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Struktur fürs Depot

Christine Romar (Bild: Citigroup Global Markets)


Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Zertifikate stellen ein wichtiges Instrument zur Optimierung eines Portfolios dar.

Von Christine Romar

Wie jeder Anleger weiß, geht es bei der Geldanlage auch immer darum, die richtige Balance zwischen Chance und Risiko zu finden. Ein elementares Mittel, um das Risiko im Portfolio zu senken, ist die Diversifikation. Damit ist die Streuung des angelegten Kapitals über verschiedene Anlagen gemeint. Der erste, der das wissenschaftlich nachgewiesen hat, war der US-Ökonom Harry Markowitz mit seiner Theorie der „Portfolio Selection“, für die er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Vereinfacht ausgedrückt, besagt sie, dass sich durch eine optimale Kombination verschiedener Anlagen das Gesamtrisiko im Portfolio reduzieren lässt, ohne dass die Rendite darunter leidet. Soweit, so gut. Weniger bekannt ist, dass auch der Einsatz von Zertifikaten helfen kann, den Portfolioaufbau zu optimieren beziehungsweise das Gesamtrisiko zu senken. Und das hat mehrere Gründe.

Anlagen nach Maß

Zertifikate weisen in der Regel besondere Rückzahlungsprofile auf, die es dem Anleger ermöglichen, Investitionen besser mit der eigenen Markterwartung und Risikoneigung in Einklang zu bringen. Dazu ein einfaches Beispiel: Wer in eine Aktie investiert, erzielt in der Regel nur dann einen Ertrag, wenn deren Kurs steigt (lässt man etwaige Dividendenzahlungen einmal außen vor). Mit Zertifikaten kann auch bei stagnierenden oder moderat fallenden Kursen eine positive Rendite erzielt werden. Zwei typische Produkttypen dafür sind Discount-Zertifikate und Bonus-Zertifikate. Mit Discount-Papieren steigt der Anleger quasi mit einem Rabatt in einen bestimmten Basiswert ein, zum Beispiel eine Aktie. Dieser Abschlag wirkt wie ein Puffer, der vor Kursrückschlägen schützt. Bonus-Zertifikate wiederum sind mit einer Barriere ausgestattet. Wird diese vom Basiswert bis zum Laufzeitende niemals berührt oder unterschritten, erhält der Anleger mindestens eine Rückzahlung in Höhe des vereinbarten Bonusbetrags. Weitere Produkttypen zur Renditeoptimierung sind beispielsweise Bonus-Cap-Zertifikate oder Reverse-Bonus-Zertifikate.

Vielfalt für das Depot

Zertifikate bieten aber noch weitere Vorteile. Mit ihnen ist es auf einfache Weise möglich, in Anlageklassen zu investieren, die bislang vor allem institutionellen Investoren vorbehalten waren. Ein typisches Beispiel hierfür sind Partizipationszertifikate auf Rohstoffe, Währungen oder Schwellenmarktindizes. Last, but not least, weisen Zertifikate im Vergleich zu bestimmten Direktanlagen den Vorzug auf, dass sie nur sehr geringe Mindestinvestitionssummen erfordern, sodass auch Privatanleger die Zusammensetzung ihres Depots besser steuern können. Gleichwohl sollten sich Anleger vor dem Kauf eines Zertifikats auch immer über dessen Besonderheiten im Klaren sein. So bergen Zertifikate als Schuldverschreibungen des Emittenten ein Ausfallrisiko. Ganz wichtig ist es auch, sich bereits vor Erwerb über die genaue Funktionsweise des jeweiligen Produkts zu informieren, um keine Überraschungen zu erleben.

Erwiesener Nutzen

Als Fazit lässt sich festhalten, dass Zertifikate prinzipiell sehr sinnvolle Anlageinstrumente darstellen und einem Privatinvestor einen deutlichen Mehrwert stiften können. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine wissenschaftliche Untersuchung von Professor Rudi Zagst, Leiter des Lehrstuhls für Finanzmathematik an der Technischen Universität München. Er hat das Verhalten von Portfolios in verschiedenen Marktszenarien analysiert und festgestellt, dass Zertifikate eine sehr exakte Steuerung des Portfolioverhaltens ermöglichen und je nach Einsatz auch in schwierigen Marktphasen eine zusätzliche Rendite erwirtschaften können.

Christine Romar ist Director Warrants & Certificates bei der Citigroup Global Markets Deutschland AG.

28.05.2017 | 00:42

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