Generell ist bei der Fondsauswahl darauf zu achten, dass eine angemessene Risikostreuung erfolgt.

Grundlage der Diversifikation kann:

-    die Entwicklungsstufe
-    der Markt
-    die Branche

sein. Auf jeden Fall gilt auch für den Fonds, dass nie auf nur ein „Pferd gesetzt“ werden sollte. Außerdem muss sich jeder Anleger sehr genau mit der Frage auseinandersetzen, wie die Kostenstruktur des Venture Capital Fonds aussieht.

Fazit: Auf Anleihen, Schwarmfinanzierung und Beteiligungen setzen

Als Anleger und Investor in Unternehmen Geld investieren, bringt heute deutlich bessere Erträge ein als Zinssparen. Diese Erkenntnis ist eigentlich nicht neu. Allerdings verblassen Anleihen und Crowdfunding häufig im Vergleich zu den an Börsen gehandelten Aktien. Viele Trader halten es für einfacher, das Depot bei einem Broker zu eröffnen und schnell ein paar Aktien zu kaufen. Dabei zeigt die Vergangenheit, dass auch diese Wertpapiere für unruhige Nächte sorgen können. Es ist nicht falsch, sich mit ein paar zusätzlichen Alternativen zu befassen. Gerade das Crowdinvesting tritt immer stärker aus seiner Nische heraus. Und auch Venture Capital Fonds bieten immer wieder Gelegenheit, gerade ins boomende Geschäft mit Wagniskapital für Start-Ups einzusteigen. Eines darf allerdings nie vergessen werden: Der Blick auf die Risiken einzelner Investments.


01.07.2020 | 12:08

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