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Handelssignale aus den Unternehmenszentralen nutzen


Seit Dezember 2008 berechnet die Deutsche Börse drei DAXplus® European Directors’ Dealings Indizes für Großbritannien, Deutschland und die Schweiz. Die bis zu 30 Unternehmen, die ein Directors’ Dealings Index umfasst, zeichnen sich dadurch aus, dass deren Aktien im Rahmen von meldepflichtigen Transaktionen von leitenden Mitarbeitern in besonders hohem Maße gekauft wurden. Betrachtet werden die letzten 12 Monate, wobei die einzelnen Zeiträume in Quartalsschritten unterschiedlich gewichtet werden.

Die aktuellsten Transaktionen haben mit einem Gewicht von 40 Prozent eine höhere Bedeutung als ältere Käufe. Das vorletzte Quartal wird mit 30 Prozent gewichtet, das davor mit 20 Prozent und das älteste Quartal wiegt noch 10 Prozent. Insgesamt werden diejenigen 30 Unternehmen ausgewählt, welche die höchste gewichtete Anzahl an Transaktionen haben. In die Indexberechnung gehen die ausgewählten Unternehmen anschließend mit dem gleichen Gewicht ein.

Als Basis dienen die 150 größten Organisationen eines Landes nach Marktkapitalisierung. Ein zusätzliches Kriterium für die Aufnahme eines Unternehmens in den Index ist eine ausreichende Liquidität. Indexanwärter müssen einen durchschnittlichen Börsenumsatz von mindestens einer Million US-Dollar täglich erreichen.

Basis für die Anlagestrategie

Wenn Führungskräfte ins eigene Unternehmen investieren, so geschieht dies tendenziell antizyklisch. Man geht davon aus, dass sie in der Regel beurteilen können, ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis der eigenen Aktie zu niedrig und das Papier eventuell unterbewertet ist. Deshalb werden Directors’ Dealings Indizes als Handelssignale genutzt. Sie können aussagekräftige Faktoren bei der Analyse von Anlageverhalten und –trends sein und auch zum Entwickeln und Testen von Investmentstrategien dienen.

Die Datenbasis macht den Unterschied

Ein wichtiger Qualitätsfaktor der DAXplus European Directors’ Dealings Indizes ist die Datenbasis. Die Indizes basieren auf dem gleichnamigen Datenservice European Directors’ Dealings (EDD), den der Geschäftsbereich der Deutschen Börse Market Data & Analytics seit September 2008 anbietet.

Seitdem die Transaktionen von Vorständen, Aufsichtsräten und ihrer jeweiligen Angehörigen mit Papieren der eigenen Aktiengesellschaft nach EU-Meldepflicht innerhalb einer Frist von fünf Tagen veröffentlicht werden müssen, haben sich die gemeldeten Transaktionen innerhalb Europas binnen acht Jahren nahezu vervierfacht. Sie bekommen so auch eine höhere Aussagekraft. Diese Informationen werden von der Deutschen Börse in einem aufwändigen Prozess gesammelt, bereinigt, verifiziert und erstmals in einem standardisierten Datenformat zur Verfügung gestellt. Gegenwärtig werden die Daten aus 20 europäischen Ländern erfasst.

Bei der Qualitätskontrolle wird besonderes Augenmerk auf die hierarchische Kategorisierung der Transaktionen nach Wichtigkeit gelegt. Der Nutzen und die Aussagekraft der Informationen werden durch Datenanalysen, wie z. B. Positionsangaben des Insiders noch erhöht. Auch werden Boni- Käufe herausgefiltert. Diese sind Teil eines Entlohnungssystems und haben somit die falsche Kaufmotivation.

Umfangreiche Analysen zeigen, dass bei diesen „Insider-Strategien“ ausschließlich die Kaufentscheidungen relevant sind: Diese sind durch das Vertrauen in das eigene Unternehmen getrieben, Verkaufsentscheidungen sind hingegen in aller Regel von individuellen Präferenzen abhängig – sicher auch beeinflusst von bestehenden Insidervorschriften.

Konrad Sippel

Deutsche Börse AG

18.11.2009 | 00:00

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