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Voller Energie: Fünf Wasserstoffaktien für das grüne Depot

Wasserstoff: Energieträger der Zukunft? (Foto: Shutterstock)



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Vor dem Hintergrund der Klimakrise erlebt Wasserstoff als alternative Energiequelle seine Renaissance. Weltweit haben Regierungen und Unternehmen das Thema neu für sich entdeckt. Das prognostizierte Marktwachstum ist gigantisch. An der Börse mehren sich die Spekulationen. Fünf Aktien, die Anleger im Blick haben sollten.

Sie war so schnell weg, wie sie plötzlich da war – und ist jetzt ähnlich abrupt wieder zurück. Die Brennstoffzellentechnologie war vor vielen Jahren schon einmal die Zukunft für Deutschlands Autobauer, wurde dann jedoch stiefmütterlich behandelt und geriet in Vergessenheit. Nun ist die alternative Antriebsmöglichkeit wieder ein Thema – weltweit. Die globale Klimakrise macht es möglich und dürfte dafür sorgen, dass sie diesmal nicht wieder verschwindet, sondern bleibt. Und womöglich eine ganze Branche revolutioniert.

Bereits in diesem Jahr könnte der Brennstoffzellen-Markt ein Volumen von zwei Milliarden Euro erreichen, prognostiziert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Auf Sicht von drei Jahren entspräche das einer Verdreifachung. Und das, obwohl der Markt noch höchstens in seinen Kinderschuhen steckt. Vor allem der Automobilsektor verspricht gewaltige Wachstumsraten. Bis 2030 könnten laut der Unternehmensberatung McKinsey bis zu 15 Millionen Fahrzeuge mit Brennstoffzelle auf der Erde unterwegs sein. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 18.000. Und nicht nur der Fahrzeugmarkt verspricht Wachstum. Die Brennstoffzelle schließlich ist vielfältig einsetzbar, kann in den unterschiedlichsten Bereichen für die Strom- und Wärmeerzeugung verwendet werden. So könnte auf Dauer auch das Dieselaggregat ausgedient haben.

Bis die Technologie für die breite Masse erschwinglich wird, dürfte es noch etwas dauern. Hinzu kommt mit Blick auf den Straßenverkehr ein weitestgehend fehlendes Tankstellennetz. Doch Tesla hat im Bereich der E-Mobilität vorgemacht, wie schnell man ein Produkt serienreif machen kann und in eine Preisklasse bringt, die sich genügend Kunden leisten können und wollen. Die Konkurrenz muss dann reagieren, die Politik auch. In Südkorea geht man bereits vorweg. Bis 2022 will die Regierung dort 310 Wasserstoff-Tankstellen in Betrieb haben. Bis 2040 sollen es 1.200 sein und im Optimalfall schon 6,2 Millionen Wasserstoffautos vom Band gerollt sein. Südkorea investiert entsprechend Milliarden und auch die EU will nun kräftig fördern, um nicht den nächsten möglichen Mega-Trend zu verschlafen. Hunderte Milliarden Euro sind für diverse Maßnahmen und Strategien im Gespräch, fix ist bislang allerdings wenig.

Euphorie an der Börse

Sei‘s drum. An der Börse hat sich längst Euphorie Bahn gebrochen. Die Wachstumschancen sind schlicht gewaltig. Start-Ups und etablierte Großkonzerne kämpfen jetzt um wichtige Marktanteile und den entscheidenden Technologievorsprung. Das führt für den Moment realwirtschaftlich noch eher zu Verlusten, als zum großen Gewinn. Die Aktienkurse vieler aussichtsreich positionierter Kandidaten kümmert das allerdings wenig. Einige vervielfachten sich in diesem Jahr. Allmählich schürt das die Ängste vor einer Blase. Mit Kurseinbrüchen müssen Anleger deshalb rechnen. An der langfristigen Rendite-Chance hat sich jedoch wenig geändert. Wer auf den Durchbruch wetten will, hat die Qual der Wahl.


Ballard Power

An Ballard Power führt für Anleger beim Thema Wasserstoff kein Weg vorbei. Die Kanadier sind in Sachen Brennstoffzelle der Weltmarktführer und seit Jahrzehnten im Geschäft. Entsprechend hat man gewisse Vorsprünge bei Technologie und Markterschließung auf seiner Seite. Besonders die zwei Kooperationen mit den chinesischen Firmen Weichai Power und Broad Ocean Motor beginnen sich immer mehr auszuzahlen. Zwei Werke hat Ballard Power gemeinsamen mit den beiden Partnern bereits in China in Betrieb. Weitere sind in Planung. Rund 2.200 LKWs und noch einmal zirka 700 Busse fahren bereits mit einer Brennstoffzelle von Ballard Power durch die Volksrepublik. Die Aktie hat innerhalb von zehn Jahren ein Kursplus von über 800 Prozent erzielt, ist damit aber inzwischen extrem hoch bewertet. Vor allem angesichts der Tatsache, dass es in den vergangenen Jahren gar nicht so rund für Ballard Power lief. Auf Dreijahressicht steht ein Umsatzminus von im Schnitt zwei Prozent zu Buche. 2019 allerdings fing sich das Unternehmen wieder und im Zuge des allgemeinen Trends geht es seither bergauf.

Gewinne bleiben allerdings Fehlanzeige. Lynxbroker-Experte Wendelin Probst rät daher aktuell zum Verkauf: „Auch wenn Ballard Power aufgrund der marktführenden Position unser langfristiger Favorit unter den Brennstoffzellen-Unternehmen ist, befindet sich die Aktie eindeutig in der überhitzten Phase einer Blasenbildung, das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei enormen 40.“ Vielleicht gilt es also die nächste Einstiegschance noch abzuwarten, alles in allem jedenfalls scheint Ballard Power mit seiner Vorreiterrolle im Bereich LKW und Busse in einem sehr guten Marktumfeld unterwegs.

Nel ASA

Ein weiterer Name, der im Rahmen des Wasserstoff-Hypes regelmäßig fällt ist Nel ASA. Die Norweger sind in der Wasserstoff-Herstellung, dessen Speicherung und Verteilung aktiv. Nel ist der größte Elektrolyse-Produzent der Welt und Marktführer bei Wasserstoff-Tankstellen. Mit dem „RotoLyzer“ hat man dazu ein besonders aussichtsreiches Produkt in der Pipeline. Es handelt sich dabei um ein mobiles System zur Herstellung von Wasserstoff, das via LKW transportiert werden kann. Eine Innovation mit Game-Changer-Potenzial. Die Wachstumsstory ist damit intakt, die gegenwärtigen Zahlen allerdings lassen Wünsche offen.

Im dritten Quartal 2020 erzielte der Konzern mit Sitz in Oslo  rund ein Prozent weniger Umsatz als im Jahr zuvor. Das operative Ergebnis lag bei minus 42,1 Millionen Norwegischen Kronen. Die Pandemie belastete auch die Geschäfte der Norweger. Angesichts des auch bei der Nel-Aktie stark gestiegenen Kurses ein Warnsignal für Anleger. In fünf Jahren hat die Aktie über 500 Prozent an Wert zugelegt. Jon André Lokke, CEO von Nel, gibt sich allerdings sehr optimistisch:  „Die Märkte, in denen wir tätig sind, zeigen weiterhin eine hohe Aktivität und eine starke Wachstumsdynamik sowie ein erhebliches Interesse der Regierung an der Entwicklung der Infrastruktur für grüne Energie und der Industrie.“

Power Cell Sweden


Und noch einmal Power aus Skandinavien. PowerCell ist in Hinblick auf seinen Umsatz  kleiner als Nel oder Ballad Power und damit wohl noch ein Stück spekulativer. Die Schweden bauen Brennstoffzellensysteme für PKW, genauso wie für die Schifffahrt oder schlicht die Stromerzeugung. Dabei sind sie unter anderem auch in China aktiv. Dort konnte man bereits einige Brennstoffzellen erfolgreich an den Kunden bringen. Hinzu kommen starke Partner und Kooperationen. PowerCell arbeitet beispielsweise mit Bosch hinsichtlich des Brennstoffzellenvertriebs für die Autoindustrie zusammen. Die Deutschen wiederum sind mit einem Anteil von 11 Prozent Großaktionär. Anleger jubelten das Papier innerhalb von drei Jahr um über 600 Prozent in die Höhe. Dabei macht auch Power Cell nach wie vor Verlust und vergleichsweise wenig Umsatz. 2019 beliefen sich die Einnahmen auf umgerechnet 6,5 Millionen Euro. Langfristig ergeben sich eine Menge Chancen, auf mittlere Sicht bleibt das Papier wohl sehr spekulativ.

Linde & Air Liquide

Gern werden die beiden größten Industriegase-Hersteller der Welt vergessen, wenn es um Wasserstoff und Brennstoffzelle geht. Dabei stellen die beiden Großkonzerne aus Deutschland und Frankreich das Gas ja bereits in großen Mengen her, haben dazu weltweit Produktionsstätten und natürlich eine ganz andere Kapitalausstattung als die genannten Highflyer. Allein Linde betreibt weltweit mehr als 80 Wasserstofffabriken. Die Aktien der beiden Konzerne haben in den vergangenen Jahren stark performt. Bei weitem nicht so stark Ballad Power und Co., dafür aber eben auch mit deutlich weniger Schwankungen und ansehnlichen Dividendenauszahlungen. Die Pandemie stellt Linde und Air Liquide vor Herausforderungen, in der Chemie-Branche zählen sie aber weiter zu den aussichtsreichsten Werten. Rücksetzer könnten Anleger zum Einstieg nutzen. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt beide Aktien zum Kauf. Das Wachstum der Wasserstoffnachfrage biete im Zuge zunehmender Umweltbemühungen langfristig reichlich Potenzial für Gasekonzerne, schrieb Berenberg-Analyst Anthony Manning in einer Studie. Wer auf den Wasserstoff-Trend setzen will, ohne zu sehr ins Risiko zu gehen, für den könnten die beiden eher defensiven Aktien eine Alternative sein.

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09.11.2020 | 13:58

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