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Snap: Es riecht nach Comeback

Einst an der Börse gestartet, um Facebooks Instagram im Social-Media-Markt den Rang abzulaufen, verschwand das Vertrauen der Aktionäre in die Foto-App Snapchat schneller als die Bilder der User auf der Plattform. Doch nach knapp zwei Jahren der Enttäuschung läutet Snap endlich die Trendwende ein: Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn schon verdoppelt.

BÖRSE am Sonntag

Einst an der Börse gestartet, um Facebooks Instagram im Social-Media-Markt den Rang abzulaufen, verschwand das Vertrauen der Aktionäre in die Foto-App Snapchat schneller als die Bilder der User auf der Plattform. Doch nach knapp zwei Jahren der Enttäuschung läutet Snap endlich die Trendwende ein: Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn schon verdoppelt. 


Snapchat ist wieder „in“! Das suggeriert zumindest die Zahl der täglich aktiven Nutzer, die im ersten Quartal dieses Jahres um vier Millionen auf 190 Millionen stieg. Damit ist es der Foto-App erstmals nach drei Quartalen wieder gelungen, Zuwächse bei den Usern zu verzeichnen. Aktuell liegt Snap mit rund 30 Prozent mehr täglichen Nutzern deutlich vor Konkurrent Twitter, Instagram ist mit rund 500 Millionen aber klar enteilt. In den USA soll Snapchat nach Unternehmensangaben inzwischen satte 90 Prozent der Menschen zwischen 13 und 24 Jahren erreichen, während diese Zahl bei den 13- bis 34-Jährigen bei 75 Prozent liegen soll. Offenbar trifft Snapchat nach etlichen Umgestaltungen der App – unter anderem wurden die monatelang andauernden Probleme der Version für das am häufigsten verwendete Smartphone-System Android behoben – mit dem neuesten Angebot nun also erneut den Nerv der Zeit. Inzwischen setzt Snap nicht mehr nur auf Fotos, die von selbst verschwindenden, sondern entwickelt sich zu einer Plattform für Medieninhalte weiter. Zudem lockt das Unternehmen seine Nutzer mit Kurz-Serien an, die über Snap gestreamt werden.

Snap liefert starke Zahlen

Überzeugen kann das US-Unternehmen auch beim Blick auf die Geschäftszahlen. Besonders aufgrund deutlich gestiegener Werbeeinnahmen kletterte der Umsatz von Snap im Jahresvergleich um fast 40 Prozent auf 320 Millionen US-Dollar. Ein überraschend starkes Ergebnis – waren doch viele Analysten von Erlösen in Höhe von 306 Millionen US-Dollar ausgegangen. Damit knüpft Snap an seine jüngste Erfolgsstory an: Zuletzt war der Jahresumsatz um 43 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar gestiegen. Allerdings steckt das 2011 gegründete Social-Media-Unternehmen mit einem Verlust von 310 Millionen US-Dollar weiterhin in den roten Zahlen, wenngleich dieser um 20 Prozent gesenkt werden konnte. Unterm Strich resümiert Snap-Chef Evan Spiegel: „Im ersten Quartal haben wir starke Ergebnisse geliefert.“ Doch damit nicht genug. Der 28-jährige will künftig weiter investieren und wachsen. Dabei setzt er besonders auf eine zunehmende Personalisierung der Inhalte und den Ausbau des Geschäfts mit E-Commerce. Für das zweite Quartal erwartet Spiegel Werbeeinkünfte in Höhe von 335 bis 360 Millionen US-Dollar. Insgesamt könnten die Werbeeinnahmen laut Snap-Prognosen für das gesamte Jahr 2019 um 30 Prozent auf 1,36 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, während sich der Markanteil im digitalen Werbemarkt auf 0,4 Prozent beziffern könnte. Zudem gehen eMarketer davon aus, dass die Zahl der Snap-Nutzer weiter konstant steigen dürfte.

Wie geht es mit der Aktie weiter? Experten sind sich uneins.

Erfreuen dürften diese Aussichten vor allem die Anleger, die von Snapchat bislang bitter enttäuscht worden waren. Nach der Ausgabe der Aktie im März 2017 zu 17 US-Dollar stieg das Papier in den darauffolgenden Tagen um satte 60 Prozent auf bis zu 27 US-Dollar. Doch schon wenige Wochen darauf begann der jähe Abstieg, der zur Folge hatte, dass die Snap-Aktie bereits im Sommer 2017 unter den Ausgabepreis fiel. Ende 2018 kostete das Papier gar nur noch 4,99 US-Dollar. Inzwischen aber scheint nach zahlreichen Negativnachrichten über schwindende Nutzerzahlen sowie Verluste nun aber die Trendwende eingeleitet zu sein, und die Snap-Aktie hat sich seit Jahresbeginn etwa verdoppelt – und kostet rund 10 US-Dollar. Von den 17 Analystenbewertungen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Snapchat auseinandergesetzt haben, empfehlen drei den Kauf der Aktie, vier ihren Verkauf und die restlichen zehn raten dazu, das Papier im Portfolio zu behalten. Die Experten sind sich demnach uneins, ob die Snap-Trendwende stark genug ist, um ins Papier zu investieren. Das Unternehmen hat in den letzten zwei Jahren viel Vertrauen an der Börse verspielt, wird nun von vielen Anlegern besonders kritisch beäugt. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind gemacht, doch bis Snap nicht nur bei den 13- bis 24-Jährigen ein Renner ist, muss das Unternehmen künftig noch einiges an guten Nachrichten aufs Börsenparkett liefern. Man darf gespannt sein. Wim Weimer