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Alphabet stiehlt Microsoft die Show

Die Google-Mutter überrascht mit ihrer Zahlenvorlage Analysten und Anleger gleichermaßen. Die Aktie steigt nachbörslich um fast acht Prozent. Ein Ausrufezeichen im Konkurrenzkampf mit Microsoft.

(Foto: Alphabet)

Die Google-Mutter überrascht mit ihrer Zahlenvorlage Analysten und Anleger gleichermaßen. Die Aktie steigt nachbörslich um fast acht Prozent. Ein Ausrufezeichen im Konkurrenzkampf mit Microsoft.

Der Wettlauf um die beste KI-Software der Zukunft bestimmt seit Monaten das Marktgeschehen an der Wallt-Street. Und er hat zwei der größten Tech-Konzerne der Welt zu größten Konkurrenten werden lassen. Alphabet und Microsoft, dieser Zweikampf um die KI-Krone steht im Mittelpunkt des Hypes um neue „selbstdenkende“ Technologien. Konkurrenz war zwischen den beiden Schwergewichten der Branche schon immer gegeben, doch schlussendlich war der Internet- und Software-Kuchen so aufgeteilt, dass beide ausreichend Stücke davon abbekamen ohne sich um bestimmte streiten zu müssen. Alphabet als Suchmaschinengigant, der weite Teile seines Geschäfts über Werbung finanziert, Microsoft der Software-Gigant, der sich zudem mit der Plattform Azure frühzeitig im Cloud-Segment platziert hatte.

Was die Cloud angeht, hat Alphabet schon länger zur Aufholjagd geblasen. Doch der Markt für die digitale Infrastruktur ist groß, unwahrscheinlich, dass ein Konzern den anderen in der Bereitstellung von Servern und Speicherkapazität überrollt. Im revolutionären KI-Bereich sieht das schon anders aus. Wenn ChatGPT, woran Microsoft Anteile hält, besser ist als Bard, der KI-Chatbot von Alphabet, dann werden die Menschen wohl ChatGPT nutzen. Und da Microsoft die Software in seine Suchmaschine Bing einbindet, würde das für Google ein existenzbedrohendes Problem. Auf einmal streiten beide Großkonzerne um die Vorherrschaft in der Internetsuche. Vor allem für Alphabet ist das ein bedrohliches Szenario, weshalb sich die Aktie in den vergangenen Monaten deutlich schwächer entwickelte als die von Microsoft, die vor kurzem sogar ein neues Rekordhoch bei 366 US-Dollar erreichte. Die Alphabet-Papiere hingegen notierten zu Wochenbeginn noch bei 122 US-Dollar, das Rekordhoch aus dem Februar 2022 liegt bei rund 151 US-Dollar.

Überhaupt performt Microsoft an der Börse seit Jahren besser als Alphabet. Auf Fünfjahressicht haben sich die Papiere des Konzerns aus Redmond um 217 Prozent verteuert, die von Alphabet sind nur um 92 Prozent gestiegen. Das liegt einerseits an Microsofts KI-Rally, es liegt aber auch an einer atemberaubenden Expansion. Mit der nun genehmigten Übernahme von Activision Blizzard steigt Microsoft beispielsweise zum größten Gaming-Konzern der USA auf. Mit LinkedIn gehört das größte Karrierenetzwerk der Welt zum Konzern. Azure ist nach Amazons Aws der weltweit größte Cloud-Infrastrukturanbieter. In der jüngeren Vergangenheit war bei Microsoft stets viel Wachstum und Wachstumsphantasie, bei Alphabet hingegen drückte immer wieder die Werbeanzeigen-Abhängigkeit auf den Aktienkurs.

Das hat die Aktie der Google-Mutter schon häufiger verlgeichsweise günstig werden lassen. Schon im Rahmen der Corona-Rally war die Alphabet-Aktie eine derjenigen, die erst spät den Turbo zündete. Das könnte sich nun vor dem Hintergrund des KI-Hypes wiederholen. Noch liegt das KGV der Alphabet-Aktie bei 22,4, das der Microsoft-Aktie dagegen bereits bei 36,2.

Die Aktie sei attraktiv bewertet, schreibt Jefferies-Analyst Brent Thill in einer Studie. Die Titel dürften also noch Aufwärtspotenzial haben, wenn die Ergebnisse stimmen. Mit Blick auf die Zahlen zum zweiten Quartal 2023 war genau das der Fall. Nach der Berichterstattung am Dienstag zog die Aktie deshalb im nachbörslichen Handel in der Spitze um acht Prozent an.

Im zweiten Quartal steigerte Alphabet den Umsatz um sieben Prozent auf 74,6 Milliarden US-Dollar, den Nettogewinn um zirka 15 Prozent auf 18,4 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf man die Analystenerwartungen deutlich. Erneut waren Werbeanzeigen maßgeblich für das starke Ergebnis verantwortlich (58,1 Milliarden US-Dollar). Was Anleger zudem freuen dürfte: In etwa 80 Prozent der Werbekunden sollen COO Philipp Schindler nach bereits mindestens ein Suchprodukt nutzen, das mit KI arbeitet. Der Konzern habe seine Fähigkeiten hinsichtlich des Einsatzes von KI im Werbe- und Cloudgeschäft bewiesen, urteilt auch Analyst Thill. Thomas Monteiro von Investing.com glaubt sogar Alphabet könnte in eine ganz neue Wachstumsphase starten.

Tatsächlich hat sich bei Alphabet über das Thema KI hinaus etwas gedreht. Der Konzern konzentriert sich wieder mehr auf Umsatz- und Gewinnwachstum, senkt dagegen die Kosten fürs Experimentieren. Statt 1,34 Milliarden US-Dollar machte Alphabet im vergangenen Quartal nur noch 813 Millionen US-Dollar Verlust mit Robotaxis und Co. Gleichzeitig schaffte die Cloud-Sparte den Sprung aus den roten Zahlen. Statt 590 Millionen US-Dollar Verlust blieben 395 Millionen US-Dollar Gewinn. Der Umsatz im Cloud-Geschäft kletterte um 28 Prozent auf über acht Milliarden US-Dollar.

Nach der anfänglich zumindest medialen Pleite gegen Microsoft beim Thema KI, schlägt Alphabet mit dieser Quartalszahlenvorlage zurück. Der Konzern bleibt eine Cash-Maschine. Eine Abwanderung von Werbekunden ist nicht zu erkennen. Gleichzeitig wuchs das Cloud-Geschäft minimal schneller als das von Microsoft, welches aber natürlich von einem ganz anderen Niveau aus kommt. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Jefferies-Analyst Thill recht behalten könnte, wenn er von einer attraktiven Bewertung der Alphabet-Aktie spricht.

OG

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