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Hebeln im Kurs-Korridor


Der DAX kommt seit Monaten nicht vom Fleck. Mit Seitwärts-Optionsscheinen auf den Index und auf Einzelaktien können risikobewusste Anleger von einer weiteren Richtungslosigkeit am deutschen Aktienmarkt profitieren.

Von Stefano Angioni

Dem DAX ist vorerst die Puste ausgegangen. Nach zwei Tests der 13.000er-Marke im Frühsommer notiert der deutsche Leitindex wieder deutlich unter diesem Niveau und pendelt seit Anfang Juli in einer engen Range zwischen 12.120 und 12.886 Punkten. Dass es durchaus noch eine Weile so weitergehen könnte, braucht Anleger aber nicht zu schrecken, denn gerade Seitwärtsphasen bieten oft interessante Anlagemöglichkeiten.

Seitwärts-Optionsscheine auf den DAX und Einzelwerte

Sehr komfortabel können Anleger die Erwartung weiterhin stagnierender Kurse mit Seitwärts-Optionsscheinen auf den DAX oder einzelne DAX-Werte umsetzen. Mit einer festen Laufzeit zwischen einem und zwölf Monaten liefern Seitwärts-Stable-Optionsscheine am Laufzeitende einen fixen Rückzahlungsbetrag von zehn Euro, sofern der Basiswert innerhalb eines bestimmten Kurskorridors notiert. Dieser wird durch die untere und die obere Maximalbetragsschwelle definiert. Weitere Voraussetzung für die Rückzahlung: Der Basiswert darf während der Laufzeit zu keinem Zeitpunkt die breiter gefasste Range verlassen, die durch die ober- bzw. unterhalb der Maximalbetragsschwellen liegenden KO-Schwellen festgelegt ist.

Berührt oder unter- bzw. überschreitet der Basiswert während der Laufzeit eine der beiden K.O.-Schwellen, verfällt der Seitwärts-Optionsschein wertlos. Verlässt der Basiswertkurs hingegen erst zum Laufzeitende den durch die Maximalbetragsschwellen definierten Korridor, ohne die K.O.-Schwellen zu verletzen, erhalten Anleger eine Rückzahlung, die sich aus der verbliebenen Differenz zwischen Maximalbetragsschwelle und K.O.-Schwelle errechnet.

Reales Zahlenbeispiel

Der Seitwärts-Optionsschein auf den DAX mit Laufzeit bis zum 21. Dezember 2018 (ST34GN) beispielsweise wird zu 10 Euro zurückgezahlt, wenn der DAX am Laufzeitende zwischen 11.200 und 13.400 Punkten notiert und zwischenzeitlich niemals auf bzw. oberhalb von 13.650 oder auf bzw. unterhalb von 10.950 Zählern notiert hat. Bei einem aktuellen Kurs des Scheins von 7,81 Euro (Stand: 31. August 2018) entspricht das einem Ertrag von 28,04 Prozent. Liegt der DAX am Bewertungstag kurz vor Weihnachten hingegen beispielsweise bei 13.500 Punkten, erhalten Anleger einen Betrag, der sich aus der prozentual verbliebenen Differenz zwischen den beiden oberen Schwellen ergibt, hier also 60 Prozent beziehungsweise sechs Euro (150 Punkte restlicher Puffer von ursprünglich 250 Punkten).

Das Beispiel zeigt, dass Anleger mit Seitwärts-Optionsscheinen trotz eines stagnierenden Umfelds erfolgreich am Kapitalmarkt partizipieren können. Ertragschance und Risiko lassen sich dabei über die Breite des Korridors, seine absolute Lage sowie die Wahl des Basiswerts sehr individuell steuern: Je breiter die Range und je näher der aktuelle Basiswertkurs an der Mitte dieser Range, desto geringer ist das Risiko. Entsprechend höher wird der Preis für den Optionsschein ausfallen. Gleiches gilt für kürzere (Rest-)Laufzeiten, da eine Schwellenverletzung innerhalb kürzerer Zeiträume unwahrscheinlicher wird. Klarerweise spielt zudem die Volatilität des Basiswerts eine Rolle. Je höher die Schwankungsintensität, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine der beiden KO-Schwellen verletzt wird.

Neben diesen Parametern sollten Anleger wie bei allen Anlage- und vor allem Hebelprodukten stets das Marktumfeld im Blick behalten und ihre Erwartungen entsprechend anpassen. Gegebenenfalls lassen sich bereits durch einen rechtzeitigen Ausstieg vor dem Ende der Laufzeit Gewinne realisieren oder aber ein möglicher Totalverlust vermeiden.

Stefano Angioni ist Derivate-Experte bei der Société Générale.

01.09.2018 | 12:24

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