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BASF: Gibt der Dea-Deal der Aktie neuen Schub?

(Bild: BASF)


Der deutsche Chemie-Riese BASF legt seine Öl- und Gastochter Wintershall mit Dea zusammen. Auf kurz oder lang könnte ein Börsengang folgen. Mit dem milliardenschweren Deal stellen die Ludwigshafener die Weichen für eine weitere Spezialisierung des Konzerns. Die Entscheidung könnte den Aktienkurs weiter antreiben.

Über eine Fusion der beiden Öl- und Gasunternehmen wurde schon länger spekuliert, nun wird sie wohl Realität. Wie das BASF-Management am Donnerstag bekannt gab, habe man dazu bereits eine Absichtserklärung  unterzeichnet. An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen würde die BASF wohl zwei Drittel der Anteile halten. Der Rest bleibt in den Händen von Letter One, der Investment-Gesellschaft des russischen Milliardärs Michail Fridman, zu der Dea seit 2015 gehört.

Insgesamt dürfte der Konzern auf einen Jahresumsatz von zirka 4,3 Milliarden Euro kommen und 3.200 Mitarbeiter beschäftigen. Der Marktwert des Unternehmens läge Analystenschätzungen zufolge wohl bei 14 Milliarden Euro. Den operativen Vorsitz soll nach Informationen des Handelsblatts der derzeitige Wintershall-Chef Mario Mehren erhalten. Mit der möglichen Fusion setze man auf weiteres profitables Wachstum und Synergien, sagte dieser und fügte an: „Mit technischem Know-How, deutschen Qualitätsstandards und intelligenten Projektlösungen würden wir gemeinsam Öl und Gas für die Zukunft fördern.“ In der Tat könnten sich beide Unternehmen gut ergänzen. In Norwegen beispielsweise würde man gemeinsam zum viertgrößten Öl- und Gasförderer aufsteigen. Auch im restlichen Europa und in Nordafrika könnten sich Synergien ergeben.

Für BASF würde die Fusion einen deutlichen Schritt in Richtung Ausstieg aus dem Öl- und Gasgeschäft bedeuten. Durch einen nicht unwahrscheinlichen Börsengang könnte man die Sparte auf kurz oder lang ganz ausgliedern. Auch könnten zu einem späteren Zeitpunkt Schwergewichte der Branche wie beispielsweise der österreichische OMV-Konzern Gefallen an Wintershall-Dea finden, da die beiden Unternehmen gemeinsam unter anderem auf ein großes Erdgasportfolio blicken können.

Während Wintershall in früheren Zeiten regelmäßig für ein Fünftel des operativen Konzernergebnisses der BASF verantwortlich war, hat man in den ersten neun Monaten 2017 bisher nur noch acht Prozent zu eben jenem beitragen können. Bereits seit 2015 ist nicht zuletzt aufgrund der gefallenen Ölpreise eine Negativentwicklung zu erkennen. Zwanzig Prozent der Wintershall-Reserven liegen zudem im vom Bürgerkrieg geplagten Libyen. Und auch zunehmend strengere Umweltauflagen erschweren das Geschäft. Alles in allem erscheint die Sparte also nicht mehr als besonders attraktiv, weil mit hohen Abhängigkeiten und Unwägbarkeiten verbunden.

Für die BASF könnte die Fusion mit anschließendem IPO also der richtige Schritt zur richtigen Zeit sein. Der Konzern könnte sich so stärker auf den Chemie- und Pflanzenschutzbereich konzentrieren, analysiert Peter Spengler von der DZ-Bank. Und das wiederum könnte nicht zuletzt auch positive Auswirkungen auf den Aktienkurs des Chemie-Schwergewichts haben. Die Konzernergebnisse wären so weniger abhängig von den volatilen Öl- und Gaspreisen und von Ländern wie Libyen oder Russland. Die Aktienkurse dürften in  der Folge weniger schwanken, glaubt Spengler. Ein IPO könnte weiterhin Geld in die Kassen spülen, welches man dann wiederum verstärkt in attraktive Wachstumsmärkte investieren könnte. Auch einen Schuldenabbau oder eine Sonderdividende hält Experte Spengler für möglich.

Derzeit ist eine BASF-Aktie knapp 94 Euro wert. Damit bewegt sich der Kurs nahe seines Rekordhochs von 97,40 Euro, das erst Anfang November markiert wurde. Nach einem stärkeren Einbruch in der ersten Jahreshälfte, konnte sich das Papier seit Mitte August stark erholen und legte bis heute um 17 Prozent zu. Potenzial für einen weiteren Kurssprung scheint gegeben. Die Prognosen für die europäische Chemiebranche seien super, schrieb Deutsche Bank-Analyst Tim Jonas und spricht von einem „langfristigen Aufwärtszyklus“ dem die Branche ausgesetzt sei. Andere Experten, wie Andrew Stott von der Schweizer Bank UBS sehen den Sektor allerding schon kritischer: Er habe sein Anlageurteil für BASF gesenkt, nicht zuletzt da die Aktie inzwischen nahe ihrem fairen Wert gehandelt werde, so Stott. Ob die Wintershall-Dea Ankündigungen der Aktie entscheidenden Auftrieb geben können, bleibt daher abzuwarten. OG

08.12.2017 | 11:23

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