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Bossard schraubt Ergebnisse hoch

„Schrauben sind nicht alles, aber ohne Schrauben ist alles nichts“, passender kann man die Wichtigkeit von Schrauben nicht umschreiben. In nahezu jedem Produkt, angefangen beim Rasierer über Computer und Handys bis hin zu Pkws oder Zügen sind sie zu finden. Ihnen verschrieben hat sich der schweizerische Schraubenhändler und -logistiker Bossard. Er setzte im zweiten Quartal 2010 die positive Geschäftsentwicklung aus dem ersten Jahresviertel fort, hatte Ende Juni sogar bereits mehr verdient als im Gesamtjahr 2009. Grund genug, die Gesellschaft einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

BÖRSE am Sonntag

Angefangen hat es im 19. Jahrhundert und die Firma betrieb bis 1951 ein kleines, regionales Fachgeschäft in der Stadt Zug. Anschließend entwickelte sich das Familienunternehmen zum nationalen Fachhändler. 1971 wagte es den Schritt zum technischen Großhandel, rundete das Handelsgeschäft durch Engineering-Dienstleistungen ab und expandierte ins Ausland. Der Konzern ist somit mehr als ein Schraubenhändler, fungiert vielmehr als Logistiker für industrielle Verbindungstechnik. Konkret übernimmt Bossard die Versorgung von sämtlichen Verbindungsteilen für die Kundschaft, die sich daher um Einkauf, Lager oder Nachschub nicht mehr zu kümmern braucht. Der Konzern bietet dabei ein dreistufiges Leistungsangebot.

Schrauben aller Art

In der ersten Säule (Produkte) ist der Konzern seit mehr als 150 Jahren tätig und handelt mit Schrauben und Verbindungselementen aller Art. Rund 50.000 verschiedene Produkte liegen in den eigenen Lägern, weit mehr als 100.000 Teile sind insgesamt lieferbar. Pro Jahr liefert die Gesellschaft mehr als 20 Mrd. Schrauben in die ganze Welt. Sie unterhält ein globales Beschaffungsnetz von hochqualifizierten Herstellern mit besonderem Augenmerk auf Qualität und Versorgungssicherheit. Mit einem feinmaschigen Vertriebsnetz garantiert der Konzern seinen weltweiten Kunden eigenen Angaben zufolge somit ein hervorragendes Verhältnis von Preis, Verfügbarkeit und Qualität. Das Unternehmen hebt ferner hervor, dass man als einziger in der Branche weltweit die Qualitätssicherungskriterien gemäß ISO 9000 erfüllt. Dadurch sowie weitere länderspezifische Zertifizierungen haben die Kunden Sicherheit und können auf kostenverursachende Kontrollen und Prüfungen verzichten. Besonders für multinational tätige Firmen ist es von Bedeutung, dass sie sich auf eine durchgängige Qualität verlassen können.

Technische Beratung

Bossard versorgt die Kunden jedoch nicht nur mit Verbindungselementen. In der zweiten Säule Engineering erhalten sie technische Beratung für Konstruktion und Montage, teilweise bereits während der Entwicklung eines neuen Produktes. Die Ingenieure des Konzerns analysieren, wo mittels Sortimentsoptimierung die Teilevielfalt reduziert werden kann, und wo multifunktionale Teile helfen Produktion und Montage zu vereinfachen. Außerdem geben sie Empfehlungen über Materialien und optimale Montagebedingungen, was zu einer dauerhaften Erhöhung der Qualität der Endprodukte bei optimierten Herstellkosten führt. Prüflabore in Europa, Asien und Amerika bilden zudem die Basis für zuverlässige Qualitätssicherung und einwandfreie Qualität der vertriebenen Produkte.

Ausgefeilte Logistik

Eine ausgefeilte Prozessoptimierung in der dritten Säule Logistik rundet das Komplettangebot des Konzerns auf dem Gebiet der sogenannten verwaltungsintensiven C-Teile ab. Diese umfassen nicht nur Verbindungsteile, sondern allgemein Produkte mit hohem Volumen und „kleinem“ Wert, die für die Herstellung eines Endproduktes jedoch essenziell nötig sind. Die Logistiklösungen gewährleisten somit, dass ein zur Fertigung nötiges C-Teil immer in der richtigen Menge zur gewünschten Zeit am richtigen Ort ist. Durch eine ausgeklügelte Logistik lassen sich die Beschaffungskosten für alle C-Teile senken und auf ein Minimum reduzieren. Bossard rechnet vor, das gerade einmal 15% der Kosten einer fertigen Verbindung auf das eigentliche Element entfallen. Die anderen 85% umfassen Beschaffung, Kontrolle, Lagerhaltung, Bereitstellung, Bauteilvorbereitung und Montage. Kosteneinsparungen von 50% und mehr sind daher möglich.

Stark zyklisch

Das Komplettangebot aus Vertrieb, technischer Beratung und Lagerbewirtschaftung kommt entsprechend gut bei der Kundschaft an. Allerdings ist das Geschäft stark zyklisch und konjunkturelle Flauten spürt Bossard besonders, ist man doch direkt von der Nachfrage der Industriekunden abhängig. Doch die Schweizer können auf derartige Schwankungen schnell reagieren, merken sie doch als Spezialist für die Lagerbewirtschaftung großer Industriebetriebe mit als erster jede noch so kleine Änderung der Nachfrage. Entsprechend können die eigenen Kapazitäten zeitnah angepasst werden. Der herbe Einbruch der Weltwirtschaft 2009 ging daher zwar nicht spurlos an Bossard vorbei, man reagierte jedoch schnell und frühzeitig und trotzte somit eigenen Angaben zufolge der Krise. Zwar brach nach dem Rekordjahr 2008 der Umsatz von 565,7 auf 395,1 Mio. CHF ein und auch der Überschuss schrumpfte von 32,4 auf 15,3 Mio. CHF, man blieb aber profitabel und erreichte den besten Cashflow der Firmengeschichte. Zudem wurde die Nettoverschuldung auf einen neuen Tiefstwert gesenkt. Trotz aller Sparmaßnahmen hielt der Konzern an der strategischen Ausrichtung und den wichtigsten Projekten fest und geht somit eigenen Angaben zufolge gestärkt aus der Krise hervor.

Aufwärtstrend

Auch die Ergebnisse zeigten zuletzt einen anhaltenden Aufwärtstrend. So setzte sich der positive Umsatztrend aus dem ersten Quartal 2010 im zweiten Jahresviertel fort. Diese über den Erwartungen liegende Entwicklung der Nachfrage führte im ersten Halbjahr zu einem Umsatzplus von 18,5% zum Vorjahr. Der deutlich höhere Absatz schlägt sich zudem bei den Gewinnen nieder, und laut Bossard wurde bereits in den ersten sechs Monaten der Gesamtjahresprofit 2009 von 15,3 Mio. CHF klar übertroffen. Um wie viel genau, wird die Gesellschaft am 31. August mit der Halbjahresbilanz vorlegen.

Fazit

Die Erholung bei den Geschäften spiegelt sich auch in der Kursentwicklung wider. Seit dem Tief im März 2009 hat sich die Aktie um mehr als 170% nach oben geschraubt. Dank der jüngst vorgelegten ersten Eckdaten für das erste Halbjahr 2010 wurde nun aus charttechnischer Sicht die Konsolidierung der vergangenen Wochen trendkonform nach oben aufgelöst, was für weitere Zuwächse sprechen könnte. Die Gesellschaft besticht zudem aus fundamentaler Sicht mit ihrem Geschäftsmodell, das rund um die Schraube den weltweiten Vertrieb, die technische Beratung und die Lagerbewirtschaftung umfasst. Mit diesem Komplettangebot ist sie mehr als nur ein Schraubenhändler und hilft die Kosten bei den Kunden zu minimieren, getreu dem Motto „Die teuerste Schraube ist die, die nicht da ist“. Zwar ist das Geschäft stark von der Konjunktur abhängig, Bossard merkt jedoch Marktschwankungen frühzeitig und kann entsprechend reagieren, weshalb es der Gesellschaft auch im Krisenjahr 2009 trotz kräftiger Ergebnisrückgänge gelungen ist, profitabel zu wirtschaften. Daran will sie auch künftig anknüpfen und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2015 will sie ihren Umsatz verdoppeln und gleichzeitig die Profitabilität steigern. Mit der Konzentration auf das Kerngeschäft, den Fokus auf Marktnischen und Wachstumssegmente in der Industrie, ein durchaus erreichbares Ziel. Inklusive der relativ günstigen Bewertung der Aktie könnte dies insgesamt langfristige Käufe rechtfertigen.