boerse am sonntag - headline

Griechenland: 50% sind nicht die Hälfte!

FTSE Greece Index - Stand: 28.10.2011 (11:45 Uhr)

FTSE Greece Index - Stand: 28.10.2011 (11:45 Uhr)


Der griechische Ministerpräsident Papandreou hat den vereinbarten 50-prozentigen Schuldenschnitt für sein Land als nachhaltig gewürdigt. Seinen Worten zufolge kann es seine Probleme nun ein für alle Mal lösen. Realistisch scheint dies jedoch nicht.

Denn der griechische Schuldenberg sinkt nicht um 50%, wie man vermuten könnte. Schließlich dürfte Hellas bis Jahresende mit mehr als 350 Mrd. Euro verschuldet sein. Laut dem Beschluss sollen Anfang 2012 aber nur die Staatsanleihen zur Hälfte geschnitten werden, die derzeit bei privaten Investoren im Umlauf sind. Sie werden mit etwa 200 Mrd. Euro angegeben. Faktisch gibt es auf die gesamten Schulden somit nur einen Schnitt von etwa 28%. Und der Clou – die Umtauschaktion ist auch noch freiwillig – kommt wohl auch nur zustande, wenn eine bestimmte Beteiligungsquote erreicht wird. Um die Entscheidung leichter zu machen, soll der EFSF den Gläubigern eine Absicherung von 30 Mrd. Euro gewähren. Dies klingt alles irgendwie wie eine Mogelpackung und ein großer Durchbruch sieht wahrlich anders aus. Trotzdem gab es überwiegend Beifall und die Kritiker wurden kaum gehört.

Einer ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, der bezüglich des angepriesenen Schuldenschnitts zu einem noch ernüchternderen Fazit kommt. Er rechnet vor: Griechenland wird Ende 2011 etwa 354 Mrd. Euro Schulden haben. Abzüglich der Kredite von IWF und Eurostaaten und der von der EZB gekauften Anleihen dürften auf private Gläubiger etwa 206 Mrd. Euro entfallen. Davon sollen griechische Banken rund 85 Mrd. Euro halten. Schäffler hält es für sehr unwahrscheinlich, dass sie an einer Umschuldung beteiligt werden, weil sie sonst selbst rekapitalisiert werden müssten. Bleiben 121 Mrd. Euro übrig. Davon die Hälfte entspräche somit gerade einmal 17%. 50% sind eben nicht die Hälfte.

28.10.2011 | 00:00

Artikel teilen:

-->