boerse am sonntag - headline

Globale Konjunktur kühlt sich weiter ab

Die Weltwirtschaft schwächelt. Und wird das wohl noch länger tun. (Foto: Shutterstock)


In den USA liefern hauptsächlich die Unternehmensinvestitionen Anzeichen einer Abschwächung, während der private Konsum weiterhin ansteigt. In der Eurozone hat sich die Lage der Fertigungsbranche weiter verschlechtert; in Deutschland war die Industrieproduktion besonders schwach.

Eine Analyse von Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI - Banque de Luxembourg Investments

Obwohl die Aktivität bei den Dienstleistungen nach wie vor deutlich robuster ist, verlangsamte sich das Wachstumstempo im September deutlich. In Japan drückt der schwache Außenhandel auf die Investitionen, weil die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten nur sehr zögerlich aufstocken. In China bleiben die konjunkturbelebenden Maßnahmen seitens der Regierung relativ verhalten, da Peking nicht bereit scheint, eine massive Wachstumsbeschleunigung auf Kosten einer stärkeren Verschuldung zu erzeugen.

Die Inflationsraten verändern sich derzeit kaum und bleiben in nahezu allen Regionen gemäßigt. In den Vereinigten Staaten sank die Gesamtinflationsrate im August von 1,8 % auf 1,7 %, ohne Energie und Lebensmittel erhöhte sie sich von 2,2 % auf 2,4 %. Die Kernrate des Deflators der privaten Konsumausgaben (der bevorzugte Inflationsmaßstab der Federal Reserve) stieg leicht von 1,7 % auf 1,8 %. In der Eurozone ging die Inflation im September von 1 % auf 0,9 % zurück und blieb damit weit unter der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Zielmarke von zwei Prozent. Ohne Energie und Nahrung stieg der Preisauftrieb von 0,9 % auf 1,0 %.

Wie erwartet setzte die US-amerikanische Federal Reserve im Juni ihren wichtigsten Leitzinssatz zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten um 25 Basispunkte herab; damit liegt die Fed Funds Rate nun in der Spanne von 1,75 bis 2,00 Prozent. Bei der Pressekonferenz blieb Fed-Präsident Jerome Powell bezüglich der zukünftigen Absichten des Offenmarktausschusses relativ vage. Er erklärte, dass Zinssenkungen angebracht sein könnten, falls die Wirtschaft einbrechen sollte, was aber momentan nicht erwartet werde. In Europa kündigte EZB-Präsident Mario Draghi bei der vorletzten Sitzung seiner Amtszeit zahlreiche weitere Maßnahmen der quantitativen Lockerung an: Er senkte den Einlagezins für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank von -0,4 % auf -0,5 % und nahm das Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen in Höhe von 20 Milliarden Euro monatlich ab dem 1. November wieder auf, ohne einen Zeitpunkt für den Ausstieg zu nennen. Innerhalb des EZB-Rats war die Entscheidung Draghis nicht unumstritten: Insbesondere die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande hielten die Maßnahmen im Hinblick auf die aktuellen Wirtschaftsbedingungen für überzogen.

Nachdem die Endfälligkeitsrenditen für Anleihen in den ersten acht Monaten dieses Jahres deutlich zurückgegangen waren, zogen sie im September wieder leicht an. In den USA stieg die Rendite zehnjähriger Treasury Bonds im Monatsverlauf um 17 Basispunkte und erhöhte sich im Berichtsmonat von 1,50 % auf 1,67 %. In der Eurozone stiegen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland von -0,70 % auf -0,57 %, in Frankreich von -0,41 % auf -0,28 % sowie in Spanien von 0,10 % auf 0,14 %; in Italien sanken sie von 1,00% auf 0,82 %.

Nach der Schwäche in der ersten Augusthälfte nahmen die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend vom Jahresbeginn wieder auf. Der MSCI All Country World Index Net Total Return in Euro stieg im September um 3,1 % und brachte damit die Performance seit Jahresbeginn auf +21,8 %. Im gesamten September legte der US-amerikanische S&P 500 um 1,7 % (in USD) zu, der europäische Stoxx 600 um 3,6 % (in EUR), der japanische Topix um 5,0 % (in JPY) und der MSCI Emerging Markets um 2,9 % (in USD). Trotz der Verlangsamung der globalen Konjunktur wurde der Aufschwung im September angeführt von Finanztiteln und zyklischen Werten, wohingegen sich defensive Branchen (Basiskonsum, Gesundheitswesen) auf den unteren Rängen wiederfanden.

Die schwache Verfassung des Euro gegenüber dem US-Dollar hielt im September an, der Euro-Dollar-Kurs verringerte sich im Monatsverlauf von 1,10 auf 1,09. Die robustere Konjunktur in den USA, die zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten sowie die zusätzlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen in der Eurozone stützten die US-Währung.

Lesen Sie auch: Deutschland: Und jetzt die Rezession?

 

 

24.10.2019 | 16:58

Artikel teilen: