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Neue Aktienanleihe für Langfrist-Anleger

Marcel Langer, Frankfurt am Main, Director bei UBS

Marcel Langer, Frankfurt am Main, Director bei UBS


Von Marcel Langer, Frankfurt am Main, Director bei UBS

Traditionelle Aktienanleihen gelten bei vielen Anlegern als eine beliebte Alternative zum Festgeld. Denn die Produkte bieten unabhängig von der Entwicklung eines Basiswertes regelmäßige Kupons. Anleger können jetzt auch auf ein neues Produkt ohne Laufzeitbegrenzung setzen.

Gerade in Zeiten stark schwankender Börsenkurse können nur wenige Investmentprodukte regelmäßig interessante Zinsen bieten. Die aktuellen Festgeldkonditionen erreichen wegen des historisch niedrigen Leitzinses der Europäischen Zentralbank (EZB) meist keine hohen Jahresrenditen. Viele der aktuellen Angebote für Fest- oder Tagesgeld gelten nur für eine bestimmte Zeit und einen begrenzten Höchstbetrag. Manche der Lockangebote richten sich auch ausschließlich an Neukunden. Wenige festverzinsliche Investmentprodukte stellen derzeit einen Kupon in Aussicht, der bei Emission über dem aktuellen EZB-Zinsniveau von 1% liegt. Auf eine einfache Art und Weise können traditionelle Aktienanleihen dagegen allen Anlegern in Deutschland regelmäßige Kupons bieten, die deutlich oberhalb des EZB-Zinses liegen. Viele nutzen die Produkte bei einem moderat höheren Risiko deshalb bereits als eine Alternative zum Festgeld.

Die Struktur von Aktienanleihen ist denkbar einfach: Die Produkte zahlen einen Kupon unabhängig von der Entwicklung eines Basiswertes zu festgelegten Terminen. Am Laufzeitende einer Anleihe ist dann der Stand des Basiswerts entscheidend für die Rückzahlung. Notiert die zugrunde liegende Aktie oberhalb ihres Basispreises, erhält der Inhaber den Nennwert zurück. Ist dies nicht der Fall, richtet sich die Rückzahlung nach der Entwicklung des Basiswerts. Anleger erhalten dann entweder eine vorab festgelegte Zahl an Aktien oder eine entsprechende Barzahlung zurück. Ist der Kursrückgang der Aktie zum Laufzeitende größer als der gezahlte Kupon der Anleihe, erleiden sie einen Verlust. Wichtig ist: Aktienanleihen sind Inhaberschuldverschreibungen, deren Rückzahlung der Emittent garantiert.

Hohe Mittelzuflüsse

Seit Anfang 2010 verzeichnen Aktienanleihen in Deutschland hohe Mittelzuflüsse. Nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) stieg das Anlagevolumen in der Produktkategorie im ersten Quartal 2010 monatlich um durchschnittlich rund 7%. Mittlerweile sind mehr als 2,8 Mrd. Euro in der Produktkategorie investiert, meldet der Branchenverband in seiner Marktstatistik für März 2010. Zum Vergleich: Ende März 2009 waren in den Produkten rund 825 Mio. Euro (preisbereinigt: 797 Mio. Euro) angelegt.

Die deutschen Anleger setzen auch deshalb so gern auf Aktienanleihen, weil sie ihnen eine Chance auf Rendite bieten, selbst wenn der Basiswert stagniert oder moderat nachgibt. So können sie ihre Markterwartung für einen überschaubaren Zeitraum umsetzen und mögliche Kursverluste teilweise abfedern. Denn den Kupon erhalten sie bei Fälligkeit der Produkte in jedem Fall – unabhängig von der Entwicklung des Basiswerts.

Eine Innovation auf dem Markt für Aktienanleihen emittierte UBS vor wenigen Wochen: Die erste Rolling Aktienanleihe auf den EURO STOXX 50 Total Return (TR) (WKN: UB2RAA) wird seit dem 18. Juni 2010 an deutschen Börsen gehandelt. Mit einem innovativen Rollmechanismus ausgestattet, haben Anleger nun laufzeitunabhängig die Chance auf eine monatliche Kuponzahlung, die – auf ein Jahr gerechnet – drei Prozentpunkte oberhalb des Leitzinses der EZB liegt. Bei einem aktuellen Zinsniveau von 1% bietet das Produkt derzeit die Chance auf 4% Kupon p.a.

Innovativer Rollmechanismus

Die neue Rolling Aktienanleihe soll allen langfristig orientierten Anlegern regelmäßig interessante Kupons bieten. Denn der Aufwand, nach Fälligkeit in eine neue Aktienanleihe zu investieren, fällt mit dem Produkt künftig weg: Die Rolling Aktienanleihe spiegelt eine fortlaufende Investition in eine traditionelle Aktienanleihe auf den EURO STOXX 50 (TR) wider. Die Kuponhöhe wird monatlich neu festgelegt. Den immer für einen Monat im Voraus festgelegten Kupon zahlt sie in jedem Fall – unabhängig von der Indexentwicklung. Das Produkt ist mit einem variablen Risikopuffer ausgestattet, der mögliche Kursrückgänge des Basiswerts abfedern soll. Auf Monatssicht beträgt dieser zwischen 5% und 15%. Das Produkt bietet jedoch keinen vollständigen Kapitalschutz. Verkauft der Anleger zu einem Kurs unter dem Kaufpreis, erleidet er einen Verlust.

Eine negative Performance des EURO STOXX 50 (TR) kann sich aber auch negativ auf den Wert der Rolling Aktienanleihe auswirken. Denn der Wert der Rolling Aktienanleihe gibt zunächst nach, wenn der Kursrückgang des Index größer als der Risikopuffer von bis zu 15% ausfällt. Dann schüttet das Produkt im folgenden Monat einen geringeren Kupon aus. Zudem kann sich ein Kursrückgang auf die Höhe des Folgekupons auswirken – theoretisch kann dieser auf Null absinken. Eine geringere Zahlung geht jedoch nicht verloren, sie fließt in den Wert der Aktienanleihe selbst ein. Ziel ist es, den Wert der Rolling Aktienanleihe möglichst nah bei der 100%-Marke des Ausgangsniveaus zu halten.

01.07.2010 | 00:00

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