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Die Goldpreisrally ist noch nicht zu Ende

Klettert der Goldpreis bald weiter? (Foto: Shutterstock)



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Vergangene Woche übersprang der Goldpreis zunächst mühelos die 2.000 US-Dollar, kurz darauf folgte die überfällige Korrektur. An Attraktivität hat das Edelmetall deshalb nicht eingebüßt. Langfristig ist der Aufwärtstrend intakt und viele Analysten sind so optimistisch wie noch nie.

Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch. Die Tage, an denen den Goldpreischart ein dickes, rotes Minus schmückt. So gesehen am Freitag der vergangenen Woche und am Montag und Dienstag dieser Woche. Ausgehend von Mitte Juli war der Preis für eine Feinunze Gold bis Anfang August um fast 15 Prozent gestiegen. Ein Rekordhoch in Höhe von 2.067 US-Dollar war die logische Folge. Zwischenzeitliche Einbrüche, Fehlanzeige. Schnurstracks ging es nach oben. Das Corona-Tief aus dem März zugrunde gelegt, hatte sich das Edelmetall bis August um über 41 Prozent verteuert. Bis es dann offenbar selbst den kühnsten Optimisten ein bisschen zu viel des Überschwangs wurde – am Dienstag fiel der Preis wieder unter die 2.000-Dollar-Marke.

Eine überfällige Korrektur. Mit der steilen Rally der vergangenen Wochen wurde ein zumindest zwischenzeitlicher Rücksetzer immer wahrscheinlicher. Seit Monaten – auch schon vor der Coronakrise – steigt der Preis im Eiltempo, völlig unberührt davon, was am Aktienmarkt geschieht. Im Zweifel Gold, scheint die Devise unter Anlegern zu lauten. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sind allein 900 Tonnen des Rohstoffs in Gold-ETFs geflossen.

Situation erinnert an 2011

Was aber ist von diesem ersten größeren Rücksetzer seit Langem zu halten? Läutet er das Ende der Rally ein? Ist er als Warnschuss für Anleger zu deuten, die trotz des stark gestiegenen Preises noch immer fleißig zukaufen? Hat sich etwa doch eine Blase gebildet, die nun beginnt erste Risse zu bilden? Tatsächlich erinnert manches an den sprunghaften Anstieg des Goldpreises zwischen den Jahren 2008 und 2011, im Nachgang der Finanzkrise also. Verglichen mit dem gegenwärtigen Preisanstieg eher ein Anstieg in Zeitlupe, aber dennoch ein sehr steiler. Aufkeimende Inflationsängste vor dem Hintergrund der einsetzenden expansiven Geldpolitik, ließen Anleger nach sicheren Häfen greifen. Auch damals gipfelte die Rally in einer Kursexplosion von Juni bis August 2011, als der Goldpreis um knapp 25 Prozent von 1.487 auf 1.853 US-Dollar stieg. Eine Spekulationsblase, denn danach ging es fast fünf Jahre lang bergab, ehe sich eine Seitwärtsbewegung anschloss – über weitere vier Jahre. Die Aktienmärkte erholten sich, die Wirtschaft ebenso, sichere Häfen waren urplötzlich wieder unpopulär. So schnell kann das gehen.

Rally könnte eine Sommerpause einlegen


Sollten Anleger also allmählich darüber nachdenken, umzuschichten? Spekulanten vielleicht, möglich, dass die Rally eine Sommerpause einlegt. Langfristig orientierte Anleger jedoch, die ihrem Portfolio Gold als Sicherheit beimischen, dürfen wohl auf eine Fortsetzung des Preisanstiegs hoffen. Bary Dawes, Vorstandsvorsitzender der Investmentfirma Martin Place Securities, gab in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC ein Kursziel von 3.500 US-Dollar auf Dreijahressicht aus. Eine kurzfristige Konsolidierung sei zwar wahrscheinlich, ein insgesamt klarer Aufwärtstrend jedoch nicht von der Hand zu weisen. Ganz ähnlich sieht das auch BNP-Paribas-Experte Garth Bregman, der ebenfalls gegenüber CNBC sagte, dass er bei bei 2.000 US-Dollar zunächst eine Konsolidierung erwarte, dann aber einen erneuten Anstieg.

Das spricht für einen weiter steigenden Goldpreis


Dafür spricht in der Tat einiges. Im Nachgang der Finanzkrise mag die Geldpolitik expansiv gewesen sein, inzwischen ist daraus eine regelrechte Geldschwemme nach dem Koste-es-was-es-wolle-Prinzip geworden. Notenbanken und Regierungen fluten die Märkte mit Geld. Ein bedeutender Teil davon landet an den Märkten, in Aktien, in Anleihen oder eben in Gold. Allein das spricht also schon für steigende Preise in nahezu allen Asset-Klassen. Vor allem kehrt damit jedoch die Inflationsangst zurück, denn was damals vielen klar war, ist nun wohl wirklich jedem bewusst: Ihre Schulden werden die Länder zu einem großen Teil nie mehr wieder zurückzahlen können und auch das Bedienen derselben wird zum Kraftakt. „Es ist zu erwarten, dass die Zentralbanken ihre inflationäre Geldpolitik fortsetzen, und dass die dadurch anschwellenden Geldmengen die Güterpreise in die Höhe treiben“, meint Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa. Entsprechend würde Gold als Inflationsschutz dienen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis für das Edelmetall in den kommenden Monaten weiter ansteigt, ist aus unserer Sicht sehr groß.“ Seine Prognose für 2021: 2.700 US-Dollar. Hinzu kommt: Die ultralockere Geldpolitik ist auch eine der niedrigen Zinsen. Und das wird bis auf weiteres auch so bleiben. Staatsanleihen werfen entsprechend kaum noch Rendite ab, Anleger werden ins Risiko gezwungen oder in sichere Häfen wie Gold. Dass das Edelmetall keine Zinsen abwirft, fällt als Nachteil schließlich kaum noch ins Gewicht.

US-Dollar schwächelt

Zuletzt befeuerte nun auch noch ein schwächelnder US-Dollar die Goldpreisrally. Anleger sorgen sich zunehmend um das anschwellende US-Haushaltsdefizit und die wirtschaftliche Erholung in den USA. Da das Edelmetall auf dem Weltmarkt in der US-Währung gehandelt wird, wird es für ausländische Investoren günstiger, sobald der Dollar gegenüber deren Landeswährung abwertet.  Darüber hinaus sorgt die Corona-Krise schlicht für extreme Unsicherheit auf nahezu allen politischen und wirtschaftlichen Ebenen. Den Rettungspaketen von Regierungen und Notenbanken ist es bislang zu verdanken, dass die Krise nicht noch wesentlich stärker auf die Realwirtschaft durchschlägt, als ohnehin schon. Verwundern dürfte es einen da nicht, wenn Anleger demzufolge auch weiterhin zu einem sicheren Hafen, wie Gold, greifen. Möglich allerdings, dass sich Preisausschläge nach unten ob der extremen Rally der vergangenen Wochen zu häufen beginnen.

OG

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11.08.2020 | 15:15

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