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Kommt jetzt das Comeback der Pandemie-Gewinner?

Meetings vom eigenen Schreibtisch aus könnten in der vierten Coronawelle wieder häufiger werden. (Foto: Cabeca de Marmore / Shutterstock)



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Nach den fulminanten Kursanstiegen zu Beginn der Pandemie, haben die Aktienkurse vieler Corona-Profiteure in diesem Jahr deutlich verloren. Besonders Privatanleger haben dabei Leergeld bezahlt. Ändert sich das nun?

Erst hochgejubelt, dann abgestraft. Die Corona-Gewinner der ersten Stunde haben an der Börse ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Und mit ihnen ihre Anleger. Die Kursperformance der Aktien von Zoom, TeamViewer, Zalando und Co. steht exemplarisch für das Risiko, das sich einkauft, wer auf Werte setzt, deren Börsen-Kunststücke nicht mit solchen aus der realen Welt bestätigt werden. Schnell läuft man da einer Übertreibung nach der anderen hinterher. Erst der steile und vollkommen überzogene Anstieg, meist herbeigeführt von Spekulanten. Dann der ebenso oder zumindest ähnlich steile Abstieg, der gleichfalls übertrieben daherkommt. Wohl dem, der da kühlen Kopf bewahrt und im besten Fall nicht am höchsten Punkt einsteigt, nur um am niedrigsten wieder auszusteigen.

Vielen dürfte das nicht gelungen sein. Privatanleger haben im Hype um die Corona-Profiteure eine Menge Geld verloren. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er an der Börse gern dann einsteigt, wenn die Rally bereits gefestigt läuft – und aussteigt, wenn die Verluste beginnen weh zu tun. Aber sei‘s drum. Im November 2021 kehrt, für den einen überraschender als für den anderen, die Corona-Krise zurück. Vor allem Deutschland und Europa hat das Virus wieder fest im Griff. Lockdowns werden wieder ausgerufen, die Menschen wandern zurück aus den Büros ins Home-Office. Das kulturelle Leben wird auf ein Minimum zurückgefahren, die Weihnachts- und Winterzeit wohl vermehrt in den eigenen vier Wänden und allein verbracht.

Könnte dieses Comeback der Pandemie also nicht auch gleichzeitig das Comeback ihrer Gewinner werden? Gibt es Hoffnung für all die Anleger, die Aktien von TeamViewer im Depot haben? Gibt es vielleicht Einstiegsgelegenheiten für all diejenigen, denen der Kurs der Kommunikationsplattform Zoom einst weggelaufen war? Wird Home-Schooling wieder ein Thema?

Ja, womöglich. Das eine mehr, das andere weniger. Dass in Deutschland nun wieder von zuhause aus geschuftet wird, dürfte die Nutzerzahlen von Kommunikations-Diensten oder auch einer Fernwartungssoftware wie TeamViewer bestimmt wieder steigen lassen. Möglich auch, dass die Menschen wieder mehr Sport zu Hause machen und sich ihren eigenen vernetzten Peloton-Hometrainer leasen.

Das Momentum ist weg

Allein, das Momentum scheint weg. Und es dürfte so schnell nicht wiederkommen. „Mit den Impfstoffen und der Lockerung der Beschränkungen in Teilen der Welt ist ein großer Teil dieser beispiellosen digitalen Nachfrage schnell wieder weggebrochen. Kurz gesagt, die Verbraucher sind zu ihren Gewohnheiten aus der Zeit vor der Pandemie zurückgekehrt“, schreibt Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets. Daran dürften nun auch neue Teil-Lockdowns nichts ändern. Zum einen ist nicht mehr fast die ganze Welt schwer von Corona betroffen, zum anderen sind die Aussichten viel bessere, also noch vor einem Jahr. Man weiß inzwischen: Die Impfungen bescheren zumindest ruhige Sommer, eine höhere Impfquote bald vielleicht auch ruhigere Winter.

Viel wichtiger aber noch: Inzwischen scheint klar, welche Trends sich manifestieren und welche nicht. Das Home-Schooling zum Beispiel war wohl eine Ausnahme und dürfte auch bei einer Wiederkehr eine solche bleiben. „Bildungs-Technologie ist offline gegangen“, sagt Konstantin Oldenburger. „In den USA ist der größte Anbieter von Online-Nachhilfe, Hausaufgabenhilfe und anderen Unterstützungsdiensten für High-School- und College-Studenten Chegg an der Börse abgestürzt.“ Nachdem das Unternehmen gewarnt hatte, dass es Studenten verliert, sind die Aktien um fast 50 Prozent gefallen. Alle Gewinne der Aktie aus der Covid-Ära seien damit wieder ausradiert worden. Ähnlich erging es dem Fitness-Geräte-Anbieter Peloton, dessen Aktienkurs sich fast geviertelt hat. Fast halbiert haben sich auch die Aktien von Zoom. In Deutschland sorgte vor allem der Absturz von Teamviewer für Aufsehen. Aber auch die Zalando-Aktie musste in diesem Jahr deutlich federn lassen.

Klein und spezialisiert wird im aktuellen Börsenumfeld zum Risiko

Was diese Unternehmen alle eint, ist mehr als ihre Beliebtheit im ersten Corona-Jahr. Sie alle sind auch vergleichsweise klein und spezialisiert. Zu Beginn der Pandemie war die Nachfrage nach Video-Kommunikation so groß, dass quasi alle Anbieter profitierten. Insbesondere Zoom, da genau zum richtigen Zeitpunkt mit einer sehr gut funktionierenden Software vor Ort. Die Eintrittsbarrieren in den Markt sind aber nicht groß. Für Skype noch belächelt, ist Microsoft mit Teams inzwischen zurück im Geschäft und kombiniert Video-Meetings gleich noch mit einem cloudbasierten Kommunikationstool. Teams wird hierzulande beispielsweise viel in Schulen eingesetzt. Wofür braucht es da noch eine extra Homeschooling-Plattform wie Chegg? Der Mode-Händler Zalando profitiert zwar weiter von einem florierenden Online-Handel. Das tut aber auch Amazon. Und der Online-Riese spielt bekanntlich in einer ganz anderen Liga, ist zudem noch Anbieter von der boomenden Cloud-Infrastruktur.

Aus Spekulation wird Anlage

Die „kleinen“ Corona-Gewinner waren eine schön Spekulation zu Beginn der Pandemie. Längst aber setzt die Mehrheit der Investoren auf große Trends und deren Branchenführer. Das zeigen die auch in diesem Jahr noch starken Kursentwicklungen Microsoft, Netflix oder – hierzulande – der Deutschen Post. Die Aktien dieser und weiterer Konzerne aus einer ähnlichen Liga könnten es auch sein, die von erneuten Kontaktbeschränkungen im europäischen Winter profitieren. Der Mega-Trend Online-Shopping wird wohl erneut an Fahrt aufnehmen und die Auslieferung der Pakete zu einem großen Teil über die Post laufen. Dass die Menschen in der Winterzeit bei fehlendem Kulturangebot wieder mehr Serien und Filme streamen, lässt sich ebenfalls erahnen. Netflix dürfte hiervon gemeinsam mit Disney+ am ehesten profitieren. „Zoom und die Videotelefonie insgesamt sollten nicht nur ausschließlich als Corona-Profiteure betrachtet werden, sondern in den allgemeinen Trend und Motor des modernen „Work-from-anywhere“-Umfeldes eingeordnet werden“, schreibt Analyst Oldenburger. Von diesem Umfeld profitieren besonders die großen Tech-Firmen aus dem Silicon-Valley – Alphabet und Microsoft zum Beispiel.

Fazit

Ein Comeback der gebeutelten Corona-Gewinner wird es wohl erst einmal nicht geben. Dafür könnten andere Corona-Gewinner ihre Erfolgsstory umso stärker weiterschreiben.

OG

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18.11.2021 | 11:40

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