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Bayer und Monsanto – alles oder nichts

Ein Kreuz ist es mit der Bayer-Aktie derzeit für Anleger.... (Bild: Bayer AG)


Die EU sagt Ja zu Bayer und Monsanto. Damit rückt die Megafusion einen großen Schritt näher. Bayers Vorstandsvorsitzender Werner Baumann feiert die Genehmigung als großen Erfolg. Dabei beginnt erst jetzt das große Zittern. Nicht nur, weil auch das US-Justizministerium noch zustimmen muss, sondern vor allem, da Bayer aus Wettbewerbsgründen einen hohen Preis für den Deal zahlen muss.

Von Oliver Götz

Gefühlt seit Ewigkeiten beherrscht der geplante Zusammenschluss von Bayer und Monsanto nun schon die Schlagzeilen. Die Fusion des deutschen Pharma-Schwergewichts mit dem US-Saatgutriesen erhitzt stark wie selten politisches und gesellschaftliches Gemüt. Und mit Blick auf den fairen Wettbewerb auch die Kartellbehörden. Nach wie vor regt sich in der Landwirtschaft wie auch in vielen NGOs Widerstand aus Sorge vor höheren Preisen durch höhere Marktmacht. Nach dem ursprünglichen Plan hätte die Übernahme eigentlich bis zum Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen sein sollen, nun dürfte sie wohl frühestens im zweiten Quartal 2018 Wirklichkeit werden. Nicht ausgeschlossen, dass es sogar noch länger dauert.

Ja, der Deal zwischen Bayer und Monsanto ist gefühlt zur unendlichen Geschichte geworden. Kein Wunder, dass sich Bayer-Chef Werner Baumann sichtbar freute, als zum Wochenbeginn immerhin die EU-Wettbewerbshüter endliches grünes Licht gaben. „Die Genehmigung der Europäischen Kommission ist ein großer Erfolg und ein bedeutender Meilenstein“, so Baumann. Doch wie groß ist dieser Erfolg wirklich? Hat der Deal wirklich das Zeug, um für die Leverkusener langfristig zur Erfolgsgeschichte zu werden?

Zunächst einmal muss noch das US-Justizministerium zustimmen. Bislang sträubt man sich dort verhältnismäßig lange, hatte kürzlich sogar Bedenken angemeldet. Gut möglich, dass der Zusammenschluss zwar bald durchgewinkt wird, aber nur in Verbindung mit hohen Auflagen.
Und von denen hat man nun bereits von Seiten der EU genügend aufgebrummt bekommen. In einigen Segmenten, in denen die Leverkusener durch den Zukauf von Monsanto eine zu starke Marktposition eingenommen hätten, muss sich Bayer von Teilen des Geschäfts trennen, die in der Folge wohl größtenteils nach Ludwigshafen wandern. So hat BASF für 5,9 Milliarden Euro bereits den Zuschlag für Bayers Feldsaatgut-Sparte und den Unkraut-Vernichter Liberty erhalten. Zudem sollen nun auch das Geschäft mit Gemüsesaatgut, drei Forschungsvorhaben im Bereich hochentwickelter Unkraut-Vernichter und eine Plattform-Lizenz zur digitalen Steuerung landwirtschaftlicher Prozesse an das größte Chemieunternehmen der Welt gehen. Von Monsanto soll noch ein Mittel zu Bekämpfung von Bodenschädlingen seinen Weg nach Baden-Württemberg finden.

Insgesamt gibt Bayer nun also schon zirka 2,2 Milliarden Euro Jahresumsatz ab. Ursprünglich war „nur“ mit 1,6 Milliarden gerechnet worden. Allerdings müsste Bayer bei einem Scheitern des Deals zwei Milliarden an Monsanto zahlen, womit das „Ja“ zu mehr Abgabe beim Umsatz freilich logisch ist. Dennoch dürften die genannten Abgaben, zu denen mit Blick in die USA ja noch weitere hinzukommen könnten, nicht nur Chef Baumann ein Dorn im Auge sein. Schließlich gehen den Leverkusenern so nicht nur einträgliche Geschäftsbereiche verloren, man macht mit BASF auch einen großen Konkurrenten stark und gibt ihm eine unverhoffte Präsenz am globalen Markt für Agro-Chemie.

Auch Anlegern und Aktionären scheint diese Entwicklung nicht wirklich zu gefallen. Im bisherigen Jahresverlauf steht die Bayer-Aktie mit zirka neun Prozent im Minus. Bereits 2017 performte das Papier mit einem Plus von fünf Prozent – verglichen mit dem DAX – unterdurchschnittlich. Seit dem Rekordhoch bei 146,50 Euro aus dem Jahr 2015 ging es um 37 Prozent auf gut 91 Euro in den Keller. Es scheint, als würden nur wenige daran glauben, dass Bayer es schafft, den US-Saatgutkonzern schnell, erfolgreich und ohne größere Probleme zu integrieren. Hinzu kommt dann auch noch eine zum Teil recht schwache Geschäftsentwicklung in Bayers bisherigen Kernsegmenten. 2017 bewegte sich sowohl bei Umsatz als auch bei operativem Ergebnis nicht viel.

Barclays-Analyst Emmanuel Papadakis rechnet im Zuge der Monsanto-Übernahme zudem mit einer Kapitalerhöhung im höheren einstelligen Milliarden-Bereich, was den Wert der einzelnen Anteile verwässern würde. Zudem glaube er auch 2018 an Schwierigkeiten in der Pharmasparte und beim Absatz von rezeptfreien Medikamenten. Sein Kursziel setzt er mit 95 Euro entsprechend niedrig
Baader Bank-Analyst Markus Meyer glaubt mit einem Kursziel in Höhe von 140 Euro dagegen an das Bayer-Papier. Er rechne mit einer Stimmungsaufhellung unter Anlegern, sollte der Monsanto-Kauf bald abgeschlossen werden und es am Agrarmarkt grundsätzlich wieder aufwärts gehen, so der Experte. Platze der Deal aber, sei Bayer aufgrund der derzeit günstigen Börsenbewertung auch ein interessanter Übernahmekandidat. Alles in allem raten derzeit 13 von 20 Analysten zum Kauf, sechs zum Halten und nur einer zum Verkauf.

Letzten Endes dürfte die weitere Entwicklung der einst so stark performenden Bayer-Aktie einzig von Erfolg oder eben Nicht-Erfolg des Monsanto-Deals abhängen. Klappt es mit der Fusion dürften die beiden Konzerne gemeinsam einen Umsatz in Höhe von 22 Milliarden Dollar erzielen. Im Saatgutbereich und beim Pflanzenschutz wäre man Weltmarktführer. Im Pharma-Sektor hat Bayer zudem aussichtsreiche Forschungen laufen und das Geschäft mit neuen Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto oder dem Augenpräparat Eylea präsentiert sich bereits jetzt vergleichsweise stark.

Allerdings kann die Fusion auch immer noch scheitern, was wohl ein sehr großes Loch in Bayers Zukunftsstrategie reißen würde. Und selbst wenn es klappt, der Preis, den Bayer bislang schon dafür zahlen musste, ist hoch. Schließlich sind es nicht nur die an BASF abgegebenen Aktivitäten, die fehlen könnten. Auch der Anteilsverkauf an Covestro, das vor kurzem den Sprung in den Dax schaffte und hohe Gewinne erzielt, könnte Bayer irgendwann noch ärgern. Mit dem Monsanto-Deal hat Bayer so ziemlich alles auf eine Karte gesetzt. Jetzt heißt es abwarten. Und dann: alles oder nichts.

23.03.2018 | 14:46

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