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Wie nachhaltig ist der jüngste Gold-Anstieg?

(Bild: Degussa)


Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gaben der Erholung des Edelmetalls neue Kraft. Die von Kim Jong Uns Regime über Japan hinweggeschossene Rakete wurde vom japanischen Premierminister Shinzo Abe als beispiellose Drohung bezeichnet. Dies führte zu einem merklichen Ausverkauf an den Aktienmärkten und eine neue Flucht in Gold.

Von Alberto De Casa

In diesem Szenario der militärischen und terroristischen Bedrohung durchbrach der Preis des Edelmetalls den wichtigen Widerstand bei 1.300 US-Dollar pro Unze und erholte sich bis auf ein Neunmonats-Hoch bei 1.325 US-Dollar, bevor er wieder auf 1.310 US-Dollar zurückfiel. Die Terrorattacke von Barcelona und die Situation in Nordkorea sind dabei nur zwei der vielen aktuellen Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen. Den Investoren bereiten außerdem vor allem die Schwierigkeiten Sorgen, die von der Trump-Regierung ausgehen und die Schonzeit des neuen US-Präsidenten scheint zu einem Ende zu gelangen. Schließlich haben die Anleger während der ersten neun Monate der Trump-Regierung keine erkennbaren Resultate gesehen und das weitläufige Reformprogramm scheint in immer weitere Ferne zu rücken – wie man auch klar anhand der vergeblichen Versuche, Obamacare zu revidieren, gesehen hat.

Die Entscheidung der Federal Reserve (Fed) hinsichtlich einer weiteren Zinsanhebung könnte innerhalb dieses Szenarios auch verschoben werden: Laut einer aktuellen Umfrage von Reuters zweifeln 50 Prozent der Marktakteure an Janet Yellens Aussagen zu einer erneuten Zinsanhebung noch in diesem Jahr. Folglich scheint der gesamte Plan der Fed (drei weitere Anhebungen 2018 und 2019) in Gefahr. In diesen Kontext kann auch die Erholung von Gold gerückt werden: Die umgekehrte Abhängigkeit zwischen der Entwicklung von US-Zinsen und Gold ist wohlbekannt. Sollte Yellen die Zinsanhebung verschieben, stellt dies für Gold – das Anlegern traditionellerweise als sicherer Hafen gilt – ein günstiges Szenario dar, da die Entscheidung der US-Notenbank sowohl Einfluss auf die US-amerikanische Wirtschaft und die Stabilität der Trump-Regierung als auch auf die eigene Reformfähigkeit hat.

Es ist zudem wichtig, Asien im Auge zu behalten, wo 2016 die physische Nachfrage nach Gold  in China und Indien stark abgefallen war. Der Ausblick sieht vor allem für Indien positiv aus – dort wird es viele Möglichkeiten einer Nachfrageerholung geben, sobald die Steuerreformen von Indiens Premier Narendra Modi vom Markt absorbiert worden sind. In diesem Fall ist es möglich, dass die Nachfrage nach indischem Schmuck 2018 wieder auf mehr als 800 Tonnen im Jahr ansteigt.

Carlo Alberto De Casa ist Chef-Analyst bei ActivTrades.

03.09.2017 | 12:39

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