Was will Siemens eigentlich?
Eine der großen Fragen der Menschheit: Wie steuert man einen Großkonzern, wenn man nicht weiß, wohin am besten? An dieser kniffligen Problematik sind Legionen von Managern gescheitert, und, ganz nebenbei, die gefühlt meisten von ihnen haben anschließend Bücher darüber geschrieben. Was die Sache, wie jetzt bei Siemens, noch unnötig kompliziert, ist die sogenannte Testosteronsteuerung, die man im Fußball antrifft wie auch hin und wieder bei sehr beleidigten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
Eine der großen Fragen der Menschheit: Wie steuert man einen Großkonzern, wenn man nicht weiß, wohin am besten? An dieser kniffligen Problematik sind Legionen von Managern gescheitert, und, ganz nebenbei, die gefühlt meisten von ihnen haben anschließend Bücher darüber geschrieben. Was die Sache, wie jetzt bei Siemens, noch unnötig kompliziert, ist die sogenannte Testosteronsteuerung, die man im Fußball antrifft wie auch hin und wieder bei sehr beleidigten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Dann geht es um die Ehre, und während man selbige rettet, verteidigt oder wiederherstellt, geht einiges zu Bruch. Bei der Siemens AG im 167. Jahr ihres Bestehens und in unklarer Verfassung muss es wohl erst einmal süffige Männergeschichten geben, ehe es wieder nach vorn gehen kann. Interessanterweise soll das ein Manager bewerkstelligen, der seit vielen, vielen Jahren dort arbeitet, was immerhin die Einarbeitungsphase verkürzen dürfte. Strategisch-inhaltlich ist nicht viel Überraschendes zu erwarten, was man je nach Präferenz auch gut finden kann. Eine völlige Neubesetzung des Postens wäre aber auch eine Lösung gewesen, schließlich wirkte die Medizin namens Peter Löscher, Externer, eine Weile ganz gut. Warum also zum Beispiel nicht jemand wie Hartmut Mehdorn? Mit verspäteten Zügen kennt der sich doch immerhin aus. Oder Jack Welch reaktivieren, den angeblich härtesten Manager der Welt? Zu spät. Joe Kaeser wird den Konzern steuern, und die Erwartungen sind riesig, so riesig, dass die Börsen-Zeitung eine eierlegende Wollmilchsau als Idealbesetzung ausgemacht hatte. Das kann Kaeser nicht sein, aber wenn er es schafft, nach den Aufgaben der Befriedung des Aufsichtsrats, der Beschwichtigung der Gewerkschaften und der Beruhigung der diversen Segmente des Konzerns noch Zeit zu haben, um an der Ausrichtung der einstigen "Bank mit angeschlossenem Elektroladen" zu arbeiten, dann hätte er schon was auf die Beine gestellt. Die Machtkämpfe, die wohl auch zur seltsamen Performance dieser Woche geführt haben, könnte man ja erstmal als erledigt betrachten – mit den Fragen zu weiteren Personalien, zuförderst im Aufsichtsrat, kann man sie ja zu gegebener Zeit wieder aufnehmen. Indes kann man den Vorständen insgesamt und den übrigen Bigshots eines zugutehalten: Mit ihren Intrigen, Durchstechereien und der ganzen Eitelkeit sind sie immerhin ziemlich volksnah. Zeit wäre es nun aber für Kaeser, trotz seiner Mitwirkung an allem bei Siemens seit 33 Jahren, es mal mit einer Umkehr und Abkehr zu versuchen: Gemeint ist die Versuchung, den Konzern "grün" auszurichten, was seit Jahren zu bitteren Verlusten geführt hat und ganz offensichtlich das falsche Pferd ist. Vielleicht kann man da von den eigenen Erfolgen in einem Teil des Hauses etwas lernen – von der Medizintechnik zum Beispiel, die ja offenbar hervorragend funktioniert. Wie zufällig ist dies auch ein Bereich, der den traditionellen Stärken von Siemens recht nahe kommt: Die Tüftler, Visionäre, Technikerfinder waren ja mal der – gute! – Ursprung des Ganzen.
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