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Grenke-Aktie: Zocken statt Anlegen

Verkommt zum Zockerpapier: Die Aktie von Grenke. (Foto: Grenke)



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Nach dem Abgang eines Vorstands herrscht bei dem Leasinganbieter Grenke aus Baden-Baden dicke Luft zwischen Gründer und Aufsichtsrat. Die Aktie stürzt erst ab und schwankt seither stark. Auslöser für die Vorgänge sind Vorwürfe des Wirecard-Jägers Fraser Perring.

Beim Leasingspezialisten Grenke in Baden-Baden ist Feuer unterm Dach. Der Aktienkurs hat den zweitstärksten Absturz der Firmengeschichte hinter sich, nachdem ein Vorstand diese Woche seinen Hut wegen „kritischer vorläufiger Bewertungen bisheriger interner Prozesse“ nehmen musste. Das Papier ist zum Zockerwert geworden und schwankt stark. In den vergangenen Tagen hatten sich Kleinanleger mehrfach verabredet, um unter den Druck von Leerverkäufern geratene Papiere gezielt zu kaufen und sie so wieder nach oben zu treiben. Während es sich dabei aber um reine Marktspekulationen handelte, steht im Fall Grenke noch ein Unternehmen für seinen Aktienkurs, das allein im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro Neugeschäft erzielt hat.

Aktie wird zum Zockerpapier

Allerdings ist die weitere Entwicklung ungewiss. Ein Prüfungsbericht der BaFin, die Grenke wegen Vorwürfen des Leerverkäufers und Wirecard-Jägers Fraser Perring unter die Lupe nimmt, steht noch aus. Auch die Veröffentlichung des Jahresabschlusses, sonst bei Grenke ein Routinetermin im Februar, ist nicht in Sicht.

Im Hause herrsche „Alarmstimmung“, berichten Insider. Der Rücktritt von Vorstand Mark Kindermann sei nach Hinweisen der BaFin zustande gekommen. Die Behörde steht selbst unter Druck, nachdem sie im Fall Wirecard versagt hatte und im Zuge der Aufarbeitung des Skandals ihren eigenen Chef und dessen Stellvertreterin verloren hat. Der britische Leerverkäufer Fraser Perring, der früh gegen Wirecard gewettet hatte, hatte die BaFin jüngst gegenüber dem WirtschaftsKurier stark kritisiert und sie auch im Fall Grenke als „unfähig“ bezeichnet. Perring hatte Grenke bereits im vergangenen September zahlreiche Verstöße von Betrug bis Geldwäsche vorgeworfen, die sich bislang jedoch nicht erhärten ließen.

Der Rücktritt Kindermanns spricht jetzt dafür, dass doch nicht alles in Ordnung ist, wie das Unternehmen stets behauptet hatte. Die BaFin ermittelt im Fall Grenke seit knapp einem halben Jahr. Nach Hinweisen der Behörde sah sich Aufsichtsratschef Lipp offenbar gezwungen, Kindermann vor die Tür zu setzen. Ein Kommentar kommt von keinem der unmittelbar Beteiligten. Wolfgang Grenke, der seit den ersten Vorwürfen sein Amt im Aufsichtsrat ruhen lässt, will genauso wenig wie die Bafin oder Aufsichtsratschef Lipp die Vorgänge kommentieren. Zwischen den langjährigen Vertrauten Grenke und Lipp soll es über die Trennung von Kindermann zum Streit gekommen sein, heißt es in Baden-Baden.
Der Leasingkonzern war im Zuge der Affäre bereits vom M-Dax zu einem S-Dax-Konzern abgestiegen. Er hatte erst im vergangenen Monat eine Compliance-Chefin auf Vorstandsebene eingestellt, um die Ernsthaftigkeit seiner Aufklärungsbemühungen zu dokumentieren. Ob auch ihre Ermittlungen zum Abgang von Kindermann geführt haben, bleibt bislang im Dunkeln. Es heißt lediglich, Kindermann habe den Aufsichtsrat darauf hingewiesen, dass die „vorläufigen Bewertungen der internen Prozesse nach Abschluss weiterer Prüfungen zu revidieren sein würden“. Und weiter: „Um eine Auseinandersetzung über die Berechtigung und die Wesentlichkeit dieser Kritikpunkte vor Abschluss der Prüfungen zu vermeiden und um potenziellen Schaden daraus von der Gesellschaft fernzuhalten, hat Herr Kindermann seine Mandate niedergelegt.“

Leasinggeschäft leidet unter der Pandemie

Perring hatte Wolfgang Grenke auch vorgeworfen, Franchisegesellschaften zu teuer gekauft und sich daran bereichert zu haben. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und selbst eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigten, dass Grenke zwar einige Zukäufe zu leicht überhöhten Preisen unternommen hatte, dies jedoch nicht den Vorwurf der Manipulation rechtfertige.

Anfang des Jahres hatte Grenke mitgeteilt, dass das Unternehmen eine unbefristete Hybridanleihe in Höhe von 30 Millionen Euro nicht zum ersten möglichen Termin im März kündigen, sondern „zur Stärkung der Kapitalbasis“ weiter nutzen wolle. Nach vorläufigen Zahlen hat Grenke im Geschäftsjahr 2020 ein Leasing-Neugeschäft von nur gut 70 Prozent des Vorjahreswertes erzielt, was das Unternehmen auf die Corona-Pandemie schob.   

oli

10.02.2021 | 10:58

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