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Morgan Stanley malt schwarz: „Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht“

(Foto: Nong Mars / Shutterstock)




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Michael Wilson, Chefstratege für US-Aktien bei Morgan Stanley sieht den S&P500 in den kommenden Monaten noch weiter fallen. Der Top-Banker rechnet mit einem signifikanten Absinken des Gewinnwachstums. In den Kursen wäre das noch nicht ausreichend eingepreist.

In Deutschland und Europa geht die Angst vor einer Rezession um. Mit den ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland und einer weiter hohen Inflation wird sie immer wahrscheinlicher. Wenig überraschend herrscht an der Börse eine entsprechend miese Stimmung. Der Dax steht auf Zwölfmonatssicht mit knapp 20 Prozent im Minus. Eine baldige Erholung scheint unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Die Angst vor noch kräftigeren Verlusten dominiert das hiesige Börsengeschehen. Als Zufluchtsort, so schien es zuletzt, könnte die Wall-Street taugen. Die Gaskrise trifft die USA weit weniger schlimm als Europa und die Inflation bekämpft die Fed deutlich ernsthafter als die EZB – auch, weil sie keine Rücksicht auf hochverschuldete Staaten nehmen muss, die unter der Zinslast drohen zusammenzubrechen.

Die einflussreiche US-Investmentbank Morgan Stanley warnt nun aber auch für den breiten amerikanischen Markt: „Wir glauben nicht, dass der Bärenmarkt schon vorbei ist, vorausgesetzt, dass unsere Gewinnprognosen stimmen“, schrieb der Chefstratege für US-Aktien, Michael Wilson, in einer Mitteilung an Kunden des Geldhauses. Konkret hält Wilson noch in diesem Jahr 3.000 Punkte im S&P 500 möglich. Aktuell steht das US-Börsenbarometer noch bei knapp 4.000 Zählern, womit Wilson also ein weiteres Abwärtspotenzial von 25 Prozent befürchtet. Dabei hat der S&P500 in diesem Jahr bereits fast 1.000 Punkte verloren.

Wilson sorgt sich vor allem um die Gewinne der Unternehmen. Modellen von Morgan Stanley nach soll der Gewinn je Aktie im S&P500 in diesem Jahr nur noch bei 220, statt bei 225 US-Dollar liegen, 2023 dann bei 212, statt bei 236 Dollar. „Unsere Basisschätzungen für die Jahre 2022,2023 und 2024 liegen nun jeweils drei, 13 und 14 Prozent unter dem Konsens. Das bedeutete für das kommende Jahr einen Gewinnrückgang von drei Prozent im Vergleich zu 2022. Dabei geht die Bank aber noch nicht von einer Rezession aus, die auch für die USA noch nicht vom Tisch ist.

Wilson rechnet zwar weiter mit einem Umsatzwachstum. Dieses soll sich aber verlangsamen und die Gewinne dürften ob eines hohen Kostendrucks durch höhere Löhne, dahinschmelzen. Die Margen also würden dünner und dünner, was an der Börse nicht gut ankäme.

Zunächst ist das die nächste düstere Prognose, die Anleger weiter verunsichern dürfte. US-Aktien sind seit Jahren aber auch hoch bewertet. Eine weitere Kurssturz könnte lang ersehnte Einstiegsgelegenheiten eröffnen. Aktuell sind viele Papiere, trotz bereits deutlich gesunkener Kurse, immer noch teuer. Schließlich fallen teilweise die Gewinne schon mit. Auf lange Sicht macht dann auch Michael Wilson wieder Hoffnung: „Von dort aus (den im Falle eine Rezession prognostizierten 3000 Punkten) dürften sich die Kurse bis zu unserem Basis- (3.900 Punkte) oder Baisse-Ziel (3.350 Punkte) für den Zeitraum bis Juni 2023 erholen“, schreibt Wilson.

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06.09.2022 | 17:17

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