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Unwetterstimmung bei Munich Re und Ergo

Ergo-Zentrale in Düsseldorf

Ergo steht vor weitreichenden Entlassungen (Bild: Ergo)

Hochwasser in Deutschland

Teuer für Versicherer: Hochwasser in Deutschland (Bild: Ergo)


Unwetter in Deutschland, Stellenabbau bei Munich Re-Tochter Ergo. Schaden die weitreichenden Entlassungen dem Sonnenschein-Ruf des Rückversicherers?

Die anhaltenden Unwetter und die Hochwassersituation in Deutschland wird nicht nur für Privat- und Geschäftsleute teure Auswirkungen haben: Auch Versicherer und Rückversicherer werden es mit Millionenkosten zu tun bekommen. 

Zusätzlich zur Auswirkung der Großwetterlage bemängeln Analysten die schleppend vorankommende Konzernsanierung. Goldman Sachs-Analyst In-Yong Hwang schrieb in dieser Woche, dass die Munich Re-Aktie sich infolge der Gewinnwarnung zuletzt schwächer entwickelte als andere Unternehmen in der Branche. Der Marktfokus dürfte sich nun wieder auf die Kapitalausschüttungen richten, vermutete Hwang. Morgan Stanley-Experte Xinmei Wang betonte in seiner Analyse vom Donnerstag, dass die angepeilte Gewinnerholung von Ergo länger dauere als vermutet.

Seit Markus Rieß vor einem Dreiviertel Jahr die Geschäfte der Ergo übernommen hat, verpasst er dem Unternehmen einen harten Restrukturierungskurs. Bei Deutschlands zweitgrößtem Versicherer sollen in den nächsten vier Jahren 2.400 Vollzeitstellen abgebaut werden. Die traditionellen Lebensversicherungen sollen bald getrennt vom restlichen Betrieb behandelt werden. Außerdem ist eine reine Online-Tochter in Planung, die zuerst mit einer billigen Kfz-Versicherung den Markt durchdringen soll.

Insgesamt führen die aktuellen Entwicklungen im und um den Konzern herum zu einer Unzufriedenheit an der Börse. Allein in den letzten drei Monaten büßte die Munich Re-Aktie fast 15 Prozent ein. Normalerweise gilt der Münchener Rückversicherer als solides Papier, dessen Wert sich laut des „Bad News Faktors“ kaum durch unternehmensspezifische Probleme verschlechtert.

Einige Analysen heben die traditionelle Robustheit besonders hervor und bewerten die Münchener Rück-Aktie auch aus einem anderen Grund positiv: Das KGV liegt inzwischen unter 9 und kann somit als Kaufgrund genannt werden. Im internationalen Vergleich ist die Münchener Rück gut aufgestellt. Der Umstrukturierungsplan ist — auch wenn er zeitlich einwenig hinterherhinkt — ein wertvolles Konstrukt für die Zukunft. WCW

04.06.2016 | 13:37

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