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ThyssenKrupp: Chance auf der Short-Seite


Die Aktie von ThyssenKrupp hat den DAX in diesem Jahr massiv outperformt. Während der DAX seit Jahresanfang gut 14% zulegte, stieg die Aktie des Stahlunternehmens fast doppelt so stark um 25%. Hier setzen Anleger offensichtlich massiv auf eine Erholung des Stahlgeschäftes, wenn sich die weltwirtschaftliche Situation wieder bessert. Aber was passiert, wenn es zu keiner schnellen Erholung kommt? Dann besitzt die Aktie von ThyssenKrupp Rückschlagpotenzial.

Zukunftsfantasie treibt die Aktie

Denn die Kursgewinne basieren primär auf Erholungsfantasie, fundamental sind sie kaum gerechtfertigt. Das zeigte sich vor zwei Wochen, als ThyssenKrupp (WKN 750000) die Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2008/2009 (gebrochenes Geschäftsjahr) vorlegte. Diese Zahlen fielen extrem schlecht aus. Die Analysten hatten ihre Prognosen im Vorfeld bereits deutlich gesenkt, aber die teilweise dramatischen Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis unterboten die Markterwartungen sogar noch.

Tief in den roten Zahlen

So fiel der Umsatz in den neun Monaten um gut 23% von 39,7 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum auf jetzt 30,7 Mrd. Euro. Beim Ergebnis vor Steuern musste ThyssenKrupp einen Verlust von 987 Mio. Euro bekannt geben, nachdem man im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von knapp 2,3 Mrd. Euro erwirtschaftet hatte. Auch beim Nettogewinn ist der Stahlkonzern tief in die Verlustzone gerutscht: Nachdem in den ersten drei Quartalen 2007/08 noch ein Gewinn von knapp 1,6 Mrd. Euro angefallen war, musste man nun einen Verlust von 829 Mio. Euro verbuchen. Die entscheidenden Eckdaten lagen damit deutlich unter den Konsensschätzungen. Die Analystenschätzungen hatten einen Umsatz von 30,9 Mrd. Euro und einen Verlust beim Ergebnis von „nur“ 726 Mio. Euro erwartet. Für das Gesamtjahr 2008/2009 rechnen die Analysten mit einem Verlust.

Ambitionierte Bewertung

Für diese Fakten ist die Aktie allerdings anspruchsvoll bewertet. Für 2009 besitzt ThyssenKrupp überhaupt kein Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV), da das Unternehmen ja Verluste machen wird. Aber für 2010, wo wieder schwarze Zahlen erwartet werden, liegt das KGV bei hohen 19. Die Börse hat bei ThyssenKrupp also viele Vorschusslorbeeren auf eine Erholung des Stahlgeschäftes 2010 eingepreist. Aber wenn die Stimmung dreht, kann die Luft auch ganz schnell wieder aus dem Ballon gelassen werden. Für spekulative Anleger, die ihre Long- Positionen gegen mögliche Korrekturen absichern wollen oder von fallenden Börsen ausgehen, bietet sich daher ein Short-Engagement bei ThyssenKrupp an. Das Short-Hebelzertifikat der Commerzbank besitzt einen Hebel von zwei. Die Sicherheitsbarriere ist dafür mit einem Puffer von über 40% weit entfernt. Trotzdem müssen sich Anleger der Totalverlustmöglichkeit von Hebelzertifikaten bewusst sein. Investoren sollten deshalb bei Hebelzertifikaten niemals ohne Stoppkurs agieren.

29.10.2009 | 00:00

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