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Leichtes Wachstum in Deutschland im dritten Quartal

(Foto: Shutterstock)


Das Bruttoinlandprodukt (BIP) Deutschlands legt im dritten Quartal um 0.1 % zu. Das Wachstum ist eine grosse Überraschung und kommt unerwartet. Insgesamt ist es aber nicht mehr als eine schwarze Null.

Eine Analyse von Dr. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe

Zu den Wachstumstreibern gehörten der private und öffentliche Konsum. Die Bauinvestitionen unterstützten den BIP-Zuwachs ebenfalls. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass das Wachstum des Vorquartals nach unten revidiert wurde. Statt dem ursprünglich publizierten Rückgang von 0.1 % steht nun ein Minus von 0.2 % zu Buche. Die wirtschaftliche Bremsspur fiel in den Frühjahrsmonaten also grösser aus.

Deutschland schrammt damit nach offizieller Lesart an der Rezession vorbei, doch dies ändert nichts an der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Situation. Gemäss den Zahlen des Statistischen Bundesamts sind die Ausrüstungsinvestitionen im dritten Quartal geschrumpft. Auch wenn die Gesamtwirtschaft nicht in einer Rezession ist, das verarbeitende Gewerbe ist es sehr wohl.

In den vergangenen Jahren war die Industrie das Zugpferd der deutschen Volkswirtschaft. Eine florierende Weltwirtschaft führte zu einer hohen Nachfrage nach deutschen Maschinen und Autos. Diese Zeiten sind vorerst vorbei.

Die Handelsstreitigkeiten sorgen für verzögerte Investitionen und die Autoindustrie wird gleich mehrfach in die Zange genommen. Die schwächere konjunkturelle Entwicklung, der Dieselskandal und die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb treffen die deutschen Autohersteller hart. In weiterer Folge leiden die Zulieferer aus dem Maschinenbau, selbst die Chemieindustrie steht in gewisser Abhängigkeit zum Fahrzeugabsatz. Kurzum: Die deutschen Schlüsselindustrien leiden, was keine gute Ausgangslage ist für die Wirtschaft.

Die schwachen Auftragseingänge der vergangenen Monate mahnen, dass das Wachstum im vierten Quartal eine Zitterpartie zwischen Zuwachs und Schrumpfung sein wird. Das laufende Jahr sollte möglichst rasch abgehakt werden. Der Blick geht in das Jahr 2020. Zuletzt gab es zarte Anzeichen einer Besserung. Wichtige Konjunkturfrühindikatoren legten wieder zu und der letzte Datenpunkt zu den Auftragseingängen überraschte auf der positiven Seite. Möglicherweise stehen also etwas bessere Zeiten mit höheren Wachstumsraten ins Haus. Für ein abschliessendes Urteil bedarf es allerdings mehrere Monate mit einem klaren Zuwachs der Bestellungen für die deutsche Industrie.

Doch selbst wenn es wieder etwas bergauf geht, sollte nicht ein allzu hohes Wachstum erwartet werden - gerade der Strukturwandel im Automobilbau dämpft das Potenzialwachstum. Doch wenn es in der Wirtschaft etwas ruhiger zugeht, das weniger hektische Tagesgeschäft Freiräume schafft, gilt es die Weichen für die Zukunft zu stellen. Das gilt nicht nur für Unternehmen sondern auch für die Politik.

14.11.2019 | 20:37

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