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Coinbase - Mehr wert als jeder traditionelle Börsenbetreiber

(Foto: Burdun Iliya / Shutterstock)



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Mit der wachsenden Popularität von Kryptowährungen hat sich die Aufmerksamkeit unweigerlich auch auf die Börsen verlagert, an denen sie gehandelt werden. Auf den heute stattfindenden Börsengang von Coinbase hat die Fangemeinde des digitalen Geldes lange hin gefiebert.

Mit einer Kursverdopplung seit dem Jahreswechsel und neuen Rekorden dürften Bitcoin & Co. nun endgültig im Mainstream angekommen sein. Wer sich in Zukunft ein Tesla zulegt, darf nun auch mit Bitcoin bezahlen und Twitter-Chef Jack Dorsey und Hip-Hop-Mogul Jay-Z wollen mit einem Bitcoin-Fonds entsprechende Projekte finanzieren. Aber auch immer mehr Banken wie Morgan Stanley bieten ihren wohlhabenden Kunden den Zugang zu den Kryptomärkten an. Ob man aber deshalb als Anleger beim Coinbase-Börsengang dabei sein muss, ist ob der mittlerweile aufgerufenen Bewertungen für den Marktplatz durchaus fraglich – ein IPO zur richtigen Zeit oder doch nur heiße Luft?

Mehr wert als jeder traditionelle Börsenbetreiber

Coinbase will durch eine direkte Notierung an der Nasdaq an die Börse gehen und wird aus dem IPO keine zusätzlichen Einnahmen erzielen. In den eingereichten Unterlagen findet sich interessanterweise keine Adresse für einen Hauptsitz, an dieser Stelle steht lediglich ein "remote-first". Das Unternehmen, das die größte US-Börse für Bitcoin und andere digitale Währungen betreibt, dürfte nach dem Börsengang eine größere Marktkapitalisierung erreichen als jeder der traditionellen Börsenbetreiber der Welt. Coinbase ist eng mit den Schwankungen des Kryptomarktes verbunden und listet neben Bitcoin etwa 50 weitere Kryptowährungen zum Handel auf.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Konkurrenz auch auf diesem Markt schläft nicht, die Branche entwickelt sich in einem Tempo, mit dem der Aktienkurs von Coinbase bei der aktuell sehr hohen Bewertung in Zukunft durchaus Schwierigkeiten haben könnte, mitzuhalten. Basierend auf dem von der Nasdaq gestern festgelegten Referenzpreis von 250 US-Dollar für die Aktie wäre Coinbase "nur" knapp 50 Milliarden US-Dollar wert. Anfang des Jahres haben die Papiere bei einer Privatplatzierung allerdings schon mal für knapp 350 Dollar die Besitzer gewechselt, was einer Bewertung von knapp 70 Milliarden Dollar entspricht. Der private Handel ist allerdings restriktiver und die Volumina sind in der Regel geringer als an den öffentlichen Märkten und bilden den Unternehmenswert dadurch nicht wirklich ab. Interessant ist, dass Coinbase diese Bewertung sogar noch vor der Veröffentlichung der durchschlagenden Ergebnisse für das erste Quartal erzielte, als es von der enormen Rallye des Bitcoin-Kurses profitierte. Von Januar bis März konnte der Handelsplatz 13 Millionen neue Nutzer gewinnen und bei einem geschätzten Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar einen Gewinn von 730 bis 800 Millionen Dollar erzielen. Dies allein ist jetzt schon mehr als das Doppelte des gesamten vergangenen Jahres.

Mehr als nur eine Börse

Bei Coinbase entstehen dem Nutzer keine Kosten für die Verwahrung von Kryptowährungen in den populären Wallets. Stattdessen verdient das Unternehmen Gebühren und Provisionen, wenn man Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum kauft oder verkauft. Damit unterscheidet sich das Geschäftsmodell nicht sonderlich von dem klassischer Börsenbetreiber. Coinbase bietet zudem Online-Händlern eine Software an, mit der sie Zahlungen in Bitcoin & Co. akzeptieren können. Außerdem plant Coinbase, seinen Nutzern eine physische Kreditkarte plus dazugehöriger App in die Hand zu geben, um Kryptowährungen in der physischen Welt auszugeben, indem diese in US-Dollar umgewandelt werden, wenn die Karte verwendet wird. Last but not least hat Coinbase seine eigene Kryptowährung im Angebot, den USD Coin (USDC), der auf der Ethereum-Plattform basiert. Sein Wert ist an den US-Dollar gebunden, so dass 1 USDC immer ein US-Dollar wert ist.

Die Aktie ist auch eine Wette auf den Bitcoin

Wer als Anleger jetzt auf Coinbase setzt, geht für den Moment auch eine Wette darauf ein, dass Bitcoin seinen Aufstieg als spekulative Anlageklasse fortsetzen wird. Die populärste Kryptowährung ist in den vergangenen Jahren zwar nicht wie von den Fans der ersten Stunde gehofft zu einem primären Tauschmittel in der Wirtschaft geworden, aber immerhin zu einem Anlagevermögen wie Gold und damit zu einem Investment nicht nur für private, sondern auch immer mehr für institutionelle Anleger. Bitcoin hat keinen intrinsischen Wert, aber das hat Gold auch nicht, und die Investoren sind immer noch besessen von dem gelben Metall. Diese Aussicht auf ein digitales Gold hat dazu beigetragen, den jüngsten Anstieg von Bitcoin voranzutreiben, vor allem weil immer mehr institutionelle Investoren ihre Skepsis aufgegeben und sich dem Thema angenommen haben.

Eine Analyse von Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMC Markets

14.04.2021 | 11:38

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