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Lebensart > Knigge am Tisch

Business Lunch: Diese Fehler kosten mehr als das Essen

| Britta Kuschnigg | Lesezeit: 7 Min.

Vogelperspektive auf einen weiß gedeckten Restauranttisch. Links und rechts davon halten zwei Personen in dunklen Businessjacken Besteck in den Händen und essen Salat. Auf dem Tisch stehen zwei Gläser mit rotem Getränk sowie ein Brotkorb. Unten rechts liegt ein grünes Notizbuch.
Zwei Personen beim Business Lunch in einem Restaurant. Beim Geschäftsessen gilt: Geschäftliches wird erst nach dem Dessert angesprochen. (Foto: Shutterstock)

Business-Knigge beim Geschäftsessen: Welche Fehler Sie bei Besteck, Visitenkarten, Smartphone und Gesprächsführung unbedingt vermeiden sollten.

Der wichtigste Grundsatz beim Business Lunch lautet: Kleine Fehler können große Folgen haben. Wer bei einem Geschäftsessen Kunden, Geschäftspartner oder Vorgesetzte überzeugen möchte, sollte die wichtigsten Business-Knigge-Regeln kennen. Dazu gehören die richtige Gesprächsführung, der Umgang mit Besteck, Smartphone und Visitenkarten sowie angemessenes Verhalten gegenüber Servicepersonal. Wer diese Regeln beherrscht, wirkt professionell, stärkt Geschäftsbeziehungen und vermeidet peinliche Situationen.

Visitenkarten beim Business Lunch richtig überreichen

Sind Sie Gast? Dann geben Sie bitte immer als Erster Ihre Karte ab – in Gruppen und bei Geschäftsessen erhält stets die ranghöchste Person zuerst Ihre Visitenkarte.

Ist die Hierarchie unklar, verteilen Sie die Karten der Reihe nach, beginnend mit der Person, die Ihnen am nächsten steht.

Erhalten Sie eine Visitenkarte, dann stecken Sie diese bitte auf keinen Fall einfach weg. Werfen Sie stattdessen für ein paar Sekunden einen Blick darauf und prüfen, ob die Karte vielleicht Informationen oder Titel enthält, die Sie erwähnen könnten. Diese kleine Aufmerksamkeit kann zu einem Eisbrecher und vielleicht sogar zu einem Gamechanger des gesamten Business-Essens werden.

Was Messer und Gabel über Sie verraten

Welche Gabel Sie nehmen sollen? Die Besteck-Regeln sind einfach: Verwenden Sie das Besteck immer von außen nach innen - und zwar passend zum jeweiligen Gang. Bei einem Gruß aus der Küche (Amuse Geule) ist es besonders einfach: Dort liegt entsprechendes Besteck bereits auf dem Teller.

Mit der Art und Weise, wie Sie Ihr Besteck auf dem Teller platzieren, übermitteln Sie verschiedene Botschaften an das Servicepersonal:

  • Pause:  Sie positionieren die Gabel auf acht Uhr und das Messer auf vier Uhr.
  • Bitte einen Nachschlag: Sie überkreuzen Messer und Gabel auf dem Teller
  • Fertig: Sie platzieren sowohl Gabel als auch Messer auf die Position von fünf Uhr.

Sollten Ihnen einmal die Gabel auf den Boden fallen oder haben Sie ein Glas umgestoßen – bitten Sie den Service, Ihnen eine neue Gabel zu bringen oder die Spuren des verschütteten Getränks zu beseitigen. Missgeschicke sind menschlich und keine Tragödie.

Wein, Wasser und Anstoßen: Diese Regeln gelten

Eingedeckte Gläser am Tisch werden von rechts nach links verwendet. Wichtige Regel: Fassen Sie die Gläser nie am Kelch an, sondern stets am Stiel.

Schenkt Ihnen der Kellner einen Schluck Wein zum Verkosten ein, prüfen Sie, ob der Wein richtig temperiert ist:  Weißweine: kühler (zwischen 8° und 12° Celsius), Rotweine eher wärmer (bis ca. 18° Celsius), Prosecco oder Cava kühl (6° Celsius). Hat der Wein die richtige Temperatur und schmeckt nicht nach Kork, nicken Sie dem Kellner zu.

Anstoßen sollten Sie nur mit Wein, Champagner und Sekt. Findet Ihr Geschäftsessen in rustikalem Ambiente oder auf dem Oktoberfest statt, dürfen Sie natürlich auch den Bierkrug heben. Heben Sie dabei den Krug und nicken einander zu – ohne laut anzustoßen.

Zum ersten Schluck fordert immer der Gastgeber auf.

Wohin gehört die Serviette?

Servietten sind Servietten und keine Lätzchen. Damit ist eigentlich alles gesagt: Die Serviette gehört auf den Schoß und niemals in den Kragen gesteckt.

Stehen Sie vom Tisch auf, legen Sie Ihre Serviette locker gefaltet links neben Ihrem Teller ab. In Amerika: auf den Stuhl, das gilt hierzulande allerdings als unhygienisch.

Auch nach dem letzten Gang legen Sie die Serviette neben (nicht auf) dem Teller ab.

Der häufigste Brot-Fehler am Geschäftstisch

Die meisten Restaurants reichen heutzutage Brot vor dem Essen. Das ist allerdings keine Vorspeise, sondern als Beilage zur Vorspeise gedacht. Dieses sogenannte "Couvert-Brot" sollten Sie auf keinen Fall wie eine ordinäre Stulle im Ganzen mit Butter bestreichen und dann essen. Brechen Sie Ihr Brot in mundgerechte Happen, bestreichen Sie jedes Stück einzeln und führen es mit der linken (!) Hand zum Mund.

Diese Körpersprache sollten Sie vermeiden

Wenn Sie nicht als der "Ellenbogen-Erich" in die Firmengeschichte eingehen wollen,  dann halten Sie Ihre Ellbogen vom Porzellan entfernt. Denn: Die Ellbogen gehören nicht auf den Tisch. Das gilt auch zu vorgerückter Stunde oder wenn langweilige Monologe geführt werden. Es mag zwar verlockend sein, während eines langen Gesprächs die Ellbogen auf den Tisch zu stützen, aber das verstößt gegen die Etikette und kann außerdem zu viel Vertrautheit signalisieren.

Business Lunch: Die wichtigsten Suppen-Regeln

Auf gar keinen Fall sollten Sie den Suppenteller kippen, um den letzten Rest Suppe auszulöffeln. Führen Sie den Löffel immer nur mit der Spitze zum Mund. Klare Brühen dürfen getrunken werden. Achten Sie darauf, nicht zu Schlürfen, pusten Sie nicht auf den Löffel und tunken Sie Ihr Brot nicht ein. Wenn Sie fertig sind, legen Sie den Löffel auf den Unterteller der Suppe.

Business Knigge für Fischgerichte

Entfernen Sie zunächst die Flossen. Fahren Sie anschließend mit dem Fischmesser von Kopf bis Schwanz durch den Rücken und teilen Sie so die Filets. Klappen Sie die beiden Hälften auf. Platzieren Sie die Gräten auf einem extra Teller.

Small Talk und Smartphones: Gesprächsführung beim Business Lunch

Das Wichtigste vorweg: Geschäftliches wird bei einem Business-Essen immer erst nach dem Dessert angesprochen.

Umso bedeutsamer ist es, die Kunst der Konversation zu beherrschen. Beginnen Sie mit leichtem Small Talk, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Geeignete Themen sind

  •  das Restaurant, die Stadt, das Land, in dem Sie sich gerade befinden
  •  die Speisen und Getränke (positive Äußerungen)
  •  gemeinsame Bekannte (positiv bleiben!)
  •  Reise, Kultur und Sport, Musik und Hobbys

Vermeiden Sie unbedingt heikle Themen wie Politik, Religion oder persönliche Finanzen. Auch Klatsch über Kollegen oder Geschäftspartner ist tabu. Es kommt außerdem niemals gut an, über das Essen zu lästern. Sie sollten auch darauf verzichten, Krankheiten, Gebrechen und Tod anzusprechen.

Hören Sie aktiv zu und zeigen Sie echtes Interesse an den Aussagen Ihres Gesprächspartners. Stellen Sie offene Fragen und nutzen Sie die Gelegenheit, mehr über die Person und das Unternehmen zu erfahren. Dies liefert auf jeden Fall wertvolle Einblicke für zukünftige Geschäftsbeziehungen.

Wichtig: Das Handy hat beim Geschäftsessen nichts zu suchen! Wer sein Smartphone neben den Teller legt, gilt laut Business-Knigge als äußerst unhöflich. Schalten Sie das Smartphone für die Dauer des Geschäftsessens am besten ab oder zumindest auf Vibrationsalarm.

Diese Fehler ruinieren viele Geschäftsessen

Top 5 Do's beim Business Lunch:

  • Seien Sie pünktlich und gut vorbereitet. Informieren Sie sich vorab über Ihre Gesprächspartner und das Unternehmen.
  • Wählen Sie ein Restaurant, das Sie kennen und dem Sie vertrauen. Testen Sie es im Zweifelsfall vorab.
  • Seien Sie höflich zum Restaurantpersonal.
  • Essen Sie in einem angemessenen Tempo und passen Sie sich Ihrem Gegenüber an.
  • Bedanken Sie sich am Ende für die Zeit und das Gespräch, unabhängig vom Ausgang.

Top 5 Don'ts beim Business Lunch:

  • Hetzen Sie nicht zum Treffen.
  • Experimentieren Sie nicht mit exotischen Küchen.
  • Lassen Sie sich nicht von Ihrem Smartphone ablenken und führen Sie keine Telefonate während des Essens.
  • Unterbrechen Sie Ihr Gegenüber nicht: Lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden.
  • Drängen Sie nicht auf sofortige Entscheidungen oder Zusagen

Warum es Business-Etikette überhaupt gibt

Die Entwicklung der Etikette ist ein faszinierender Spiegel gesellschaftlicher Wandlungen und kultureller Normen.

  • Im Mittelalter prägten Rituale und Bräuche des Adels die Umgangsformen, wobei der höfische Stil eine zentrale Rolle spielte.
  • Mit der Renaissance kam ein erhöhtes Bewusstsein für persönliche Präsentation und Benehmen auf, stark beeinflusst durch italienische Denker wie Baldassare Castiglione, dessen Werk "Il Cortegiano" das Verhalten eines perfekten Höflings beschrieb.
  • Im Barockzeitalter wurden Etiketteregeln zunehmend kodifiziert, um soziale Hierarchien zu betonen und zu stabilisieren. Der französische Hof unter Ludwig XIV. mit seinem opulenten Zeremoniell wurde zum Vorbild für ganz Europa.
  • Die Aufklärung brachte einen Wandel: Humanistische Werte rückten in den Vordergrund, und Etikette wurde mehr mit Respekt und Vernunft verbunden als mit starrer Konvention. Im Jahr 1788 veröffentlichte Adolph Freiherr Knigge sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“.
  • Während des 19. Jahrhunderts, insbesondere in der viktorianischen Ära, erlebten Etiketteregelwerke eine Blütezeit, systematisiert in Handbüchern, die detaillierte Vorschriften für verschiedenste soziale Situationen boten.
  • Im 20. Jahrhundert begannen sich die Etikette-Regeln zu verflüssigen, stark beeinflusst durch gesellschaftliche Umbrüche und die Demokratisierung der Gesellschaft.
  • Die Nachkriegszeit und das Aufkommen der Jugendkultur in den 1960er Jahren führten zu einem Bruch mit traditionellen Formen und einer Lockerung der gesellschaftlichen Normen.
  • Heute spiegeln Etikette-Regeln eine gewisse Vielfalt und Flexibilität wider, angepasst an die ständig wechselnden Anforderungen einer globalisierten und digitalisierten Welt. Dennoch gilt es heute als wichtig, grundlegende Etikette in bestimmten Situationen zu bewahren, um Respekt und Höflichkeit im Umgang miteinander sicherzustellen. In formellen oder beruflichen Kontexten werden nach wie vor klare Verhaltensstandards erwartet, wie zum Beispiel bei Geschäftsmeetings, offiziellen Veranstaltungen oder in der Kundenkommunikation.
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