boerse am sonntag - headline

Fünf heiße Aktien: Hier lohnt jetzt der Einstieg!

(Bild: Adidas)


Für die einen war er längst überfällig, für die anderen kam er überraschend. Fakt ist: Der jüngste Kurssturz an den Märkten hat vielen Aktien erst einmal ihre Rekordbewertungen entrissen. Damit ergeben sich auch mit Blick auf den DAX wieder günstigere Einstiegschancen. Wo könnte ein Investment besonders lohnen? Die BÖRSE am Sonntag hat fünf Tips für Sie parat.

Von Oliver Götz

Anlegern dürfte er noch fest in den Gliedern stecken, der weltweite Kurssturz an den Finanzmärkten Anfang Februar. Mit einem Minus von 1.600 Punkten verlor der US-Leitindex Dow Jones an einem Montag sogar zweitweise so viel an Wert, wie noch nie zuvor. Und nur wenig später kam es erneut zu einem solchen „Flash-Crash“. Das wiederum hinterließ freilich auch bei Deutschlands Leitindex, dem Dax, seine Spuren. Bereits vor den Wall-Street-Turbulenzen hatte der teils deutlich nachgeben müssen, rutschte so durch die Negativvorgaben noch weiter ab. Alles in allem verlor er innerhalb weniger Tage fast elf Prozent an Wert, sackte von seinem Rekordhoch bei 13.559 Punkten auf 12.107 Zähler ab.  Inzwischen hat er sich wieder leicht erholt, kommt auf zirka 12.400 Punkte. Dennoch sind die Abschläge noch enorm und viele Aktien ein gutes Stück von ihren im Zuge des guten Jahresstarts aufgestellten Januar-Hochs entfernt.

Ist damit der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen? Nun, nicht gerade wenige Experten glauben an eine weiter und vergleichsweise hohe Volatilität, zudem wettet mit dem nach eigenen Angaben weltgrößten Hedgefonds Bridgewater nicht gerade irgendwer 14 Milliarden Euro gegen den europäischen Aktienmarkt, allein im Dax haben die Amerikaner bei 13 Werten Short-Positionen aufgebaut. Die weltweite Konjunktur allerdings boomt weiter und die Konzernergebnisse brummen größtenteils auf Rekordniveau. Wer in der anhaltenden Schwächephase die richtigen Titel auswählt, könnte daher auch eine richtig gute Rendite erzielen. Kandidaten gibt es viele. Doch bei welchen fünf Blue Chips lauern die besten Chancen?

1.) Adidas – neue Rekorde auch 2018?

Für den Herzogenauracher Sportartikelkonzern wird 2018 wohl zum wegweisenden Jahr. Dass es Vorstandschef Kasper Rorsted wieder Rekordzahlen bei Umsatz und Gewinn bescheren wird, steht wohl außer Frage. Schließlich ist es ein Jahr voller sportlicher Großereignisse, wovon für Adidas sicher die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland das wichtigste sein dürfte. Dort läuft die Mehrheit der Mannschaften im Adidas-Dress auf, auch der Spielball kommt aus Herzogenaurach. Rorsted erwartet einen „deutlichen Anstieg der Trikot-Verkäufe“. Und 2017 brummte das Geschäft auch schon ohne Großereignis. Mit 17 bis 19 Prozent Umsatz- und 24 bis 26 Prozent Ergebnissteigerung rechnet Rorsted für das vergangene Jahr.

Die Zahlen zum dritten Quartal stützen die Prognose bereits eindrucksvoll. Umsatz und Gewinn stiegen um zwölf beziehungsweise mehr als 30 Prozent auf 5,7 Milliarden und 549 Millionen Euro. Weiterhin läuft es vor allem in China und den USA blendend. In Übersee will man demzufolge den Marktanteil in Zukunft auf bis zu 20 Prozent steigern. Gegenwärtig dürfte er in etwa bei zehn Prozent liegen. Kaum ein Dax-Konzern wächst derzeit so rasant wie Adidas. Gerade in volatilen Zeiten könnte diese realwirtschaftliche Entwicklung eine willkommene Kursstütze sein.

Doch reicht das für weitere Kurssprünge? Die steile Wachstumskurve und ein Rekordgewinn nach dem nächsten haben die Aktie über die letzten knapp drei Jahre stark ansteigen lassen. Die Erwartungen an den nach Nike größten Sportartikel-Hersteller der Welt sind hoch. Als der Gesamtmarkt auf Talfahrt ging, war die Adidas-Aktie so auch einer  der Titel, die sich vergleichsweise schnell erholten. Nach einer Korrekturphase im zweiten Halbjahr 2017 ist sie mit einem Kurs von 180 Euro aber immer noch ein Stück weit von ihrem Rekordhoch bei knapp 200 Euro entfernt. Credit-Suisse-Analyst Simon Irwin sieht die Aktie attraktiv bewertet und glaubt an ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 19 Prozent je Aktie für die kommenden fünf Jahre.

2.) BASF – Zurück in der Erfolgsspur

Die Aktie des größten Chemiekonzerns der Welt hat das Börsenbeben weit schlechter überstanden, als das Papier von Adidas. Um mehr als zehn Prozent rutschte der Kurs über die letzten vier Wochen gen Süden. Damit ging es von dem Rekordhoch bei knapp 98 zurück auf 87 Euro. Dabei hatten die Ludwigshafener kurz zuvor mit ihrer Präsentation der vorläufigen Zahlen für 2017 die Mehrheit der Analysten deutlich positiv überrascht, was die Aktie überhaupt erst auf ihre Klettertour in Richtung Rekordniveau geschickt hatte. So stiegen die Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr um zwölf Prozent auf 64,5 Milliarden Euro, während sich der Gewinn unterm Strich sogar auf 6,1 Milliarden Euro verdoppelte. Hier profitierte der Chemie-Riese allerdings mit einer Gutschrift in Höhe von 400 Millionen Euro auch von der US-Steuerreform.

Vor allem liegen die Gründe für den deutlichen Ergebnisanstieg aber in besseren Margen und höherem Absatz im Geschäft mit Basischemikalien. Zudem überraschte der Agrarchemie-Sektor im vierten Quartal mit einem positiven Jahresendspurt. In den ersten neun Monaten 2017 war der mit einem Minus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mehr schlecht als recht gelaufen. Das letzte Quartal hätte die Sparte nun fast wieder auf das Niveau von 2016 katapultiert, freute sich Warburg Research-Analyst Oliver Schwarz. Nach den starken Zahlen und den damit einhergehenden positiven Analystenstimmen könnte die Chemie-Aktie 2018 einen dreistelligen Kurswert ins Visier nehmen. Die geplante Ausgliederung des Öl- und Gasgeschäfts fungiere möglicherweise als weiterer Kurstreiber, so DZ-Bank Analyst Peter Spengler. Investoren könnten sich das Papier nun noch vergleichsweise kostengünstig ins Depot legen.

3.) Continental – Neue Konzernstruktur als Kurstreiber?

Neue Konzernstrukturen scheinen bei Deutschlands Dax-Unternehmen zuletzt immer mehr in Mode zu kommen. Egal ob Siemens, Daimler oder eben Continental, sie allen wollen mit Neuordnungen oder gar Abspaltungen einzelner Unternehmensanteile den Konzernwert steigern. Während Siemens schon mitten drin ist, in einer solchen Neuausrichtung, wird bei Daimler und Continental mehr spekuliert, als dass handfestes vorgelegt würde. „Entscheidungsreife Pläne liegen weiterhin noch nicht vor“, teilte der Konzern aus Hannover erst kürzlich mit. Zumindest aber scheint man sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hat CEO-Elmar Degenhart jüngst erklärt, dass er Optimierungsbedarf und diesbezüglich mit Blick auf die Gummi- und Kunststoff-Sparte sowie das Elektronikgeschäft Potential sehe. „Wir können nicht mit der Struktur, die die letzten zehn Jahre erfolgreich und richtig war, erwarten, dass das auch noch in zehn Jahren die richtige Struktur darstellt“, hatte er zudem  vor kurzem auf der Automesse Detroit einen Fingerzeig gewagt. BNP-Analyst Edoardo Spina rechnet fest mit einer Umstrukturierung. Er sei zudem überzeugt davon, dass Continental über Abspaltungen zusätzlichen Wert freisetzen werde. Für Anleger war diese Nachrichten offenkundig ein Grund, die Aktie des Automobilzulieferers an der Börse deutlich auf ein neues Rekordhoch bei 251 Euro zu hieven. Im Zuge der allgemeinen DAX-Schwäche verlor das Papier kurz danach und innerhalb von nur vier Wochen dann aber über acht Prozent an Wert. Derzeit ist ein Anteilsschein für rund 229 Euro zu haben.

Für all diejenigen, die an eine erfolgreiche und wertsteigernde Neustrukturierung glauben, möglicherweise eine passende Gelegenheit zum Einstieg. Schließlich stimmt auch das Zahlenfundament. In den ersten neun Monaten 2017 konnten die Niedersachsen ihre Erlöse um neun Prozent auf 32,7 Milliarden Euro steigern, für das Gesamtjahr rechnet Finanzvorstand Wolfgang Schäfer mit „mit mehr als 44 Milliarden Euro vor Wechselkurseinflüssen“. Das Ebit legte einschließlich des dritten Quartals um 14,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang wuchs um 20 Prozent auf 30 Milliarden Euro. Im März veröffentlicht Continental dann die Zahlen für das Gesamtjahr 2017, auch die dürften nach ersten Prognosen zufriedenstellend ausfallen. „Wir rechnen mit einem starken vierten Quartal“, hatte CEO Degenhart schon im Herbst angekündigt.

4.) Henkel – bullische Klebe?

Auch die sich ohnehin seit Juni 2017 in einem Abwärtstrend wiederfindende Aktie des Konsumgüterherstellers Henkel rutsche im Zuge des jüngsten Markt-Bebens nochmal deutlich ab und ist inzwischen „nur“ noch 109 Euro wert. In besagtem Juni waren es noch 128,70 Euro gewesen, das entspricht einem Minus von knapp 16 Prozent. Die in dieser Woche vorgelegten Jahresergebnisse waren nun aber überzeugend. So konnte Henkel 2017 seinen Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigern, während es beim Gewinn um 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro nach oben ging. Vor allem das Geschäft mit Klebstoffen erwies sich als Wachstumstreiber. Hier ging es um fünf Prozent auf einen Umsatz in Höhe von 9,4 Milliarden Euro nach oben. „Trotz eines herausfordernden und volatilen Marktumfelds haben wir bei Umsatz und Ergebnis neue Höchstwerte erzielt und unsere Fernziele für das Geschäftsjahr erreicht“, zeigte sich Vorstandschef Hans Van Bylen zufrieden.

Insgesamt zufrieden waren auch die Analysten, was allerdings zu keinen hörbaren Tönen des Jubels reichte. Man hatte die Ergebnisse größtenteils so oder so ähnlich erwartet. Die Mehrheit, wie beispielsweise auch Goldman Sachs oder J. P. Morgan, gibt weiter neutrale Empfehlungen ab. Nicht wenigen Experten und auch Anlegern bereitete zuletzt Henkels hohe Konjunkturabhängigkeit Sorge. Die allerdings könnte dem Düsseldorfer Konzern auf kurze Frist auch erst einmal zu Gute kommen, schließlich präsentiert sich die Weltwirtschaft derzeit stark wie nie und soll nach Einschätzungen führender Prognose-Institute sowohl 2018 als auch 2019 weiter wachsen. Gewinne und Umsätze dürften also wohl weiter steigen und die Aktie könnte womöglich schon bald zur Aufholjagd ansetzen.

5.) Infineon – Boom dank weltweiter Fahrzeugelektrifizierung

Beinahe kommt es einem so vor, als gäbe es kein modernes elektronisches Produkt mehr, ohne Infineon-Technik an Bord. Die Halbleiter des Konzerns mit Sitz in Neubiberg, nahe München, werden für Photovoltaik- und Windkraftanlagen genutzt, stecken in Zügen, Mobiltelefonen und Fernsehern. Vor allem aber werden sie in immer höheren Stückzahlen in moderne Autos gepackt. Halbleiter für die Automobilbranche sind schon jetzt das größte Geschäftsfeld des deutschen Tech-Konzerns. Laut Vorstandschef Reinhard Ploss könne keiner die Halbleiter-Nachfrage so gut bedienen wie Infineon und in acht der zehn meistverkauften Elektro-Autos der Welt steckten bereits heute Teile der Münchner. So beispielsweise auch in Teslas Model 3 und nicht zuletzt in über 50.000 elektrisch oder teilweise elektrisch angetriebenen Bussen in China. Überhaupt verfügt Infineon als einer der führenden Chip-Zulieferer im Reich der Mitte über eine starke Marktposition.

Geht es nach den Experten der Schweizer Investmentbank UBS könnte Infineon sogar der größte Halbleiter-Profiteur im Zuge der automobilen Elektrifizierung werden. Ab 2020, so die Analysten, dürfte sich die Nachfrage nach E-Fahrzeugen und damit einhergehend auch die Anzahl der darin verbauten Chips nochmals beschleunigen. Aufgrund der starken Positionierung von Infineon dürfte der Konzern in dem Sektor stärker als die Konkurrenz wachsen. Der jüngste Dax-Einbruch zog allerdings auch die Infineon-Aktie mit nach unten, innerhalb der letzten vier Wochen verlor sie knapp zwölf Prozent. Dabei war sie mit einem Plus von 118 Prozent auf Dreijahres-Sicht zuvor stark gestiegen, befindet sich immer noch in einem intakten Aufwärtstrend.
Im Vergleich zu anderen europäischen Tech-Werten sollten Infineon-Aktien mit einem Aufschlag bewertet werden, schrieb kürzlich Goldman Sachs-Analyst Alexander Duval. Außerdem sei der Dax-Konzern ein strategischer Übernahmekandidat. Aufgrund des schwachen US-Dollars fielen die letzten Zahlen nicht ganz so gut aus, alles in allem zeigten sich die Analysten aber zufrieden. Von insgesamt 13 Einschätzungen sind elf mit einer Kaufempfehlung versehen.

23.02.2018 | 21:07

Artikel teilen: