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Rohstoffe > Sinkende Preise nur Momentaufnahme

Experten warnen vor neuer Kaffee-Teuerwelle

Kaffebohnen mit Kaffeetasse.
(Foto: Shutterstock)

Die Rekordernte in Brasilien und die steigende Produktion in Vietnam dürften die Preise kurzfristig drücken. Doch Zollrisiken und eine steigende Nachfrage aus den Schwellenländern könnten das wieder ändern.

Kaffee ist für viele Deutsche mehr als nur ein Getränk, er ist Ritual, Wachmacher und Wärmespender an Wintertagen in einer Tasse. Ob zum Frühstück, nach dem Mittagessen oder am Nachmittag im Café, ohne die Kaffee-Bohne läuft hierzulande kaum etwas. Kein Wunder: Mit rund 167 Litern pro Kopf im Jahr sind die Deutschen weit vorne im Kaffeeverbrauch.

Doch die letzten Jahre haben Kaffeefans ganz schön schlucken lassen: Ende 2024 erreichte die beliebte Sorte Arabica mit 3,30 US-Dollar pro Pfund den höchsten Stand seit 1977. Die Sorte Robusta schoss Anfang 2025 sogar auf schwindelerregende 5.700 Dollar pro Tonne. Plötzlich war die Tüte Kaffee im Supermarkt fast schon Luxus. Was sich auch an kuriosen Nachrichten bemerkbar macht: so riegeln einige Supermärkte in Deutschland ihre Kaffee-Regale ab – aus Sorge vor Ladendiebstahl.

Doch die Preise könnten sich bald schon nach unten bewegen: „Die Preise sind wieder auf Talfahrt. Arabica kostet aktuell nur noch rund 2,86 Dollar pro Pfund im Großhandel, Robusta liegt bei etwa 1,27 Dollar pro Pfund. Für Verbraucher könnte die Packung Kaffee im Regal also bald wieder ein Stück günstiger werden“, sagt Marktexperte Jens Klatt vom Online-Broker XTB.

Was steckt hinter der Preiswende?

Brasilien, der mit Abstand größte Kaffeeproduzent der Welt (über 40 Prozent der globalen Produktion, vor allem Arabica), meldet eine Rekordernte: rund 40,55 Millionen 60-kg-Säcke sollen 2025 geerntet werden. Vietnam, spezialisiert auf Robusta, erwartet rund 29 Millionen Säcke. Auch Kolumbien, Indonesien, Costa Rica, Mexiko, Guatemala, Äthiopien und Uganda liefern, insgesamt deutet derzeit vieles auf ein steigendes Angebot hin.

Doch Vorsicht, sagt Jens Klatt: „Die Rekordernte in Brasilien und die steigende Produktion in Vietnam dürften die Preise kurzfristig drücken. Aber Klimarisiken, Zölle durch die Trump-Regierung und eine weiter steigende Nachfrage, vor allem aus Schwellenländern, könnten den Markt schnell wieder drehen.“

Klimawandel als Preistreiber

Der Klimawandel hat die Kaffeeproduktion zuletzt hart getroffen: In Brasilien gab es 2024 die schlimmste Dürre seit 1981. Die Pflanzen produzierten mehr Blätter als Kirschen, die Erträge brachen ein. Vietnam litt unter Dürren und Überschwemmungen, was die Robusta-Ernte im letzten Jahr ebenfalls schwächte. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts könnten sich die für Arabica geeigneten Anbauflächen bis 2050 sogar halbieren. Jede Wetterextrem-Saison hat das Potenzial, den Weltmarktpreis schlagartig nach oben zu treiben.

Politik, Zölle und Spekulanten

Hinzu kommen politische Störfaktoren: Trumps Ankündigung von 50 Prozent Strafzöllen auf brasilianische Kaffeeimporte ließ US-Röster hektisch auf dem Weltmarkt einkaufen, die Preise schossen in die Höhe. Diese Zölle stören den globalen Handelsfluss, erhöhen die Kosten und sorgen für weiterhin Nervosität an den Märkten.

Auch Spekulanten spielen eine Rolle: Rund 80 Prozent des Kaffees werden schon vor der Ernte an den Börsen gehandelt. Diese Spekulationen auf Arabica und Robusta dienen zwar vor allem Produzenten und Röstern zur Absicherung, doch Hedgefonds und andere Investoren wetten auf Preisbewegungen. Giuseppe Lavazza, CEO des gleichnamigen bekannten Kaffee-Unternehmens, sieht darin einen Haupttreiber der enormen Preissprünge Anfang 2025. Klatt ordnet ein: „Zwar sorgen Spekulanten für Liquidität und können die Preisfindung an den Märkten beschleunigen. Aber in Zeiten von Unsicherheit, wie etwa bei Zöllen oder wetterbedingten Engpässen, könne sie die Ausschläge nach oben oder unten verstärken.“

Deutschland: Kaffeeland ohne Plantagen

Auch wenn Deutschland kein Anbauland für Kaffee ist, ist die Bundesrepublik ein globaler Dreh- und Angelpunkt für die Verarbeitung. Giganten wie Tchibo, Melitta, Dallmayr oder Jacobs rösten, mischen und vertreiben Millionen Tonnen Bohnen, fast alle stammen aus Ländern wie Brasilien, Vietnam oder Kolumbien. Wenn die Weltmarktpreise steigen, schlägt das zeitversetzt auch auf die Supermarktpreise in Deutschland durch.

Was kommt als Nächstes?

Laut einer Reuters-Umfrage könnten Arabica-Futures bis Ende 2025 auf rund 2,95 Dollar pro Pfund steigen, immer noch 30 Prozent unter den jüngsten Höchstständen, aber eben kein dauerhaftes Schnäppchen. Robusta könnte bei etwa 3.600 Dollar pro Tonne landen. Klatt fasst es so zusammen: „Kaffee wird nicht plötzlich billig wie Leitungswasser. Wer langfristig stabile Preise erwartet, sollte lieber schon mal seinen Vorrat auffüllen.“ Kaffeetrinker können zwar erst einmal aufatmen, doch zwischen Klimakrise, Politik und Weltmarkt ist der Preis für den morgendlichen Wachmacher so volatil wie nie.

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