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Japan: Yen hui, Aktien pfui!

Börse Tokio

Die Aktienbörse in Tokio (Bild: Handelsblatt)


Das weltweite Kursdesaster an vielen Aktienmärkten seit Jahresbeginn ging am japanischen nicht vorbei. Die zunehmenden Sorgen bezüglich der konjunkturellen Entwicklung beim wichtigen Handelspartner China dämpften auch hier die Kauflaune. Verstärkt wurde der Abwärtsdruck bei Nippons Firmenpapieren durch die Stärke des Yen. Eine anhaltende Aufwertung könnte außerdem zusätzlichen Brennstoff für die derzeit bereits lichterloh brennende Gemengelage an den Finanzmärkten liefern.

 

Wie vielerorts stehen am japanischen Aktienmarkt die Kurse seit Beginn des Börsenjahres 2016 kräftig unter Druck. Beispielhaft dafür ist die Entwicklung des Nikkei 225. Mit dem Ausverkauf setzte der Leitindex die im November 2015 gestartete, aktuelle Abwärtswelle fort. Jüngst fiel er dabei unter die Unterstützung bei 16.901 Punkten, die aus dem Korrekturtief von September 2015 resultierte. Seinerzeit folgte davon ausgehend ein kräftiger Aufwärtsimpuls, wodurch das Kursbarometer knapp an einem Bärenmarkt vorbeischrammte.

Eine gängige Definition eines Bärenmarktes ist ein Rückgang von einem letzten markanten Hoch von mindestens 20 Prozent. Ein solches Hoch wurde im Juni vergangenen Jahres bei 20.953 Punkten markiert. Es stellte den Höhepunkt der vorangegangenen mehrjährigen Rallye dar. Die dann folgende Korrektur drückte den Leitindex bis September 2015 zunächst um 19,3 Prozent in die Tiefe. Jüngst wurde nun die Verlustmarke von 20 Prozent erreicht und unterschritten. Damit ist es nun quasi amtlich: der japanische Leitindex ist in einem Bärenmarkt. Folgen daraus nun weitere deutlichere Abgaben?

Hält die Unterstützungszone?

Charttechnisch betrachtet hat das Kursbarometer den Bereich von 16.320 bis 15.943 Zählern erreicht, der eine potenzielle Haltezone darstellt. Hier besteht somit die Möglichkeit einer Stabilisierung, zumal die aktuelle markttechnische Lage als stark überverkauft zu klassifizieren ist. Ob die Unterstützungszone letztlich halten wird, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Sollte sie nachhaltig brechen, drohen jedoch weitere Verluste, wobei dann die Marke von 14.000 Zählern als mögliches nächstes Ziel in den Fokus rücken könnte.

Ein möglicher Grund für die aktuelle Schwäche am japanischen Aktienmarkt dürfte wie vielerorts die allgemein erhöhten weltweiten Konjunktursorgen sein, angeheizt durch die gestiegene Beunruhigung bezüglich der chinesischen Wirtschaft. China hat für Japan einen besonders großen Stellenwert. Mit einem Anteil von rund 18 Prozent am gesamten Exportvolumen ist das Reich der Mitte der zweitwichtigste Importeur japanischer Waren hinter den USA. Eine nachhaltige Schwäche in China könnte daher die zuletzt ohnehin nicht gerade brumme Wirtschaft Nippons in Mitleidenschaft ziehen. Verstärkt wird der potenzielle konjunkturelle Gegenwind durch die Stärke des japanischen Yen.

Yen als „sicherer Hafen“

Die bereits seit einiger Zeit auszumachende Aufwertung gegenüber wichtigen Währungen wie US-Dollar, Renminbi und Euro hatte sich zuletzt verstärkt. Der Yen gehört traditionell zu den vermeintlich „sicheren Häfen“. Die Turbulenzen seit Jahresbeginn an vielen Finanzmärkten führten daher zu einer verstärkten Nachfrage. Eine Aufwertung des Yen gilt jedoch gemeinhin als negativ für die stark von ihren Exporten abhängige japanische Wirtschaft. In der aktuellen Yen-Stärke steckt aber weitaus mehr Brisanz. Sie ergibt sich aus einer möglichen verstärkten Auflösung von Yen-Carry-Trades. Dazu unten ein charttechnischer Blick auf den Wechselkurs US-Dollar/Yen.

Jüngst mussten für einen US-Dollar zwischenzeitlich weniger als 116 Yen bezahlt werden und damit so wenig wie seit einem Jahr nicht mehr. Seit dem Zwischenhoch im Dezember wertete die japanische Währung damit um mehr als sechs Prozent gegenüber der US-amerikanischen Greenback auf. Die 116er-Marke kann zudem als wichtige charttechnische Unterstützung angesehen werden, deren nachhaltiger Bruch für eine fortgesetzte Aufwertung sprechen könnte. Das könnte dann den Druck erhöhen, Yen-Carry-Trades aufzulösen, was wiederum zu anhaltenden starken Verkaufsaktivitäten weltweit in anderen Anlageklassen wie Aktien führen könnte.

22.01.2016 | 14:54

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