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Immobilien: es wird noch teurer!

Dr. ulrich Stephan (Bild: Deutsche Bank)

Spitzenplatz im Immobilienboom: München (Bild: Fotolia / Michael Fleischmann)

In Mitteleuropa, hier ein Bild aus Wien, kennt die Wertentwicklung von Immobilien nur eine Richtung: nach oben. (Bild: Deutsche Bank)


Aktuell besteht in Deutschland ein Nachfrageüberhang von rund einer Million Wohnungen. 2017 könnten zwar zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder mehr als 300.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Das wird allerdings nicht ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen – schließlich dürfte diese allein in diesem Jahr um rund 350.000 Wohnungen steigen. Somit sollte das Angebot am deutschen Immobilienmarkt knapp bleiben. Die Preise könnten weiter anziehen, und zwar erheblich. Was jetzt zu beachten ist.

Von Ulrich Stephan

Deutschland wächst: Aktuell leben laut Statistischem Bundesamt rund 83 Millionen Menschen in der Bundesrepublik – und damit fast drei Millionen mehr als im Jahr 2009. Und mit der wachsenden Bevölkerungszahl hat auch die Nachfrage nach Wohnraum sowohl zur Miete als auch zum Kauf zugenommen. Das gilt insbesondere für die Metropolen, die mit ihrer hohen Lebensqualität und Wirtschaftskraft immer mehr Menschen anziehen. Die Folge: Die Immobilienpreise sind dort seit 2009 um mehr als 60 Prozent gestiegen. Dass sich diese Entwicklung in diesem Jahr umkehren wird, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Im Gegenteil: Die Deutsche Bank rechnet damit, dass die Immobilienpreise 2017 weiter anziehen könnten.

Der Nachfrageüberhang von rund einer Million Wohnungen ist nicht kurzfrostog zu beheben, denn nach wie vor halten die Neubauten nicht Schritt. Die Deutsche Bank rechnet zwar damit, dass 2017 zum  mehr als 300.000 Wohnungen fertiggestellt werden – so viele, wie seit 2002 nicht mehr. Die genannte Zahl von rund 350.000 Wohnungen, die allein 2017 nachgefragt werden dürften, belegt aber, dass im Immobilienmarkt immer noch steigender Druck herrscht. Somit sollte das Angebot am deutschen Immobilienmarkt knapp bleiben und damit einhergehend könnten die Preise weiter anziehen.

München dürfte dabei seinen Spitzenplatz als teuerste Stadt Deutschlands verteidigen: Die gute Beschäftigungsentwicklung in Kombination mit einer sehr niedrigen Leerstandsquote könnte den Preisanstieg bei Immobilien hier weiterhin stützen. Eine abgeschwächte Entwicklung dürften die Immobilienmärkte beispielsweise in Hamburg und Düsseldorf zeigen: Ein unterdurchschnittlicher Bevölkerungszuwachs und eine überdurchschnittliche Bauaktivität haben dort bereits in den vergangenen Jahren zu einer vergleichsweise geringeren Preisdynamik als in anderen Metropolregionen geführt. Entwicklungen in der Vergangenheit sind allerdings kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

In Frankfurt hingegen haben insbesondere die Preise von Einfamilienhäusern zuletzt zugelegt. Das könnte auch am angestrebten Brexit liegen. Denn mit einem Brexit verbunden ist die Erwartung, dass Banken Teile ihres Geschäfts von London nach Frankfurt verlagern könnten – und dementsprechend auch Personal an den Main ziehen könnte. Zwar sollte der direkt mit dem Brexit verbundene, mögliche Beschäftigungszuwachs aus Sicht der Deutschen Bank nicht überbewertet werden, aufgrund des niedrigen Angebotswachstums könnten sich jedoch auch daraus in den kommenden Jahren Preissteigerungen ergeben.

Insgesamt dürften Immobilien nach Einschätzung der Deutschen Bank weiterhin ein Kernbestandteil der Vermögensanlage bleiben – und deutsche Objekte ein interessanter Pfeiler eines breit diversifizierten Immobilieninvestments darstellen.

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

28.02.2017 | 12:49

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