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Aktien > Börse bleibt skeptisch

Rheinmetall-Aktie: Prognosesenkung drückt Kurs unter 900 Euro

| Thomas Behnke | Lesezeit: 4 Min.

Nahaufnahme der Seite eines olivgrünen Fahrzeugs mit Tarnlackierung und dem Schriftzug Rheinmetall, darunter ein Kennzeichen, im unscharfen Hintergrund eine Halle mit Menschen.
Rheinmetall-Schriftzug an einem Transportfahrzeug der Bundeswehr. Der Konzern hat die Umsatzprognose für 2026 auf rund 13,2 Milliarden Euro gesenkt. (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Rheinmetall senkt die Umsatzprognose 2026 auf rund 13,2 Milliarden Euro. Die Aktie fällt unter die Unterstützungszone von 900 bis 942 Euro. Was spricht im Chart für eine Stabilisierung, was für weitere Verluste?

Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, Kürzel: RHM) wächst kräftig, erzielt Rekordergebnisse und verweist selbstbewusst auf seine langfristigen Stärken. Sechs Gründe führt der Rüstungskonzern auf seiner Homepage für ein Investment in die eigene Aktie an. An der Börse überwiegt jedoch seit einiger Zeit die Skepsis. Seit ihrem Allzeithoch im Oktober 2025 hat die Rheinmetall-Aktie inzwischen fast 60 Prozent an Wert verloren. Die nun erfolgte Senkung der Jahresprognose hat den Kurs erneut belastet. Zudem ist die Aktie unter eine charttechnisch wichtige Unterstützungszone gefallen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geschäftszahlen: Rheinmetall steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten 2026 um 38 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um 69 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro.
  • Jahresprognose: Rheinmetall senkte seine Umsatzprognose für 2026 vor allem wegen Projektverschiebungen von bislang 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro auf rund 13,2 Milliarden Euro.
  • Cashflow: Rheinmetall verzeichnete nach neun Monaten einen operativen Free Cashflow von minus 1,70 Milliarden Euro, wobei der Vorratsaufbau für die geplante Produktionsausweitung eine wesentliche Ursache war.
  • Charttechnik: Die Rheinmetall-Aktie fiel am 5. November 2026 auf zuletzt 820 Euro und damit unter die Unterstützungszone von 900 bis 942 Euro, wodurch sich das Risiko einer Fortsetzung des Abwärtstrends erhöht.

Kräftiges Wachstum, aber niedrigere Jahresziele

Die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2026 können sich eigentlich sehen lassen. Rheinmetall steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte sogar um 69 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro zu. Die operative Marge verbesserte sich von 13,1 auf 16 Prozent. Der Auftragsbestand einschließlich erwarteter Abrufe aus Rahmenverträgen erreichte Ende September 78 Milliarden Euro.

Trotz dieser Entwicklung musste der Konzern seine Jahresprognose korrigieren. Für 2026 erwartet Rheinmetall nun einen Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro statt der bislang angepeilten 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die operative Marge soll bei 18,5 Prozent liegen. Zuvor hatte das Unternehmen rund 19 Prozent in Aussicht gestellt.

Ursache sind vor allem Projektverschiebungen. Der erwartete Bundeswehrauftrag für das Boxer-Projekt Arminius wird voraussichtlich erst 2027 erteilt. Zudem verzögert sich die Abnahme von Artilleriemunition. Damit verschieben sich Umsätze und erwartete Anzahlungen. Belastet ist auch der Cashflow: Nach neun Monaten lag der operative Free Cashflow bei minus 1,70 Milliarden Euro. Eine wesentliche Ursache war der Vorratsaufbau für die geplante Produktionsausweitung. Die nun verschobenen Anzahlungen aus dem Arminius-Projekt belasten zusätzlich die Cashflow-Planung für das Gesamtjahr.

Starke Zahlen reichen der Börse nicht mehr

An seinen langfristigen Wachstumsambitionen hält Rheinmetall fest. Der Konzern verweist unter anderem auf seine internationale Präsenz, technologische Führungsposition und das Ziel, Profitabilität und Cashflow nachhaltig zu steigern. Die Zahlen zum bisherigen Geschäftsverlauf und der hohe Auftragsbestand stützen zumindest die Aussicht auf weiteres Wachstum.

Die negative Kursreaktion auf die vorgelegten Ergebnisse zeigt allerdings, dass starke Geschäftszahlen allein nicht mehr ausreichen, um die Börse bei Laune zu halten. Selbst bei hoher Nachfrage folgen die Vergabe und Abwicklung großer Rüstungsprojekte nicht immer dem vorgesehenen Zeitplan. Die Prognosesenkung macht zudem deutlich, dass die Erwartungen an Rheinmetall offenbar höher liegen. Auch wenn die Gründe für die Anpassung plausibel erscheinen und die Korrekturen moderat ausfallen, stellt sich angesichts der Kursentwicklung eine Frage: Sind die fetten Jahre bei Rheinmetall vielleicht schon vorbei?

Rheinmetall-Aktie fällt unter wichtige Unterstützung

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Ein Erholungsversuch im Oktober erwies sich lediglich als Gegenbewegung innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends, der sich seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 bei 2.008 Euro gebildet hat. Vom Tief am 8. Oktober bei 909 Euro war die Aktie bis zum 16. Oktober auf 1.096,60 Euro gestiegen. Anschließend setzte sich die Abwärtsbewegung fort.

Mit dem Kursrückgang auf zuletzt 820 Euro in der ersten Handelsstunde des 5. November hat die Rheinmetall-Aktie die bisherige Unterstützungszone zwischen 900 und 942 Euro unterschritten. Hier lagen mehrere Zwischentiefs der vergangenen Monate, insbesondere das bisherige Tief des übergeordneten Abwärtstrends, das im Juni bei 900,20 Euro markiert wurde. Sollte sich der Kurs nachhaltig unter dieser Zone etablieren, wäre dies eine weitere Bestätigung des Abwärtstrends. In diesem bärischen Szenario könnten die nächsten potenziellen Ziele im Bereich von 600 bis 700 Euro liegen.

Noch ist allerdings offen, ob sich der jüngste Rückgang als nachhaltiger Durchbruch erweist. Eine Rückkehr über die Zone zwischen 900 und 942 Euro wäre ein erstes Stabilisierungssignal. Deutlich aufhellen würde sich das Chartbild aber erst mit einem Anstieg über das Oktoberhoch bei 1.096,60 Euro. Dann könnte die Aktie zunächst den Widerstandsbereich zwischen 1.185 und 1.238 Euro ins Visier nehmen. Erst ein Ausbruch darüber wäre ein stärkeres Indiz für einen nachhaltigen Trendwechsel.

Damit hat sich die charttechnische Lage der Rheinmetall-Aktie trotz des kräftigen operativen Wachstums weiter eingetrübt. Solange die Aktie die gebrochene Unterstützungszone nicht zurückerobert, bleibt das Risiko einer Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends erhöht.

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