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Bitcoin stürzt ab – Krypto-Ausverkauf schockt Anleger

Bitcoin-Mania: die Party könnte bald beendet sein! (Bild: Fotolia)


Wohl aus Furcht vor staatlicher Regulierung stürzten in der vergangenen Woche die Kurse der großen Digitalwährungen Bitcoin, Ethereum und Ripple um bis zu 30 Prozent in die Tiefe. Vor allem für den bislang am Markt dominierenden Bitcoin ein weiterer herber Rückschlag. Anleger zeigen sich verunsichert und werden zunehmend nervös. Erste Zeichen von Panik sind erkennbar.

Minus 18 Prozent. Minus 22 Prozent. Minus 30 Prozent. So lauteten sie am vergangenen Dienstag, die Kursverluste von Bitcoin, Ethereum und Ripple, den drei nach Marktkapitalisierung größten Kryptowährungen der Welt. Und auch weiter hinten im Feld krachten die Kurse nur so in die Tiefe. Die meisten Cyber-Devisen verloren prozentual zweistellig an Wert. Nur eine einzige unter den Top 100, nämlich Tether, lag laut coinmarketcap.com zeitweilig leicht im Plus. Der Internetplattform zufolge fiel die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen allein am Dienstag um insgesamt 100 Milliarden auf 560 Milliarden US-Dollar. 2017 waren es zu Spitzenzeiten über 800 Milliarden.

Im Wochenverlauf weiteten sich die Kursverluste nochmals aus. Der Bitcoin fiel zweitweise sogar unter die Marke von 10.000 Dollar. Letztmals musste die bekannteste unter den Digitalwährungen einen ähnlich Verlust im September des vergangenen Jahres verkraften, hatte sich anschließend aber erholt und war Mitte Dezember sogar auf ihr bisheriges Rekordhoch von zirka 20.000 Dollar gestiegen. Es war der Zeitpunkt eines regelrechten  Hypes um die Kryptowährung als Zahlungsalternative der Zukunft. Ein jeder wollte sie plötzlich haben. Auch immer mehr Privatanleger sprangen auf den immer schneller fahrenden Krypto-Zug auf, die Rally 2017 mit einem Kurszuwachs in Höhe von sagenhaften 2.000 Prozent ließ sie die Chance auf das schnelle und große Geld wittern. Und die Börsen begannen mit dem Angebot von Terminkontrakten auf das Cyber-Geld.

„Das übertrifft selbst die Dotcom-Blase!“

Schon damals wurden aber auch die warnenden Stimmen immer lauter. Man befinde sich derzeit in einer „äußerst euphorischen Phase“, warnten beispielsweise die Experten von Lynxbroker. Sozusagen in der finalen Phase, die häufig die Zeit sei, in der auch noch die breite Masse auf den Zug mitaufspringe. Und die sei sehr oft das „Grande Finale“ eines Trendverlaufs. Der Schweizer Vermögensverwalter Mojmir Hlinka hatte gegenüber boerse.ARD gesagt: „Einen solch typischen Verlauf einer Blasenbildung wie beim Bitcoin habe ich noch nie erlebt. Das übertrifft selbst noch die Dotcom-Blase bei Weitem.“

Nun scheint es, als würden sie damit Recht behalten. Seit dem Dezember-Hoch büßte der Bitcoin, begleitet von immer neuen Negativschlagzeilen, knapp 40 Prozent an Wert ein. Der Sturzflug in dieser Woche könnte nun das Ergebnis einer Nervosität sein, die sich – glaubt man Marktbeobachtern – zuletzt vor allem unter Privat- und Kleinanlegern breit gemacht und am Dienstag nochmals neue Nahrung bekommen hatte. So gerieten Informationen an die Öffentlichkeit, nach denen die südkoreanische Regierung wohl darüber nachdenke den Handel mit Kryptowährungen komplett zu verbieten. Derweil will China Gerüchten zufolge das Schürfen von Bitcoins nicht länger dulden. Nicht zuletzt aufgrund des hohen Stromverbrauchs, der 2018 den von ganz Argentinien erreichen könnte.

Ziehen Ostasiens Bitcoin-Hotspots die Notbremse?

Das Problem: 15 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels entfallen auf Südkorea und 80 Prozent aller neuen Bitcoins entstehen in China. Ausgerechnet die beiden Staaten, in denen Cyber-Währungen bisher so erfolgreich und populär waren, denken nun also darüber nach regulierend einzugreifen und dem Boom ein Ende zu bereiten. Doch nicht nur aus Asien kommen schlechte Nachrichten am laufenden Band. Auch in den USA und Europa meldeten sich zuletzt immer mehr Mahner zu Wort. Unter ihnen auch Investorenlegende Warren Buffett. "Ich kann mit annähernder Sicherheit sagen, dass sie ein böses Ende nehmen werden", sagte dieser im Gespräch mit CNBC in Bezug auf die digitalen Münzen.

„Der Staat hat die Aufgabe, schützenswerte Interessen des Einzelnen und des Gemeinwohls zu bewahren“, kam es derweil von Bundesbank-Vorstand Wuermeling. "Kryptowährungen werden deshalb über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob zum Beispiel zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen." All diese Negativschlagzeilen lasteten derzeit zu sehr auf der gesamten Cyberwährungswelt, ist Timo Emden vom Onlinebroker DailyFX überzeugt.

Bleibt die Frage, wann und ob diese in naher Zukunft wieder abreißen. Derzeit scheinen zu viele Negativszenarien am Markt zu existieren. Kein Händler, keine Privatperson und kein Staat sei verpflichtet Bitcoins oder andere Kryptowährungen anzunehmen, zitiert beispielsweise das Handelsblatt DZ-Bank- Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. Im Falle einer Vertrauenskrise bestehe zudem keine Institution, die stabilisierend eingreifen könne. Eine künftig strengere Regulierung oder gar Verbote könnten dazu ebenso wenig ausgeschlossen werden wie Hackerangriffe auf Handelsplattformen, so Bielmeier weiter.

Vieles deutet auf beschleunigten Bitcoin-Absturz hin

Ganz unabhängig davon, wie es mit der Kryptowährung als alternativem Zahlungsmittel weitergeht, ist aber vor allem der rasante Absturz des Bitcoin alarmierend. Inzwischen repräsentiert die Cyber-Wahrung laut coinmarketcap.com nur noch 34 Prozent des gesamten Kryptowährungsmarktes. Vor einem Jahr waren es noch 88 Prozent und im Dezember 65 Prozent gewesen.

Über den schwindenden Marktanteil des Bitcoin hatte die Börse am Sonntag bereits im vergangenen Jahr berichtet und sich dabei auf eine Forschungsstudie der Royal Society, die den Bitcoin als möglicherweise überbewerteten Vorreiter ausgemacht haben wollte, berufen. Über vier Jahre hinweg, vom 28. April 2013 bis zum 13. Mai 2017, hatten die Briten das Verhalten von 600 aktiven und insgesamt 1.469 Kryptowährungen untersucht und waren zu dem Schluss gekommen: Der Marktanteil des Bitcoin geht zurück. Und das während sich die Marktkapitalisierung aller Digitalwährungen zusammen allein zwischen Mai 2016 und 2017 vervierfacht hat.

Der Bitcoin wird nicht wegen seiner Technologie und damit einhergehend seiner überlegenen Blockchain so viel öfter gekauft als die digitalen Münzen der Konkurrenz, sondern aufgrund seines Marktanteils und dem Fakt, dass er die erste Kryptowährung auf dem Markt war. Solche Einschätzungen dürften die Nervosität und Verunsicherung unter Anlegern alles andere als mindern. Und auch wenn Bitcoin, Ethereum, Ripple und Co. zum Ende der Woche einen Teil ihrer Verluste wett machen konnten, scheinen den Kryptowährungen 2018 stürmische Monate zu drohen. Besonders wohl dem Bitcoin. OG

17.01.2018 | 01:03

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