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Weltgrößter Corona-Profiteur – Drei Gründe, die jetzt für die Amazon-Aktie sprechen

Bei Amazon lässt das Coronavirus die Bänder heiß laufen. (Foto: Shutterstock)



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Während Geschäfte schließen und Quarantänen eingerichtet werden, wächst der Online-Handel sprunghaft. Das Cloud- und Streaminggeschäft ebenso. Besonders Amazon spielt das in die Karten. Der Konzern fürchtet nur noch die Kartellbehörden.

Nicht nur Deutschland erleidet die tiefste Rezession seiner Geschichte. Die ganze Weltwirtschaft schlittert in die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Vom Italiener um die Ecke bis zum McDonalds-Konzern, von der Autowerkstatt in der Nachbarstraße bis zu Daimler, vom kleinen Reisebüro bis zur Lufthansa – Corona ist für alle Unternehmen ein Desaster. Wirklich für alle? Für
manche gilt das nicht. Von der Telekom bis zum Versicherer kommen manche ganz gut durch die Krise. Einige wenige können von der Situation sogar profitieren und dem allgemeinen Abwärtstrend trotzen. Spezialisierte Medizinausrüster, Pharmaunternehmen, Streamingdienstleister. Der größte Profiteur aber ist Amazon.

Dabei lief es schon vor der Coroankrise blendend beim Handelskonzern. 280 Milliarden Dollar hat Amazon 2019 weltweit umgesetzt. Das bedeutet eine Steigerung von 20 Prozent in einem Jahr, 58 Prozent in zwei Jahren, 218 Prozent in fünf Jahren und über 700 Prozent Steigerung in nur neun Jahren. Während Amazon 2015 noch einen Verlust von 241 Millionen machte, steht 2019 ein Gewinn von über 11 Milliarden Dollar in den Büchern. Wachstumstreiber sind neben dem klassischen Online Versandgeschäft vor allem das Cloud-Geschäft. Schon über 20 Prozent des Konzerngewinns fallen auf diese Sparte – Tendenz steigend. Obwohl Microsoft und Google auch kräftig investieren bleibt Amazon mit 48 Prozent Marktanteil klarer Marktführer auf diesem wichtigen Zukunftsmarkt. Auch der „Prime Service“, der schnellere Lieferung und Zugang zu Filmen und Serien verschafft, meldete zum Ende letzten Jahres die höchste Steigerung der Neukundenzahlen und hat jetzt über 150 Millionen zahlende Kunden. Es scheint derzeit so, als könnte Amazon nichts aufhalten. Nicht einmal ein Virus, der die Weltwirtschaft lähmt. Im Gegenteil.

Amazon profitiert aus drei Gründen:

Erstens: Überall schließen die Geschäfte, deswegen ist von einem weltweiten Boom des Online Handels auszugehen. Und davon profitiert insbesondere Amazon, weil das Unternehmen große Teile des Online-Handels kontrolliert. Jeder zweite Euro, der in Deutschland im Internet ausgegeben wird, geht über Amazon.

Zweitens: Auch das Cloud Geschäft profitiert. Nie zuvor sind so viele Menschen weltweit im Home Office und auf die Cloud angewiesen. In solchen Krisenzeiten könnte die Nutzung der Cloud binnen weniger Wochen Entwicklungssprünge vollziehen, die normalerweise Jahre bräuchten. Marktführer Amazon könnte zum Hauptprofiteur werden.

Drittens: Eine ganze Gesellschaft ist derzeit in den eigenen vier Wänden, mit viel Zeit und
häufig auch Langeweile. Der perfekte Nährboden für Filmstreaming-Angebote wie Amazon Prime. So ist es kein Wunder, dass Amazon just in all die Horrornachrichten von Kurzarbeit und drohenden Entlassungswellen hinein ankündigte, 100.000 neue Arbeitskräfte einzustellen. Man wolle die gestiegene Coronanachfrage bedienen, bestätigte ein Sprecher. Das alles klingt so als würde die Erfolgsgeschichte Amazons beschleunigt weitergehen.

Doch so einfach ist es nicht, denn Amazon hat ein großes Problem. Im Juli 2019 hat das US-Justizministerium offiziell kartellrechtliche Untersuchung eingeleitet an dessen Ende sogar die Zerschlagung des Unternehmens droht. Der Vorwurf: Amazon ist ein Monopolist, unterdrückt somit den Wettbewerb und verschafft sich dadurch politische Macht. Angesichts der Marktbeherrschung im Online-Handel ist dieser Vorwurf auch nicht von der Hand zu weisen. Dass Amazon-Gründer Jeff Bezos zusätzlich mit der Washington Post eine linksliberale und Trump-kritische Zeitung gehört, befeuert die Gerüchte der politischen Einmischung und stärkt das Verhältnis zur US
Regierung nicht gerade.

Schon zweimal in der Geschichte mündete ein solches Verfahren in der zwangsweisen Auflösung des Monopols. Dass sich das wiederholt, halten Experten zum jetzigen Zeitpunkt für eher unwahrscheinlich.  Wahrscheinlich dagegen ist, dass Amazon anderen Marktteilnehmern besseren Zugang gewähren muss. Wie genau das aussehen soll, weiß noch niemand, schaden würde es Amazon aber in jedem Fall. Auch die Europäische Kommission hat eine „Untersuchung möglicher wettbewerbswidriger Verhaltensweisen von Amazon“ eingeleitet. Auch in diesen Entwicklungen hat Amazon ein strategisches Problem: Sein schlechtes Image. Viele verbinden mit Amazon miserable Arbeitsbedingungen und eine unzureichende Bezahlung seiner Mitarbeiter. Auch wenn der Konzern mittlerweile mit vielen Millionen versucht sein Image aufzubessern, die Fehler der Vergangenheit und das Bild der Menschen lässt sich nicht schnell verändern. Was wiederum dazu führt, dass sich auch viele Politiker als Gegner von Amazon profilieren wollen. Eine starke Markenglaubwürdigkeit, wie man es zum Beispiel bei Apple sehen kann, hat Amazon eher nicht. Das operative Geschäft scheint es derzeit kaum zu behindern, langfristig könnte das aber zum Problem werden.  

Fazit

Amazon kennt seit vielen Jahren nur eine Richtung: bergauf. Selbst Corona sollte den Konzern nicht aufhalten. Im Gegenteil. Amazon könnte der größte Profiteur der Krise werden und zum größten Digitalkonzern der Welt aufsteigen. In Seattle könnte man also sorgenfrei in die Zukunft blicken, wenn da nicht das Kartellverfahren wie ein Elefant im Raum stünde.                          

VAL

23.03.2020 | 15:37

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