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DAX: Verschärfen diese fünf Dauerläufer jetzt das Tempo?

Stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an: Der Kurs der Allianz-Aktie. (Foto: sylv1rob1 / Shutterstock)



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Sie kennen seit Jahren nur den Weg nach oben. Langsam, aber stetig. In der Krise mussten manche nun deutlich federn lassen, andere gehören zu den Top-Performern. Wo der Einstieg jetzt noch lohnt und es einen heißen Herbst geben könnte.

Nach einer fast perfekten V-förmigen Erholung steckt der DAX im Sommerloch fest und wurstelt etwas gelangweilt vor sich hin. Es fehlen die großen Impulse, genauso wie manch Marktteilnehmer, der in den Ferien weilt. Spätestens ab September dürfte sich das wieder ändern, mit der US-Wahl steht ein heißer Herbst bevor. Dazu werden die Folgen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft wieder ein Stück sicht- und kalkulierbarer. Bevor es also wieder wild wird an den Märkten, könnte es sich lohnen einen Blick auf eine handvoll Aktien mit echter Dauerlauf-Mentalität zu werfen. Solche Papiere, die über Jahre nicht zu bremsen waren, oft deshalb zwar nur langsam stiegen, dafür umso stetiger. Obendrein sind sie häufig von ein stattlichen Dividendenrendite und jährlichen Dividendenerhöhungen garniert.

Im Dax fallen da fünf Aktien besonders ins Auge. Zwei davon gehören zu den Top-Performern in der Corona-Krise. Dreien fehlt es an Impulsen und einem sicheren Ausblick, weshalb die Kurse zuletzt keine großen Sprünge mehr nach oben machten. Entsprechend könnte diesen jedoch noch eine Menge Aufwärts- und Aufholpotenzial bleiben.

1. Allianz

Eine dieser beiden Aktien gehört zu Europas größtem Erstversicherer, der Allianz. Bis zum Absturz im Zuge des Börsencrashs im März, waren die Papiere der Münchner wahre Dauerläufer. Nach der Finanzkrise 2008 kosteten die Titel noch rund 50 Euro, im Februar diesen Jahres waren es über 230 Euro. Nennenswerte Kursausschläge gab es in zwölf Jahren nicht zu verkraften. Gemächlich kletterte der Kurs der Allianz-Aktie nach oben, begleitetet von stets soliden Wachstumszahlen bei Umsatz und Gewinn. Die Coronakrise trifft die Versicherer jedoch hart. Und so brach auch bei der Allianz der Nettogewinn im ersten Halbjahr um rund ein Drittel auf 544 Millionen Euro ein. Die Umsätze hingegen sind sogar leicht gestiegen, um 1,7 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Damit kommt die Allianz bislang mit einem blauen Auge davon. Weitere Bremsspuren seien allerdings nicht auszuschließen, meint RBC-Analyst Kamran Hossain. Er beließ sein Kursziel deshalb bei 175 Euro. Michael Huttner von Berenberg ist da mit 232 Euro wesentlich optimistischer. Er sieht das Geschäft des Branchenriesen auf bereinigter Basis und bei gleichzeitig solider Bilanz weiterhin stark. Anleger sind bislang unentschlossen, die Aktie läuft größtenteils mit dem Dax mit und steht seit ihrem Crash-Tief mit 50 Prozent im Plus. Bis zum Vorkrisenniveau fehlen noch knapp 30 Prozent. Erholen sich die Geschäfte im zweiten Halbjahr oder spätestens 2021, scheint also noch Aufholpotenzial vorhanden. An der stattlichen Dividende von inzwischen 9,60 Euro wurde dazu nicht gerüttelt, die Dividendenrendite liegt bei erstklassigen 5,3 Prozent. Ein KGV von 11,5 scheint angesichts der derzeitigen Kauforgien am Markt sehr moderat. Vielleicht bietet das ruhige Sommerloch für den unaufgeregten Langfrist-Anleger eine schöne Einstiegsmöglichkeit.

2. Münchner Rück

Gleiches könnte für die Anteilsscheine der Münchner Rück gelten. Der Aktienkurs des weltgrößten Rückversicherers schließlich zeichnet ein sehr ähnliches bis beinah identisches Bild. Auch die Münchner Rück ist eine klassische Dauerläufer-Aktie, die noch dazu die Finanzkrise vergleichsweise unbeschadet überstand. Von 2003 an stieg der Kurs mit leichten Schwächen zwischen 2008 und 2010 kontinuierlich an. Vor der Coronakrise kosteten die Titel 282 Euro, fast sechsmal so viel wie noch 2003. Der Crash schlug dagegen heftig ein und ließ den Kurs bis auf 154 Euro fallen. Seither hat er etwas mehr als 50 Prozent hinzugewonnen und steht nun bei 234 Euro. Auch die Münchner Rück-Aktie läuft damit ziemlich gleichauf mit dem Dax nach oben. Ausschläge nach oben sind also Fehlanzeige. Solche nach unten aber eben auch. Die Analysten geben überwiegend vorsichtige Kursziele aus, bleiben dabei aber insgesamt optimistisch. Die Münchner würden eine starke Bilanz und große Reserven ausweisen, schrieb Morgan Stanley-Analyst Jon Hocking in einer Studie. Das dürfte den Aktienkurs treiben, auch da sich die Kurse europäischer Versicherer seit Juli unterdurchschnittlich entwickelt hätten. Sein Kursziel beließ er bei 275 Euro. Ähnlich der Allianz-Aktie bleiben die Papiere der Münchner Rück damit ein Basisinvestment, das noch immer vergleichsweise günstig zu haben ist und dazu mit einer überzeugenden Dividendenrendite von 4,3 Prozent aufwartet.

3. Vonovia


Die Vonovia-Aktie gilt wohl als das Dauerläufer-Beispiel schlechthin in Deutschlands Leitindex. Von 2013 bis heute hat sich der Kurs des Immobilienkonzerns verdreifacht. Selbst die Coronakrise führte nur zu einem kleinen Dämpfer, schnell kehrten die alten Rekordhochs zurück und neue wurden aufgestellt. Inzwischen kostet die Aktie mehr als 58 Euro. Das ist ausgehend vom Corona-Tief zwar nur ein Plus von 38 Prozent, allerdings war der Kurs der Bochumer ja auch vergleichsweise wenig stark gefallen. Alles in allem steht die Aktie auf Fünfjahressicht mit 100 Prozent im Plus, auf Dreijahressicht mit 65 Prozent und auf Einjahressicht mit 31 Prozent. Die Dividende hob der Konzern in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal in Folge an, die Dividendenrendite liegt bei rund drei Prozent. Vonovia kommt bislang hervorragend durch die Krise und muss kaum Einbußen verkraften. Auf lange Sicht ist der Konzern gut aufgestellt und verfügt über ein breit gestreutes Immobilienportfolio in aussichtsreichen europäischen Regionen, wie Deutschland, Österreich, Schweden, Frankreich und den Niederlanden. Die großen Wachstumssprünge sind von den Bochumern wohl kaum zu erwarten, eher schon gemächliche Hüpfer. Dafür legt man sich mit der Aktie einen vergleichsweise krisenfesten Wert ins Depot, der noch dazu eine schöne Dividende abwirft. Vielleicht ja genau das richtige für einen heißen Herbst.

4. SAP

Dauerglück brachte Anlegern in den vergangenen zwölf Jahren Dauerläufer SAP. Um fast 450 Prozent stieg die Aktie des Softwarekonzerns von 2008 bis August diesen Jahres. Und das untermalt von einem Aufwärtstrend wie aus dem Bilderbuch. Selbst der Coronacrash wirkt im Chartbild inzwischen nur noch wie ein kleiner, schnell wieder ausgebügelter Wackler. Die SAP-Aktie steht auf Rekordhoch, dem Tech-Hype an den Börsen und den für die Krise zuletzt soliden Zahlen sei Dank. Im Dax kommen die Walldorfer ein wenig wie der Fels in der Brandung daher. Als Softwaregigant und Branchenführer in Europa, der auch dank dem Trend zur Cloud noch viel Wachstumsperspektive sieht, dazu im Gegensatz zu vielen Tech-Konzernen aus den USA und China eine Dividende zahlt und mit einem KGV von 32,3 noch nicht astronomisch hoch bewertet ist, gilt SAP vielen Anlegern als einer von Europas sichersten Häfen. Die Analysten sehen entsprechend noch Potenzial. UBS-Analyst setzt weiter ein Kursziel von 142 Euro und sieht in den Zahlen zum dritten Quartal sowie dem anstehenden Qualtrics-Börsengang Kurstreiber. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktie jüngst sogar mit einem neuen Kursziel von 165 Euro ausgestattet und auf ihrer „Conviction Buy List“ belassen. Vieles spricht derzeit dafür, dass die Aktie ein Dauerläufer bleibt.

5. Adidas

Die Adidas-Aktie präsentierte sich in den vergangenen Jahren als ein exzellenter Dauerläufer. Auf Zehnjahressicht steht ein Plus von 530 Prozent zu Buche. Ein Großteil dieses Anstiegs geht auf die vergangenen fünf Jahre zurück. Von Herbst 2015 bis Anfang 2020 verfünffachte sich der Kurs. Europas Sportartikelkrösus wusste in der Zeit vor Corona Jahr um Jahr zu glänzen. Umsätze und Gewinne wuchsen rasant, die Aussichten waren erstklassig. Sport und Fitness liegen im Trend, entsprechend auch die passende Kleidung. Dazu entwickelte sich Adidas ähnlich wie Nike oder Puma immer mehr zur Lifestyle-Marke. Die weißen Sneaker der Herzogenauracher sind zu einer Art modernem Anzugschuh geworden. Alles lief bestens unter CEO Kasper Rorsted, der den Konzern scheinbar perfekt positioniert hatte. Dann kam Corona, Shutdowns und Ladenschließungen folgten, Angebotsschock traf Nachfrageschock. Adidas brachen die Gewinne weg und schrieb im zweiten Quartal Verluste in Millionenhöhe, die Dividende wurde ausgesetzt, Prognosen zusammengestrichen. Der Aktienkurs brach von 313 auf 188 Euro ein und tut sich seither schwer mit der Erholung. 262 Euro kosten die Titel derzeit. Die nähere Zukunft bleibt ungewiss, weshalb dem Dauerläufer die Power abhanden gekommen ist. Im dritten Quartal soll es Vorstandschef Rorsted nach zwar deutlich aufwärts gehen, doch mit der noch lange nicht ausgestandenen Pandemie schwingen weiter extreme Unsicherheiten mit. Wer mutig ist, hofft auf die langfristige Erholung. Doch solange Corona global wütet, dürfte die Adidas-Aktie ein angeschlagener Dauerläufer bleiben.

OG

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19.08.2020 | 11:54

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