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Metro – dank Media Markt und Saturn auf dem Sprung?

Rote Linien, Blaue Linie, Schwarze Linien- all das ist auf diesem Bild, das den Aktienchart von der Düsseldorfer Handelskette Metro zeigt, zu sehen.

Luft nach oben? Der Chart der Metro-Aktie. (Bild: tradesignalonline)

Der Chef von Metro, Olaf Koch, redet auf einer Hauptversammlung zu den Aktionären der Metro AG.

Metro-Chef Olaf Koch hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft und steigende Kurse. (Bild: Handelsblatt/dpa)

Gute Laune vor dem Fest? Die Media Märkte, die zur Metro gehören, erhoffen kauffreudige Kundschaft. (Bild: Metro)


Jetzt gilts! Das Weihnachtsgeschäft rund um Lebensmitteln, Unterhaltungselektronik, Kosmetik, Parfums und Spielzeug spielt für das Düsseldorfer Handelsunternehmen Metro rund um die Marken Media Markt, Real und Saturn eine immens große Rolle. Aktionäre hoffen auf starke Absatzzahlen und steigende Aktien. Gelingt dem Papier der Ausbruch aus der Lethargie?

Seit dem Aufwärtsgap von Ende März hat sich bei der Metro-Aktie nicht mehr viel getan. Aber genau in dieser Bewegungsarmut liegt der Charme der aktuellen Konstellation! Zum einen hat die seinerzeit gerissene Kurslücke mit ihrer unteren Gapkante auf Tagesbasis bei 25 Euro nach wie vor Bestand, zum anderen haben sich die Bollinger-Bänder sehr stark zusammengezogen. In der Vergangenheit diente diese Konstellation, welche zu unseren Lieblingschartmustern gehört, oftmals als Vorbote eines neuen Trendimpulses. Nach oben dürfte sich dieser entladen, wenn der Kumulationspunkt bei gut 28 Euro nachhaltig überwunden wird.

Auf diesem Niveau bildet die 200-Wochen-Linie, aktuell bei 28,14 Euro, zusammen mit dem seit April 2015 bestehenden Korrekturtrend, der bei 28,36 Euro liegt, sowie dem oberen Bollinger-Band bei 28,86 Euro ein wichtiges Barrierenbündel. Gelingt der Befreiungsschlag, winkt im ersten Schritt ein Anlauf auf die Jahreshochs bei rund 30 EUR. Perspektivisch halten wir dann sogar ein Wiedersehen mit dem Hoch vom April vergangenen Jahres bei 34,81 EUR für möglich. Auf der Unterseite dienen neben dem genannten Gap und dem Jahrestief 2016, das bei 21,58 Euro liegt, vor allem die Tiefs von 2012 und 2013 bei rund 20 Euro als wichtige Haltemarken.

Die Ratingagentur Fitch hat ihr langfristiges Emittentenausfallrating (IDR) für den Handelskonzern Metro derweil bei BBB- bestätigt. Der Ausblick ist damit für die Ratingagentur negativ. Dieses Rating werde weiterhin von der Größe des Konzerns und seiner geschäftlichen und geographischen Diversifikation untermauert. Ein inzwischen abgeschlossenes Verkaufsprogramm habe dem Unternehmen zwar genügend Liquidität verschafft, um die anstehenden Investitionen in das Geschäftsmodell zu finanzieren. Allerdings stecke Metro noch mitten im Turnaround. Die Töchter Saturn und Media Markt, die dank des Booms der Unterhaltungselektronik und der Mobiltelefonie solide Zahlen aufweisen, werden nicht eigens benannt, wohl aber zwei andere Konzerntöchter.

„Einmal hin. Alles drin.“

Das größte Metro-Sorgenkind ist Metro. Hier wird sogar über eine Ausgliederung, eventuell zusammen mit dem zweiten Konzernpatienten, Cash & Carry, spekuliert. Bevor dieser Schritt nicht erfolgt ist, möchte Fitch kein neues Rating für die Metro nicht fortführen. Das ist deutlich. Bislang präsentiert sich Real in der Werbung vor allem als idealer Platz zum Einkaufszettel-Abhaken. Der Erfolg bei den Kunden blieb jedoch eher bescheiden. Die Kette schrumpft seit Jahren. Doch jetzt plant der neue Real-Chef Patrick Müller-Sarmiento einen Befreiungsschlag. Eine mit Millionenaufwand errichtete neue Filiale in Krefeld, die als Blaupause für den Umbau der ganzen Kette dienen soll, lockt die Kunden nicht nur mit endlosen Regalen, sondern mit Gastronomie-Angeboten und Wohlfühl-Ambiente. „Man kann einkaufen, schlendern, sich unterhalten. Wir haben den Marktplatz wiederbelebt“, wirbt Müller-Sarmiento. Er will den Einkauf zum Erlebnis machen.

Das neue Konzept sei „wahrscheinlich die letzte Chance für das Unternehmen“, meint deshalb der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Doch der Schritt ist nicht ohne Risiko. „Es ist sehr die Frage, ob ein solcher Spagat funktionieren kann, unter einem Dach alles von Dosenravioli für 1,19 Euro bis zum weißen Trüffel für 4000 Euro das Kilogramm anzubieten.“ Und noch ein Punkt macht ihm Sorgen: „Das ist ein tolles Projekt, aber es löst das Problem von Real nicht. Die ganze Kette werden sie nicht auf dieses Niveau bringen.“ Es sei ein großer Unterschied, ob man einen Pilotladen hinstelle oder ob man ein ganzes Unternehmen verändern wolle. In den nächsten eineinhalb Jahren will die Metro bis zu 500 Stellen in der Verwaltung von Real abbauen. Gleichzeitig soll das Personal im Vertrieb aufgestockt und das neue Filialkonzept regional breiter aufgestellt und so ausprobiert werden.

Mit Spannung blicken die Anleger auf den 14. Dezember. An diesem Tag wird Metro vorraussichtlich den Jahresbericht vorlegen. Danach könnte charttechnisch einiges in Bewegung kommen. 

WIM / sig / HSBC

07.12.2016 | 13:22

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