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Trumps Steuerpläne – und die Folgen für US-Unternehmen

Ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Wie werden sich Trumps Steuerpläne auswirken? (Bild: Twitter)


Bei allen Versprechen, Ankündigungen und Plänen, die der neue US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten verlautbaren ließ, schien ein Thema für ihn immer höchste Priorität zu genießen: eine Reform der Unternehmensteuer. Im Mittelpunkt stand dabei von Anfang an die Entlastung von Unternehmen, die in den USA produzieren – getreu seinem Wahlkampfmotto: „America first“.

Von Ulrich Stephan

Dem US-Aktienmarkt verschaffte unter anderem diese Aussicht auf eine geringere Besteuerung der Gewinne von US-Unternehmen in den vergangenen Monaten einen Schub. Dabei sind die Pläne für eine Steuerreform bis heute eben dies geblieben – Pläne. Einen klar definierten Vorschlag hat Trump nach wie vor nicht vorgelegt. Dieser wäre jedoch notwendig, um die tatsächlichen Vorteile für die Unternehmen konkret beziffern zu können. Bis dahin lassen sich zumindest die grundsätzlichen Stoßrichtungen der Reformvorhaben analysieren – und ihre möglichen Auswirkungen auf Unternehmen in den USA.

Im Kern von Trumps Steuerplänen steht die Absenkung des US-Unternehmenssteuersatzes. Derzeit werden in den USA die Gewinne von Unternehmen mit einem Satz von 35 Prozent besteuert – eine hohe Belastung im internationalen Vergleich. In den 35 Mitgliedsländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) liegt der Satz im Schnitt bei nur 25 Prozent. Schon während seines Wahlkampfs hatte Trump daher angekündigt, die Steuer auf 15 Prozent senken zu wollen. Zwar hält die Deutsche Bank eine Absenkung für durchaus möglich, rechnet jedoch eher mit einem Steuersatz von 25 Prozent. Doch auch dann könnten die positiven Auswirkungen auf die Erträge von US-Unternehmen erheblich sein: Nach Einschätzung der Deutschen Bank wäre alleine durch diesen Effekt bei einem unveränderten wirtschaftlichen und politischen Umfeld eine Steigerung der durchschnittlichen Gewinne pro Aktie von rund acht Prozent jährlich realistisch.

Ein nicht minder wichtiger Punkt bei Trumps Reformbestrebungen ist die Anpassung der sogenannten Border Tax – also der Besteuerung von Im- und Exporten. Dabei würden US-Unternehmen auf ihre Gewinne aus Exportgeschäften nur noch eine reduzierte oder unter Umständen gar keine Steuerlast mehr tragen müssen. Im Gegenzug wären die Kosten der Importgüter der Unternehmen nicht mehr steuerlich absetzbar. Im Klartext würde dies bedeuten: Was in den USA produziert wird – und im besten Falle dort Arbeitsplätze schafft –, wird entlastet, was aus dem Ausland kommt, wird schlechter gestellt. Ob das Kalkül Donald Trumps aufgeht, durch neue Importbeschränkungen arbeitsintensive Industrien in den USA zu halten beziehungsweise sie in die USA zurückzuholen, bleibt abzuwarten.

Ferner ist fraglich, welchen Umfang die „Border Adjustment Tax“ überhaupt haben soll: Wird sie sich beispielsweise auf bestimmte Handelspartner (Länder, Regimes) beschränken? Oder soll sie nur für einzelne Branchen gelten? Bevor diese grundsätzlichen Fragen nicht geklärt sind, lässt sich kaum eine seriöse Ableitung auf Unternehmensebene treffen. Sicher ist: Sollte ein entsprechendes Gesetz tatsächlich kommen, könnten die Auswirkungen erheblich sein. Je nach Region und Branche jedoch möglicherweise zum Teil sehr unterschiedlich. Die erwarteten Steuererleichterungen bergen also auch Risiken. Insgesamt könnten die USA im laufenden Jahr jedoch eine der interessanteren Regionen für Aktienanleger mit entsprechender Risikobereitschaft darstellen. Bereits in der jüngsten Berichtssaison zeigte sich, dass die Gewinnrezession in den USA ein Ende gefunden haben dürfte und die Erträge der Unternehmen wieder anziehen – Trumps Steuerpläne könnten diese Entwicklung zusätzlich unterstützen.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

10.02.2017 | 11:19

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