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Mercedes-Benz-Aktie: Wann steigt Warren Buffett ein?

(Foto: Mercedes-Benz)



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Die Luxus-Strategie von Konzernchef Ola Källenius geht bislang voll auf. Die Umsätze der Marke mit dem Stern wachsen deutlich, die Gewinne explodieren regelrecht. Nur der Aktienkurs zieht nicht mit. Das hat die Papiere extrem günstig werden lassen. Zeit, sie zu kaufen?

Wer die fundamentalen Zahlen und den Kursverlauf der Aktie von Mercedes-Benz vergleicht, könnte sich fragen: Wann nur steigt Warren Buffett da endlich ein? Die Papiere der Stuttgarter passen auf den ersten Blick perfekt zur Investment-Strategie des US-Börsengurus.

Erstens: sie haben im laufenden Jahr fünf Prozent an Wert verloren, während die Umsätze gewachsen und die Unternehmensgewinne stark gestiegen sind.


Nach neun Monaten liegt die bereinigte operative Marge im PKW-Geschäft bei 15 Prozent, ein Niveau, das in der Regel nur echte Luxus-Marken erreichen. Porsche beispielsweise erwartet für das Gesamtjahr eine Marge von 17 bis 18 Prozent. Mercedes ist da als Premiumhersteller mit hohen Volumina erstaunlich nahe dran. Im dritten Quartal setzten die Stuttgarter 37,7 Milliarden Euro um und damit 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen uns Steuern stieg um fast 75 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die starken Zahlen sind zum einen in insgesamt steigenden Absätzen begründet. Von Juli bis September verkaufte die Marke mit dem Stern 530.414 Autos. Das ist ein Plus von 38 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zum anderen setzte sich der Luxus-Trend im Konzern fort. Der Anteil an teuren Modellen mit exklusiver Ausstattung blieb weiterhin hoch. Hier kann Mercedes hohe Preise durchsetzen, was den Gewinn in die Höhe treibt. Dazu gehören auch viele der neuen E-Modelle des Konzerns, deren Absatz sich im dritten Quartal verdoppelte. Ganz grundsätzlich kommt den Stuttgartern zugute, dass die Nachfrage nach neuen Modellen immer noch höher ist, als das Angebot. Trotz leichter Verbesserungen, bleibt die Situation rundum die Lieferketten und das Chip-Angebot angespannt. Auf diese zunächst bedrohliche Situation scheint CEO Ola Källenius sein Unternehmen inzwischen perfekt ausgerichtet zu haben. Über ein großes Sparprogramm senkt der Unternehmenslenker die Kosten, baut tausende Stellen ab und greift nach wie vor auf staatlich unterstützte Kurzarbeit zurück. Wenn Teile fehlen, wird zunächst die Produktion der günstigeren Modelle zugunsten der teureren hinausgezögert. Das treibt die Umsatzrendite in die Höhe, die ohnehin schon von der erfolgten Abtrennung des Nutzfahrzeuggeschäfts profitiert.

All das führt dazu, dass die Aktie extrem günstig daherkommt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei 5,1. Die Dividendenrendite bei sagenhaften 7,8 Prozent. Eine Unterbewertung liegt da zumindest nahe.

Zweitens: Mercedes-Benz ist eine starke, globale Marke mit Markt- und Preissetzungsmacht.


Der Stern auf der Haube, gilt vielen immer noch als Statussymbol, nicht zuletzt im wichtigen chinesischen Markt. Zwar gilt es für die Stuttgarter nun die Wende hin zur E-Mobilität zu meistern, doch auch hier könnte Ola Källenius mit seiner Luxus-Strategie die richtige Nische gefunden haben. Tesla schließlich scheint eher auf dem Weg zum Volumenhersteller. Mercedes könnte mit elektrifizierten Luxus-SUVs sowie mit der S-Klasse im Oberklasse-Segment zahlungskräftige  Käufer finden. Viele konkurrierende chinesische Hersteller bieten eher günstigere Modelle an und sprechen damit ein anderes Klientel an. Die starke Marktposition von Mercedes zeigt sich auch im aktuellen Umfeld. Weil die Nachfrage nach Neuwagen so hoch ist, muss Mercedes wenig Rabatte geben und kann Preisanhebungen leicht durchsetzen.  

Drittens: Mercedes-Benz ist ein Qualitätsunternehmen.


Vorweg: Natürlich ist die Aktie kein defensiver Titel, die Titel sind sehr konjunkturabhängig, die Gewinne schwanken teils deutlich. Das zeigt eindrucksvoll die Entwicklung des Gewinns je Aktie über die vergangenen Jahre. 2017 beispielsweise lag der Gewinn je Aktie bei 9,61 Euro. 2019 dann nur noch bei 2,22 Euro. Für das laufende Jahr gehen Analysten von 12,02 Euro aus. Kommt es 2023 zu der erwarteten Rezession in Europa und löst sich der Nachfrageüberhang in der Autoindustrie damit allmählich auf, könnten der Gewinn je Aktie wieder sinken. Im Vergleich zu vielen jungen Technologieaktien, die in diesem Jahr durch die Zinserhöhungen kräftig unter die Räder kamen, ist Mercedes aber ein gesundes und mit genügend Kapital ausgestattetes Unternehmen, das schwächere Nachfrage-Phasen, Lieferengpässe, Wirtschaftskrisen und Rezessionen bislang immer gemeistert hat. Mit Ola Källenius hat der Konzern zudem einen Mann an der Spitze, der die Stärken der Marke zu nutzen weiß.

OG

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13.12.2022 | 14:47

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