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Eine Ärztin trimmt Merck auf Wachstum

Belén Garijo ist die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Darüber will die Spanierin jedoch nur ungern reden. Für die 62-jährige zählt Leistung.

(Foto: Merck)

Belén Garijo ist die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Darüber will die Spanierin jedoch nur ungern reden. Für die 62-jährige zählt Leistung.

„Der Wind, den meine Nominierung in der Presse erzeugt hat, hat mich schon erst mal erschreckt“, erzählte Belén Garijo kurz nach ihrem Aufstieg an die Konzernspitze von Merck dem Stern. Sie wolle für ihre Leistung bekannt sein und darüber reden, erklärte sie weiter. Etwas mehr als zwei Jahre ist das nun her. Im Mai 2021 übernahm Garijo den CEO-Posten bei dem Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern von Stefan Oschmann und wurde so zur ersten alleinigen Chefin eines Dax-Mitglieds. Nach dem Blitzlichtgewitter zu Beginn legte sich der Trubel um die in Spanien geborene Medizinerin jedoch schnell. Dabei macht Merck unter der Führung der 62-jährigen weiter, wo die Hessen unter Oschmann aufgehört haben. In Deutschlands Leitindex ist die Aktie von Merck auf Fünfjahressicht diejenige mit dem drittbesten Kursverlauf. Über 120 Prozent ging es für die Papiere in dem Zeitraum nach oben, nur die Anteilsscheine von RWE und Sartorius liefen noch besser. In Garijos Amtszeit steht ein Kursplus von 55 Prozent zu Buche.

Wenn es nach Garijo geht, soll das aber erst der Auftakt einer noch größeren Wachstumsstory sein. In diesem Jahr hat die studierte Ärztin bis zu 20 Milliarden Euro für Übernahmen eingeplant. Nach dem von Unsicherheit geprägten vergangenen Jahr stehen die Zeichen nun wieder auf Angriff. „Ich bin überzeugt, dass wir unser effizientes Wachstum weiter vorantreiben werden, und zwar organisch wie anorganisch“, sagte Garijo auf dem Kapitalmarkttag im Herbst 2022. Heißt: Sechs Prozent organisches Wachstum pro Jahr bis 2025, versehen mit einem Umsatzziel von 25 Milliarden Euro und Übernahmehunger.
Die Chancen stehen gut, dass der Plan aufgeht, weshalb die Aktie bei Anlegern auch im schwierigen Börsenjahr 2022 beliebt genug war, um zumindest seitwärts zu laufen. Merck ist in drei Geschäftsfeldern aktiv, darunter das eher konservative und beständige Pharma-Geschäft, sowie die in die Zukunft gerichteten Bereiche Biotech-Materialien und Elektronikchemie. Hier hat Merck in der jüngeren Vergangenheit bereits kluge Zukäufe getätigt und sich besonders in den Bereichen Halbleiter-Materialien und Life Science Services stark positioniert. Im Pharma-Bereich setzen Experten vor allem auf das Multiple Sklerose-Medikament Evobrutinib. Die Bank of America hat die Aktie von Merck jüngst in ihre „Europe 1“-Empfehlungsliste als Top-Pick aus dem Pharmasektor aufgenommen. Das Kursziel: 215 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs entspricht das einem Aufwärtspotenzial von 16 Prozent. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Garijo, die einst unter anderem für Abbott Laboratories und Aventis, wo sie die Fusion mit Sanofi voranbrachte, aktiv war, ein weiteres gutes Börsenjahr begleitet.

OG