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Deutsche Bank bläst zum Rückzug

Auch das Deutsche Bank Gebäude in New York steht auf dem Spiel. (Quelle: Deutsche Bank)


Es ist das krachende Ende der einst hohen Ambitionen der Deutschen Bank: Während das größte deutsche Geldhaus tief in der Krise steckt, erwirtschaften die Konkurrenten Milliardengewinne. Jetzt muss die Deutsche Bank vielleicht sogar ganz auf ihr Geschäft in den USA verzichten. Es wäre der endgültige Abschied aus der Top-Liga der Banken.

Es sind bittere Monate für die Deutsche Bank. Während das einst ruhmreiche deutsche Geldhaus derzeit tief in der Krise steckt, erwirtschaften die amerikanischen Konkurrenten Rekordgewinne. So haben die drei Banken JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo im vergangenen Quartal zusammen etwa 15 Milliarden Gewinn gemacht.

Amerikaner mit Milliardengewinnen

Für die nach Börsenwert weltweit größte Bank JP Morgan war es sogar das erfolgreichste Sommerquartal im Investmentgeschäft überhaupt. Hier wirkte sich offenbar vor allem das Brexit-Votum der Briten positiv aus. In dem volatilen Handel konnte JP Morgan offenbar mit dem wichtigen Anleihengeschäft punkten. Dort kletterten die Einnahmen um knapp 48 Prozent auf 4,33 Milliarden Dollar. Diese Mehreinnahmen sorgen dafür, dass auch die Gesamteinnahmen der Bank die Erwartungen der Analysten deutlich übertrafen. Mit 25,51 Milliarden Dollar konnten die Einnahmen um über acht Prozent gesteigert werden. Unter dem Strich erzielte die Bank somit 6,29 Milliarden Dollar Reingewinn. Profitieren konnte JP Morgan dabei von den etwas höheren Zinsen in den USA sowie gefallen Kosten.

Doch auch die Konkurrenten konnten mit guten Zahlen glänzen. Die Citigroup verdiente nach Steuern 3,9 Milliarden Dollar. Das sind zwar zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber dennoch mehr als von den Experten erwartet. Zudem wurde im letzten Jahr das Ergebnis durch Spartenverkäufe in Mexico verbessert. Amerikas viertgrößte Bank konnte im laufenden Jahr ebenso wie JP Morgan vor allem im Anleihengeschäft punkten. Die Händler konnten ihr Ergebnis auf 3,5 Milliarden Dollar verbessern. Im Aktiengeschäft lief es hingegen schlechter.

Und selbst die skandalgeschüttelte Bank Wells Fargo fährt weiter kräftig Gewinne ein. Zwar vermittelte die Bank im Nachgang des Scheinkonten-Debakels, in dessen Folge auch CEO Stumpf seinen Hut nehmen musste, insgesamt weniger Kreditkarten und Kontoeröffnungen. Dennoch habe die Bank laut eigenem Bekunden keine Umsatzeinbussen durch den Skandal hinnehmen müssen. Der neue CEO Tim Sloan erwartet zudem auch in den kommenden Quartalen keine Einbußen. Dennoch fiel der Gewinn im vergangen Quartal moderat auf 5,2 Milliarden Dollar. Die Papiere aller drei Banken konnten an der Börse zwischen einem und drei Prozent gewinnen.

Der tiefe Fall der Deutschen Bank

Für den einstigen Global Player Deutschen Bank sieht es hingegen düster aus. Denn noch immer hat sich das Geldhaus nicht von Auswirkungen der großen Finanzkrise vor acht Jahren erholt. Während Niedrigzins und insgesamt schwache Erträge der Bank im operativen Geschäft das Leben schwer machen, kommt auch der interne Umbau des größten deutschen Geldhauses nur schleppend voran. Der Hammer kam aber vor wenigen Wochen aus dem US-Justizministerium, als die Bank ihre Vergangenheit einholte: Aufgrund der windigen Immobiliengeschäfte im Zuge der Finanzkrise forderten die amerikanischen Behörden eine Strafe von knapp 14 Milliarden Dollar. Und auch wenn sich diese Strafe dem Vernehmen nach mittlerweile deutlich reduziert hat, ist die Deutsche Bank schwer angeschlagen. Der Aktienkurs befindet sich auf einem Rekordtief, Analysten erwarten ganz im Gegensatz zu den amerikanischen Konkurrenten im dritten Quartal ein Minus von etwa 600 Millionen. Auch hat die amerikanische Konkurrenz bereits ihre Strafen für die Finanzkrise bezahlt, mittlerweile geht es dort wieder bergauf. Auch der Konzernumbau ist bei den meisten bereits komplett abgeschlossen.

Anders dagegen die Deutsche Bank. „Bevor es zu einer Vereinbarung mit den Amerikanern über eine Höhe der Strafzahlung kommt, muss das Geldhaus noch ein, zwei andere Dinge klären“, sagte ein Insider der „Welt am Sonntag“. Medienberichten zufolge soll die Bank demnach ernsthaft überlegen, große Teile des US-Geschäfts abzugeben. „Änderungen beim Geschäftsmodell einerseits und eine Geldstrafe andererseits sind häufig die Bedingung für einen Vergleich mit der US-Regierung“, sagte die Person der Welt am Sonntag weiter. Wie weitere Zeitungen berichten, sollen große Teile der rund 10.000 Stellen in Amerika auf dem Spiel stehen. Auch der bisherige Sitz der Bank in New York könnte verkauft werden.

Für die Bank würde der Ausstieg aus dem US-Markt das endgültige Ende ihrer Ambitionen bedeuten. Der große Traum vom Global Player, der einst mit dem Einstieg ins globale Kapitalmarktgeschäft mit der Übernahme von Bankers Trust begonnen hatte, wäre damit vorbei. Es wäre der Tiefpunkt in der langen Geschichte der deutschen Bank. Und auch für Deutschland würde das bedeuten, dass der Finanzmarkt in Frankfurt an Bedeutung verlieren würde. Robin Schenkewitz

17.10.2016 | 14:56

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