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Schlau investieren

Thomas Rappold (Bild: Vontobel)

(Bild: Fotolia / vege)


Der Markt für künstliche Intelligenz steht vor explosivem Wachstum. Mit dem neuen Vontobel KI-Zertifikat (ISIN: DE000VL3SJB4) profitieren Anleger von den Gewinnern der künstlichen Intelligenz. Das Zertifikat ist bereits vom Start weg zweistellig im Plus. Thomas Rappold, Silicon-Valley-Kenner und Investment Advisor für Vontobel, erläutert die Hintergründe.

Herr Rappold, wie verändert künstliche Intelligenz (KI) unser Leben?

Zunächst klingt künstliche Intelligenz nach etwas Magischem. Tatsächlich macht es unser Alltagsleben aber komfortabel und wir nutzen es ganz selbstverständlich. Ob bei der Google Suche, die uns nach Eingabe weniger Buchstaben bereits die passenden Suchwörter anzeigen, Sprachassistenten wie Siri von Apple, Alexa von Amazon oder intelligente Fahrerassistenzsysteme sind die aktuell augenscheinlichsten Vertreter künstlicher Intelligenz.

Wodurch wird das Potential getrieben?

Die Entwicklung wird getrieben durch das explosionsartige Wachstum digitaler Daten, Stichwort Big Data und ständig steigender Rechenleistung. Rund 98 Prozent der auf der Erde verfügbarer Daten wurden in den letzten 24 Monaten erzeugt. Die meisten davon liegen in digitaler Form vor. Zudem verfügt ein heutiges Smartphone über mehr Rechenleistung als die NASA vor über 40 Jahren bei der Mondlandung hatte.

Weshalb sollte der Trend gerade jetzt an Fahrt aufnehmen?

In der Tat ist künstliche Intelligenz kein neues Phänomen. Seit den 1950er Jahren gab es in Wissenschaft und Wirtschaft mehrere Anläufe. Immer wieder stand man dem Durchbruch nahe. Wichtige Algorithmen, die die Grundlage für den Einsatz von künstlicher Intelligenz sind wurden in den letzten Jahrzehnten entwickelt und ständig verfeinert. Intel Gründer Gordon Moore formulierte in den 1960er Jahren das bis heute gültige Moorsche Gesetz, wonach sich die Rechenleistung alle 18 Monate verdoppelt. Die Geschwindigkeit der Mikroprozessoren und die speziellen Architekturen von Hochgeschwindigkeitsrechnern in Form von Cloud-Computing machen nun vielfältige Dienste wie Sprach- oder Gesichtserkennung möglich. Frühzeitig haben Apple, Facebook Google und Amazon aber auch das chinesische Internet Triumvirat Alibaba, Tencent und Baidu den Trend zur künstlichen Intelligenz erkannt, da es essentiell für ihr zukünftiges Geschäft ist. Sie gehören allesamt zu den großen Finanziers über Aufwendungen für Forschung und Entwicklung aber auch für zahlreiche Finanzierungen und Übernahmen von KI Start-ups. Allein seit 2012 floßen in das Segment künstliche Intelligenz insgesamt 14,9 Milliarden Dollar in rund 2.200 Unternehmenstransaktionen.

Auf welche Sektoren sollte man zurzeit ein Augenmerk legen?

Wir interessieren uns für die gesamte Wertschöpfungskette, das heißt, für die großen und dominierenden Plattformbetreiber, die für Endkunden und Entwickler Anwendungen zur Verfügung stellen, aber auch Big Data Analytik Firmen sowie Hardware- und Chiphersteller für künstliche Intelligenz Lösungen. Auch Unternehmen die KI erfolgreich in ihr Geschäftsmodell integrieren halten wir für spannend.

Warum beinhaltet das Zertifikat genau 20 Werte?

Wir glauben, dass ein Zertifikat mit mehr als 20 Werten unglaubwürdig wäre. Da wir in einer digitalen
Plattform-Ökonomie leben, die nur wenige Gewinner kennt, muss sich dies auch im Zertifikat widerspiegeln. Gerade beim Thema künstlicher Intelligenz ist es deshalb von großer Bedeutung, die jeweiligen Branchenführer ausfindig zu machen.

Was haben digitale Marktplätze mit KI zu tun?

Die großen Marktplatzbetreiber wie Amazon, Alibaba aber auch Netflix verfügen über sehr viele und  qualitativ hochwertige Daten zu ihren Kunden. Amazon nutzt seit mehr als 15 Jahren erfolgreich seine Empfehlungsalgorithmen. Mit ihrem Dienst Alexa bieten sie nun eine Art „elektronischer Butler“.

Die Gewinner werden KI intelligent in ihr Geschäftsmodell integrieren. Wie muss man sich das vorstellen?

Am meisten werden die Firmen profitieren, die es verstehen ihre Daten digital aufzubereiten und darauf Algorithmen der künstlichen Intelligenz anzuwenden. Ein Maschinenbauunternehmen kann so frühzeitg erkennen, welche Maschinen wann und wie voraussichtlich gewartet werden können.

Welche Bedeutung hat künstliche Intelligenz für China?

Eine sehr große. Die chinesiche Arbeitsbevölkerung altert durch die über Jahrzehnte propagierte Ein-Kind-Politik stark. Zudem sind die Produktionsarbeitsplätze, Stichwort Wanderarbeiter, und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen stark in Verruf gekommen und für die junge gutausgebildete Generation nicht mehr attraktiv. In Folge dessen steigen die Lohnstückkosten in China ungebremst. Smarte und intelligente Automatisierungslösungen sind also zwingend notwendig, damit China weiterhin die „Werkbank der Welt“ bleiben kann. Die Politik unterstützt dieses Vorhaben durch das Programm „China 2025“ mit großen Investitionen, um China zu einem führenden Industrie 4.0 Land vergleichbar Deutschland und Südkorea zu machen. Die drei großen chinesischen Internetunternehmen Alibaba, Baidu und Tencent sind nicht ohne Grund in der Startzusammensetzung des Index vertreten. Investieren diese doch Milliardenbeträge in die Erforschung künstlicher Intelligenz Lösungen.

Was spricht derzeit für Alphabet, Nvidia und Blackrock?

Sie sind alle auf ihre Art Profiteure von KI. Alphabet als die führende Software-Plattform, Nvidia als die führende Hardware-Plattform und Blackrock als eines der führenden Anwenderplattformen in der Finanzindustrie.

Ist KI ein Renditetreiber?

Absolut. Das trifft auch den Kern, warum Anleger Investitionen in künstliche Intelligenz in Betracht ziehen sollten. Unternehmen, die ihr bestehendes Geschäftsmodell um neue Geschäftsprozesse zur Digitalisierung und künstlicher Intelligenz erweitern werden mittelfristig deutlich profitabler und damit margenstärker dahstehen und damit für ihre Aktionäre wertvoller sein.

Besten Dank für das Interview!

15.11.2017 | 23:07

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