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Was hat Kühne mit der Lufthansa vor?

(Bild: Hadi Khandani)



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Mit dem Logistikriesen Klaus-Michael Kühne ist einer der reichsten Deutschen bei der Lufthansa Großaktionär geworden. Die Airline ist erst von Corona und jetzt durch den Krieg gebeutelt. Der Passagierbereich macht ihr zu schaffen, während der Luftfracht-Bereich zulegt. Hat es der neue Aktionär auf eine Spaltung des Konzerns abgesehen?

Kein Zweifel – die Gelegenheit war günstig: Die Lufthansa, seit der Corona-Krise ein teilvertaatlichter Konzern hat einen neuen prominenten Miteigentümer, der zum Schnäppchen-Preis eingestiegen ist: Klaus-Michael Kühne. Der Hamburger Kaufmann, der den Hauptsitz seines Unternehmens in die Schweiz verlegt hat, zählt mit geschätzten 37 Milliarden Dollar zu den reichsten Deutschen. Ihm gehört mehrheitlich der Logistikriese Kühne & Nagel, er besitzt ein Drittel der Anteile am Spediteur Hapag Lloyd, er hat den HSV saniert und zum Teil übernommen und sich auch am Bau der sündhaft teuren Elbphilharmonie in seiner Heimatstadt beteiligt. Jetzt also gehört ein Stück der Lufthansa zum Reich des 84jährigen. Was will er damit anfangen? Was ist das für ein Deal?

Auf der einen Seite ist da ein Unternehmer-Urgestein. Wer ihn einmal besucht hat, am Konzernsitz in Schindellegi hoch oberhalb des Zürichsees erlebt einen ruhigen Rastlosen, einen Mann, dessen eisgraues Haar perfekt gescheitelt ist. Die Augen schauen durch die Brille unter manchmal halb geschlossenen Lidern geradeaus, nur selten direkt zum Gegenüber. Die Gesichtszüge sind wie in Beton gemeißelt. Die Sprache ist klar, konzentriert und kühl. Es geht ums Geschäft. Und um sonst nichts.

Für Klaus-Michael Kühne geht es damit allerdings auch um alles. Denn das Geschäft ist sein Leben. Sein Unternehmen hat er 1969, als sich in Deutschland eine sozialliberale Koalition zusammenbraute, aus Hamburg ins steuergünstige Schindellegi umgezogen Der Mann ist ein Dinosaurier, der zur Ikone der Branche aufgestiegen ist, weil er mit seiner Art alle anderen überlebt hat. Mit Arbeitsaufträgen und E-Mails wendet er sich persönlich an die, die er gerade braucht. „Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit“, berichtet ein Vorstandskollege und unterdrückt jeden Kommentar zu „Klau-Mi“, wie Kühne auf den Fluren genannt wird. Seine Bilanz ist goldgerändert: Allein für seinen 30-prozentigen Anteil an Hapag-Lloyd wird er dieses Jahr wohl eine Dividende von gut 1,6 Milliarden Euro bekommen. Auch bei seinem Stammunternehmen läuft es prächtig. Das operative Ergebnis von Kühne & Nagel hat sich vor Zinsen und Steuern 2021 um 175 Prozent auf 2,9 Milliarden Schweizer Franken (2,8 Milliarden Euro) verbessert.

Auf der anderen Seite ist da die einst stolze Kranich-Airline, schwer gebeutelt in der Pandemie und jetzt schon wieder unter Druck wegen des Kriegs in der Ukraine und den damit verbundenen Sanktionen. An ihr hat Kühne über seine Beteiligungsfirma KA Logistik Beteiligungen GmbH fünf Prozent der Aktien erworben. Er ist damit nach dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes der zweitgrößte Einzelaktionär. Bislang äußert sich der Unternehmer nicht zu seinen Plänen. Der Einstieg war für ihn das, was andere früher „Peanuts“ genannt hätten: Selbst, wenn der wieder etwas gestiegene Kurs von Dienstagabend zugrunde gelegt wird, ist sein Lufthansa-Paket nur rund 350 Millionen Euro wert. Es gibt eine strategische Verbindung: Sein Logistikunternehmen Kühne & Nagel ist in der Luftfracht zu einer echten Größe geworden und dürfte DHL als wichtigsten Kunde von Lufthansa Cargo verdrängt haben.

Nach zwei verlustreichen Pandemiejahren stellt sich die Lufthansa jetzt schon wieder angesichts des Ukraine-Kriegs auf eine schwierige Zeit ein. Dass der Konzern 2022 in die schwarzen Zahlen zurückkehrt, wagt Vorstandschef Carsten Spohr nicht zu versprechen. Die Entwicklungen in der Ukraine, deren ungewisse Folgen und der unklare weitere Verlauf der Pandemie ließen eine genaue Prognose nicht zu. An der Börse wurden diese Nachrichten mit einem Kursrutsch quittiert, den Kühne offenbar genutzt hat.

Was jetzt passieren könnte, ist Spekulation. Immerhin gibt es einen Fingerzeig: Dank eines Rekordgewinns der Frachtsparte hat sich der Fehlbetrag bei der Lufthansa 2021 unter dem Strich um zwei Drittel auf rund 2,2 Milliarden Euro verringert. Der Konzern ist also in Wahrheit zweigeteilt: in eine schwierige Passagiersparte und ein boomendes Frachtgeschäft. Als Großaktionär könnte Kühne darauf hinwirken die Lufthansa genau in diese beiden Teile zu zerlegen und bei der Frachtsparte dabei zu bleiben. Für ihn ergäbe sich dann mit Kühne & Nagel, der Hapag-Beteiligung und einem Cargo-Unternehmen namens Lufthansa ein unschlagbares Logistik-Imperium. Doch dürfte dies nur eine der denkbaren Optionen sein, die der Markt jetzt durchspielt.


Klar ist dagegen: Auf die Lufthansa kommt mal wieder ein unbequemer Aktionär zu. Lockerlassen kennt Klau-Mi nicht. Das hat er noch nie auch nur geübt.        

Oliver Stock

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10.03.2022 | 16:31

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